Ausschreibung Regionalstudie

Ausschreibung: Durchführung einer Studie im Themengebiet Rechtsextremismus in einem Landkreis in Baden-Württemberg

Zielsetzung

(Rechts-) Extremismus ist auch im Jahr 2017 aktueller denn je. Rassismus, Antisemitismus, die Abwertung von vulnerablen Gruppen, Homophobie oder Fremdenfeindlichkeit sind Themen die wir den Medien jeden Tag entnehmen können. Das Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (kurz: GMF) fasst diese Begriffe zu einem Syndrom zusammen, welches sich auf eine „Ideologie der Ungleichheit bzw. Ungleichwertigkeit“ (Heitmeyer) bezieht. Dieses Syndrom kann die unterschiedlichsten Facetten annehmen. Etwa der Protest gegen die Unterbringung von anerkannten Geflüchteten, die Abwertung von zum Beispiel wohnungslosen Menschen oder Asylsuchenden oder die Verbreitung von Vorurteilen gegen andere Gruppen sind nur einige Beispiele wie sich GMF in der „Mitte der Gesellschaft“ zeigt. In der Ausprägung muss allerdings zwischen Diskriminierungsphänomenen, dem sog. „Alltagsrassismus“, Rechtspopulismus und dem organisierten Rechtsextremismus unterschieden werden.

Diese Themen stellen vor allem Menschen vor Herausforderungen, die haupt- oder ehrenamtlich in der Schule, der außerschulischen Jugendarbeit- und Bildung, der Schulsozialarbeit, in der Verwaltung und im zivilgesellschaftlichen Ehrenamt arbeiten. Sie gelten als kompetente Fachleute für Jugendfragen. Gerade wenn junge Menschen zu Erwachsenen heranreifen sind sie anfälliger für extreme Einstellungsmuster als wenn sie bereits gefestigte Persönlichkeiten entwickelt haben. In dem zu untersuchenden Landkreis kam es vermehrt zu Vorfällen mit rechtsextremem Hintergrund, Strukturen rechtsextremer Gruppierungen lassen sich feststellen. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass diese Expertinnen und Experten Präventionsarbeit leisten.

Die Studie soll mit der Methode der qualitativen Interviews die o.g. Expertinnen und Experten nach ihren Beobachtungen, Erfahrungen und Kenntnissen von extremen Phänomenen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Landkreis befragen. Der Bericht erhebt nicht den Anspruch auf Repräsentativität, sondern zielt als Expertenbefragung auf vertiefende Einblicke in Denk- und Handlungsweisen in Teilen der jungen Bevölkerung im Landkreis. Aufgrund der geographischen Lage des Landkreises wird versucht, auch mit Akteuren im benachbarten Ausland ins Gespräch zu kommen.

Die Ziele, die mit der Beauftragung der Studie angestrebt werden, sind zum einen eine Sensibilisierung für das Thema Rechtsextremismus und GMF, die Klärung des Umgangs mit diesen Phänomenen und zum anderen die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen in diesem Themenfeld, besonders in Bezug auf die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.    

Kernfragestellungen  

Teil 1: Rechtsextreme Strukturen

Erkennen und untersuchen von rechtsextremen Strukturen und Gruppierungen im Landkreis. Benennung von rechtsextremen Erscheinungsformen unter der Berücksichtigung von bereits vorhandenen Studien und Berichten. Beschreibung der rechtsextremen Gruppierungen in Größe, Handlung, Eigendarstellung, Wirkungsweisen, Ideologie, Struktur und Vernetzung (im Grenzgebiet).

Teil 2: Wahrnehmung der Expertinnen und Experten  

Wie werden rechtsextreme Strukturen und Gruppierungen von den Expertinnen und Experten wahrgenommen? Wo gibt es Berührungspunkte zwischen den Expertinnen und Experten bzw. deren Arbeitsumfeld und den rechtsextremen Strukturen? Die Expertinnen und Experten sollen von ihren Erfahrungen im Themenfeld berichten und den Umgang damit schildern. Wichtig hierbei ist der Umgang mit deren Erfahrungen in Bezug auf das lokale zivilgesellschaftliche Engagement und die staatlichen Unterstützungsstrukturen. Gibt es bereits Lösungsansätze vor Ort? Was wünschen sich die Expertinnen und Experten für die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen?

Teil 3: Handlungsempfehlungen

Es sollen Handlungsempfehlungen im Themenfeld für die Stärkung der Zivilgesellschaft und  ein lebendiges und demokratisches Gemeinwesen, basierend auf den Erfahrungen der Expertinnen und Experten in der Region, erarbeitet werden. Es soll eine externe Expertise für lokale Akteure entstehen und somit eine Handreichung und Arbeitsgrundlage für weitere regionale und grenzübergreifende Aktivitäten sein.

Theoretische Grundlagen

Als theoretische Grundlage gilt das Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (kurz GMF) nach Heitmeyer. Zudem werden Begriffe wie Rechtsextremismus und Präventionsarbeit definiert. Miteinbezogen werden zudem die Lebenswelt und die politische Kultur vor Ort sowie die Angebote, die es in diesem Themenfeld vor Ort gibt.

Untersuchungsgegenstand

Als Untersuchungsgegenstand gelten der Landkreis und die von dort stammenden Expertinnen und Experten. Aufgrund der geographischen Lage ist anzunehmen, dass der Austausch der rechtsextremen Gruppierungen auch länderübergreifend stattfindet. So sollen in die Untersuchung auch das angrenzende Ausland einbezogen werden. Stichprobe Die Stichprobe bezieht sich auf zwei unterschiedlich erhobene Inhalte: zum einen werden Vorfälle mit rechtsextremem oder fremdenfeindlichem Hintergrund in Medienberichten im Landkreis einbezogen. Diese können durch klassische „desk research“ erarbeitet werden. Die andere Stichprobe sind die Expertinnen und Experten die schon in der Einleitung beschrieben wurden. Ziel ist die Befragung von mindestens 25 Akteuren in diesem Themenfeld. Als Beispiel fallen hierunter: 

Vertreterinnen und Vertreter von Städten und Gemeinden; in der Jugendpflege/Jugendarbeit/Schulsozialarbeit Tätige; Regionale Beratungsstelle im Themenfeld; politisch Verantwortliche; Vereine und Verbände; Regionale Bündnisse; Schulen; Kirchen; Sonstige (Journalistinnen und Journalisten, Schülerinnen und Schüler); Polizei (Staatsschutz, Kriminalprävention).

Methoden

Die verwendeten Methoden gehen mit der Beschreibung der Stichproben einher. So wird zum einen die Methode „desk research“ angewendet und zum anderen werden qualitative Leitfadeninterviews mit Expertinnen und Experten geführt. Die Methode „desk research“ schließt Protokolle, Beobachtungen, Gespräche, Internetrecherche und Presseberichte als Quellen ein. Die qualitativen Leitfadeninterviews können als Gruppen- oder Einzelinterviews durchgeführt werden. Sie werden aufgenommen und anschließend transkribiert.

Umsetzung und Durchführung

Mit der Umsetzung der Studie wird ein Institut mit einschlägiger Erfahrung und fachlicher Expertise betraut. Die Beauftragung zur Umsetzung der Studie erfolgt auf Grundlage eines eingereichten Konzeptplans mit zentralen Meilensteinen sowie einem vollständigen Kostenplan. Das Budget für die Umsetzung der Studie liegt bei 25.000 Euro. Die Auswertung und Erstellung der Gesamtstudie liegt bei der Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg.

Die Frist zur Einreichung der Konzeptunterlagen ist der 31.10.2017 (Poststempel) bei der Landeskoordinierungsstelle:

Demokratiezentrum Baden-Württemberg Landeskoordinierungsstelle

Jugendstiftung Baden-Württemberg

Schloßstr. 23

74372 Sersheim

Der Ausschreibungstext steht hier zum Download zur Verfügung.