Ziele
Der Religionsmonitor untersucht die Rolle der Religion und der zunehmenden religiösen Vielfalt in fünf europäischen Ländern. Ziel ist es, besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen ein Zusammenleben von Menschen verschiedener Glaubenszugehörigkeit, aber auch von Menschen ohne religiösen Glauben, dauerhaft gelingen kann – was sie verbindet, was sie auseinandertreibt.

Befragte
In Deutschland wurden von Juli 2016 bis März 2017 vom Forschungsinstitut infas 1.114 Musliminnen und Muslime und 1.453 nichtmuslimische Menschen zu ihren persönlichen religiösen Einstellungen und zum Verhältnis von Religion und Gesellschaft befragt. Insgesamt nahmen knapp 8.500 Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und dem Vereinigten Königreich an der Befragung teil.

Inhalte - Gegenstand der Studie
Menschen mit muslimischem Glauben sind in Deutschland zunehmend besser integriert. Zu diesem Ergebnis kommt der von der Bertelsmann Stiftung herausgegebene Religionsmonitor 2017.
Am deutlichsten ist laut der Erhebung die Integration auf dem Arbeitsmarkt. Die Erwerbsbeteiligung der Musliminnen und Muslime entspricht dem Bundesdurchschnitt der deutschen Erwerbsbevölkerung: Rund 60 Prozent arbeiten in Vollzeit, 21 Prozent in Teilzeit und die Arbeitslosenquote gleicht sich ebenfalls an. Allerdings sind sie häufiger im Niedriglohnsektor beschäftigt, ihr durchschnittlicher Verdienst ist deshalb geringer.
Auch die sprachliche Integration gelingt von Generation zu Generation besser. Inzwischen ist für 73 Prozent der in Deutschland geborenen muslimischen Kinder Deutsch die erste Sprache. 84 Prozent der hier geborenen Musliminnen und Muslime verbringen ihre Freizeit regelmäßig mit Nicht- oder Andersgläubigen und für fast zwei Drittel aller Musliminnen und Muslime besteht ihr Freundeskreis mindestens zur Hälfte aus Nicht- oder Andersgläubigen. Einen deutschen Pass hat ungefähr die Hälfte und mit Deutschland verbunden fühlen sich 96 Prozent, obwohl immer noch 19 Prozent der nichtmuslimischen Bevölkerung muslimische Menschen als Nachbarn ablehnen.

Kritik des Instituts der deutschen Wirtschaft an den Ergebnissen
Zweifel an den von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Angaben für die Arbeitsmarktintegration äußerte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Nach einer eigenen Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) kommt das Institut zu dem Ergebnis, dass Musliminnen und Muslime in Deutschland deutlich seltener erwerbstätig sind und auch seltener in Vollzeit arbeiten als Christinnen und Christen oder Konfessionslose. Als Ursache identifiziert das IW, dass die Arbeitsmarktintegration häufig am Migrationshintergrund der Musliminnen und Muslime scheitere.
Laut IW Auswertung des SOEP liegt die Erwerbsbeteiligung von Musliminnen und Muslimen nur bei 54 Prozent (bei den vor 2010 Eingewanderten: 58 Prozent). Bei Christinnen und Christen sind es hingegen 73 Prozent, bei Konfessionslosen 77 Prozent.

Das Sozio-oekonomische Panel ist eine jährlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) durchgeführte Wiederholungsbefragung von rund 30.000 Personen, darunter 1.400 Musliminnen und Muslime im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren.

Quelle
IW-Nachricht - 25. August 2017
https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/beitrag/holger-schaefer-arbeitsmarktintegration-von-muslimen-vermeintlicher-erfolg-358606
(Aufruf: 18.10.2017)

Bezug (online)
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2017/august/integration-von-muslimen-in-deutschland-macht-fortschritte/
(Aufruf: 18.10.2017)

Wichtigste Ergebnisse und Länderprofile
Autorin: Yasemin El-Menouar
https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Religionsmonitor-2017_Muslime-in-Europa_Ergebnisse-und-Laenderprofile.pdf
(Aufruf: 18.10.2017)

Zusatzinformation zur Verteilung der Erwerbsbeteiligten - IW-Auswertung SOEP

Musliminnen und Muslime:
54 Prozent (33 Prozent in Vollzeit, 17 Prozent in Teilzeit, 4 Prozent selbstständig)
Musliminnen und Muslime (vor 2010 eingewandert):
58 Prozent (36 Prozent in Vollzeit, 18 Prozent in Teilzeit, 4 Prozent selbstständig)
Christen:
73 Prozent (44 Prozent in Vollzeit, 23 Prozent in Teilzeit, 6 Prozent selbstständig)
Konfessionslose:
77 Prozent (52 Prozent in Vollzeit, 18 Prozent in Teilzeit, 7 Prozent selbstständig)
Sonstige:
52 Prozent (29 Prozent in Vollzeit, 19 Prozent in Teilzeit, 4 Prozent selbstständig)

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IW-Artikel
Autor: Holger Schäfer
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