Seit den Ereignissen der Silvesternacht 2015/16 in Köln und anderen Städten ist das mediale Interesse an nichtdeutschen Tatverdächtigen bei Gewalttaten deutlich angestiegen. Die Studie analysiert die Berichterstattung über Geflüchtete und Zugewanderte und zeigt Veränderungen zu früheren Jahren. Von den untersuchten Fernsehsendern wurde im untersuchten Zeitraum beispielsweise vier Mal so häufig über Gewalt nichtdeutscher Tatverdächtiger berichtet wie 2014. Ihr Anteil in der Kriminalstatistik stieg innerhalb dieser drei Jahre lediglich um ein Drittel.

Zentrale Ergebnisse:
•Über Ausländer in Deutschland wird immer häufiger dann berichtet, wenn sie einer Straftat verdächtigt werden (Bild: 64,3 %, SZ 39,5 %, FAZ 38,2 %, taz 18,6%, TV-Nachrichten 52,2 %).
•Der von den Sicherheitsbehörden beobachtete Anstieg von vor allem rechtsextremistisch motivierter Gewalt gegen Asylsuchende seit 2014 spiegelt sich in der Berichterstattung hingegen nicht wider. Fernsehberichte über nichtdeutsche Opfer von Gewaltdelikten haben sich im Untersuchungszeitraum gegenüber 2014 sogar halbiert.
•Die Betroffenen selbst werden kaum befragt. In der Bild-Zeitung wird nur in einem von 28 Artikeln über Flüchtlinge und Zuwanderer ein nichtdeutscher Gesprächspartner befragt, in der SZ in jedem achten Artikel, bei der taz in jedem sechsten, in der FAZ in jedem fünften Artikel und bei den Fernsehnachrichten nur in jedem siebten Beitrag. Auch Flüchtlingshelfer und Vertreter von Kirchen und Hilfsorganisationen kommen nur vereinzelt oder gar nicht zu Wort.
•Positiv ist die Berichterstattung im Hinblick auf die Integration am Arbeitsmarkt, von ihr handeln circa zehn Prozent der 283 untersuchten Presseartikel. 6,7 Prozent berichten von einer Stärkung des Arbeitsmarktes durch Einwanderer und Flüchtlinge, eine Schwächung beschreiben hingegen nur 3,2 Prozent.

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