Nach der Wahl 2017 stellt die AfD mit 12,6 Prozent die drittgrößte Fraktion im Deutschen Bundestag. Der Frage, welche Faktoren zu diesem Wahlerfolg geführt haben, geht das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in einer Studie nach. Neben der Analyse sozioökonomischer Faktoren, wie Arbeitslosigkeit oder Einkommen, legen die Verfasser einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Darstellung der Zusammenhänge von Wahlverhalten und existierender politischer Kultur in den einzelnen Wahlkreisen. Den aktuellen Wahlergebnissen werden dazu Nichtwähleranteile sowie Zweitstimmenanteile der NPD bei der Bundestagwahl 2013 gegenübergestellt und auf Zusammenhänge mit den AfD Ergebnissen 2017 untersucht.
Die Autoren stellen dabei fest, dass die AfD besonders stark in Regionen abgeschnitten hat, in denen bei der Wahl 2013 auch die NPD viele Stimmen gewinnen konnte. Dies führen sie auf einen „Normalisierungsprozess“ für rechtsextreme Positionen zurück, wenn die NPD sehr präsent und oft bereits in Kommunalparlamenten in der Region vertreten ist. Mit ihr fanden demokratiefeindliche Thesen Eingang in den tagesaktuellen politischen Diskurs und rechtsextremistische Haltungen wurden zunehmend verharmlost.
Ebenfalls besonders gute Ergebnisse konnte die AfD 2017 in Wahlkreisen mit einem sehr hohen Anteil von Nichtwählerinnen und Nichtwählern bei der Bundestagswahl 2013 erzielen. Dort konnte sie Menschen aktivieren, die sich zuvor aus Politikverdrossenheit von den demokratischen Prozessen abgekoppelt hatten.
Den aktuellen Wahlerfolg der AfD sehen die Verfasser vor dem Hintergrund ihrer Ergebnisse als langfristigen Prozess, der vor allem dort stattfindet, wo sich in der lokalen politischen Kultur Demokratieverdrossenheit und Rechtsextremismus normalisieren konnten. Sie fordern daher alle demokratischen Parteien auf, zukunftsfähige Konzepte und Programme zur Stärkung der demokratischen Kultur zu entwickeln, die den Versuchen der AfD entgegenwirken, rechtsradikale Positionen zu enttabuisieren und weitere Nichtwählerinnen und Nichtwähler für sich zu mobilisieren.

Erscheinungsdatum
21. November 2017

Durchführung
IDZ
Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft - Thüringer Dokumentations- und Forschungsstelle gegen Menschenfeindlichkeit
Talstr. 84
07743 Jena
Telefon: 03641 / 27 19 403
E-Mail: mail@idz-jena.de
Web: www.idz-jena.de

Datengrundlagen:
Datensätze des Bundeswahlleiters sowie öffentlich einsehbare Daten der regionalen Statistikbehörden.

Bezug (online/offline)
http://www.idz-jena.de/fileadmin/user_upload/Demokratieferne_Raeume_AfD_Bundestagswahl_2017.pdf
(Aufruf: 29.11.2017)