2015 veröffentlichte Studie zur Wahrnehmung des Islams in der deutschen Bevölkerung und religiösen Einstellungen von muslimischen Menschen in Deutschland und der Türkei.

Durchführung vom Institut für angewandte Sozialforschung infas (Religionsmonitor) und vom Emnid-Institut (Umfrage) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.
Die Umfrageergebnisse wurden von Prof. Dirk Halm und Dr. Martina Sauer (Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung), Prof. Kai Hafez und Sabrina Schmidt (Universität Erfurt) sowie Prof. Richard Traunmüller (Universität Frankfurt) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ausgewertet.

Aufbau: Die Sonderauswertung Islam setzt sich aus den Daten des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung von 2012 und einer Umfrage des Emnid Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung von 2014 zusammen, sodass Veränderungen im Islambild erfasst werden konnten. Für den Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung  wurden 14.000 Personen in 13 Ländern zu ihrer persönlichen Religiosität, ihren Werthaltungen und dem Verhältnis von Religion, Politik und Gesellschaft repräsentativ befragt. Die Sonderauswertung Islam bezieht sich dabei auf die Erhebungen in Deutschland und der Türkei. Für die Emnid-Umfrage wurden die Fragen zur Islamwahrnehmung der deutschen Bevölkerung aus dem Religionsmonitor erneut erhoben, ergänzt um weitere Fragen zu Einstellungen und zum Kontakt zu Muslimen.

Ergebnisse der Studie: Muslime in Deutschland seien mit Staat und Gesellschaft eng verbunden – unabhängig von der Intensität muslimischen Glaubens. Das Leben als religiöse Minderheit prägte religiöse Orientierungen und Werthaltungen der Muslime in  Deutschland. Diese dächten häufiger  über  Glaubensfragen nach und seien insgesamt liberaler als Muslime in der Türkei. Der offenen Haltung vieler Muslime in Deutschland stünde jedoch eine zunehmend ablehnende Haltung der Mehrheit der Bevölkerung gegenüber. Die 4 Millionen in Deutschland lebenden Muslime litten  unter  einem  negativen  Image,  das  vermutlich durch die kleine  Minderheit  der radikalen Islamisten (weniger als 1% aller Muslime) geprägt würde. Islamfeindlichkeit sei keine gesellschaftliche Randerscheinung, sondern fände sich in der Mitte der Gesellschaft. Islamfeindlichkeit als salonfähiger Trend könne zur Legitimation diskriminierender und ausgrenzender Verhaltensweisen gegenüber einer Minderheit genutzt werden. Regelmäßige  persönliche  Kontakte helfen Vorurteile gegenüber  Muslimen abzubauen, häufig aber fehlten hierzu die Gelegenheiten.  

Bezug: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/51_Religionsmonitor/Zusammenfassung_der_Sonderauswertung.pdf (Aufruf: 11.07.2016)

2015 unter dem Titel „Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!“ veröffentlichte Studie zu linksextremen Einstellungen in der Bevölkerung und den demokratiegefährdenden Potenzialen des Linksextremismus.

Durchführung von Infratest Dimap im Auftrag des Forschungsverbunds SED-Staat der Freien Universität Berlin im Rahmen des Bundesprogramms „Initiative Demokratie Stärken“.

Aufbau: In einer repräsentativen Erhebung wurden bundesweit etwa 1400 Menschen zu ihrer Zustimmung zu zentralen Positionen des Linksextremismus befragt. Die Positionen wurden zuvor auf Basis der Auswertung von Selbstdarstellungen und Programmatiken typischer linksextremer Gruppen herausgearbeitet und in eine Skala des Linksextremismus überführt.

Ergebnisse der Studie: Die Forschungsgruppe ermittelte, dass ein Sechstel der Gesamtbevölkerung (Westdeutschland: 14 Prozent; Ostdeutschland: 28 Prozent) eine linksradikale/linksextreme Grundhaltung hätte. Dabei wiesen vier Prozent ein nahezu geschlossenes linksextremes Welt- und Gesellschaftsbild auf, 13 Prozent stimmten überwiegend den jeweiligen Facetten eines linksextremen Einstellungsmusters zu. Die durchschnittliche Zustimmung zum Einsatz politisch motivierter Gewalt „gegen das System“ lag in der Umfrage bei sieben Prozent. Von den als linksextrem eingestuften Personen befürworteten 14 Prozent Gewaltanwendung.

Laut der Umfrage hielten mehr als 60 Prozent der Befragten die Demokratie nicht für eine echte Demokratie, da die Wirtschaft und nicht die Wähler/-innen das Sagen hätten. Ein Fünftel der Bevölkerung (Ostdeutschland: 24 Prozent; Westdeutschland: 19 Prozent) würde eine Verbesserung der Lebensbedingungen durch Reformen nicht für möglich halten und für eine Revolution plädieren.  

Bezug weiterer Informationen: http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2015/fup_15_044-studie-linksextremismus/ (Aufruf: 08.07.2016)

2014 veröffentlichte Studie zu Ausmaß und Ursachen der Diskriminierung von Schülern/Schülerinnen mit Migrationshintergrund bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, gefolgt von Handlungsempfehlungen zum Umgang mit dieser Problematik.

Durchführung von Dr. Jan Schneider, Ruta Yemane und Martin Weimann vom Forschungsbereich des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration SVR, gefördert von der Robert Bosch Stiftung.

Aufbau: Für einen Korrespondenztest wurden jeweils zwei Bewerbungen von überdurchschnittlich qualifizierten männlichen Schülern mit deutscher Staatsangehörigkeit an insgesamt 1.794 Unternehmen verschickt, die mindestens einen Ausbildungsplatz für die Berufe Kfz-Mechatroniker/-in oder Bürokaufmann/-frau zu besetzen hatten. Die beiden Bewerber hatten die gleichen Eigenschaften und Qualifikationen; der einzige Unterschied war, dass einer von ihnen einen türkischen Namen hatte und der andere einen deutschen. Gemessen wurde das Rückmeldeverhalten der Unternehmen.

Ergebnisse der Studie: Um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu erhalten, müsse ein Kandidat mit einem deutschen Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Mitbewerber mit einem türkischen Namen hingegen sieben. Das Ausmaß der Benachteiligung unterscheide sich je nach  Ausbildungsberuf: Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker sei die Benachteiligung stärker ausgeprägt, als beim Bürokaufmann. Dabei spiele die Unternehmensgröße eine wichtige Rolle, da die Diskriminierungsrate bei kleinen Unternehmen deutlich höher sei als bei mittleren und großen Unternehmen.
Die Studie verweist darauf, dass die Erfahrung wiederholter Ablehnung auf der individuellen Ebene möglicherweise zu Resignation und Rückzugstendenzen bei den Jugendlichen führe, was Probleme für den Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft zur Folge haben könne.

Bezug: http://www.svr-migration.de/wp-content/uploads/2014/11/SVR-FB_Diskriminierung-am-Ausbildungsmarkt.pdf (Aufruf: 08.07.2016)

2016 unter dem Titel „Die enthemmte Mitte“ veröffentlichte Studie zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen in Deutschland Durchführung unter der Leitung von Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Otto Brenner Stiftung.

Aufbau: Bundesweit wurden in einer repräsentativen Erhebung 2.420 Menschen (West: 1.917, Ost: 503) zu den Themen Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Chauvinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus befragt und die Antworten in sechs soziologische Milieus gegliedert.

Ergebnisse der Studie: Hinsichtlich der Verbreitung der klassischen Einstellungen, die Rechtsextremismus charakterisieren, falle die Steigerung von Vorurteilen nur geringfügig aus. Während die generalisierten Vorurteile gegen Migranten/-innen leicht zurückgingen, hätte die Fokussierung des Ressentiments auf Asylbewerber/-innen, Muslime/-innen sowie auf Sinti und Roma zugenommen. Die jüngsten Veränderungen im Parteiensystem zeigten weniger einen neuerlichen Anstieg fremdenfeindlicher und autoritärer Einstellungen in der Gesellschaft an, vielmehr fände das seit Jahren vorhandene Potenzial nun eine politisch-ideologische Heimat. Die Studie konstatiert, dass sich trotz der Erstarkung der demokratischen Milieus, andere Milieus in Deutschland in die entgegengesetzte Richtung entwickelten: Offensiv vertretene völkisch-nationale Positionen würden dort als genauso akzeptabel angesehen wie Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung.

Bezug: http://www.zv.uni-leipzig.de/pressedaten/dokumente/dok_20160615153919_948ead63a9.pdf (Aufruf: 08.07.2016)

Ergebnisse einer Studie zum Bild Betroffener über ihre Lebenssituation, die im Juni 2016 veröffentlicht wurde.  

Auftraggeber war das Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Die Erhebung entstand unter der Leitung von Detlef Pollack und der Mitarbeit von Olaf Müller, Gergely Rosta und Anna Dieler.  

Für die Erhebung befragte TNS Emnid telefonisch 1.201 türkeistämmige Personen ab 16 Jahren zu den Schwerpunktthemen Integration, Religiosität und Akzeptanz durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Die Telefonate fanden von November 2015 bis Februar 2016 statt.  

Inhalt der Studie war die Erforschung, inwieweit sich in Deutschland lebende Türkeistämmige in Deutschland anerkannt und integriert fühlen. Abgefragt wurden dabei Aspekte wie empfundene Benachteiligungen und die Ursachen, auf die die Befragten solche zurückführen, ihre Haltung zum Islam oder ihr Wille zur Integration. Hervorgehoben wird, dass sich die große Mehrheit der Befragten (ca. 90 %) in Deutschland wohl fühlt, aber etwa die Hälfte sich dennoch als Bürger 2. Klasse fühlen. 70 % der Befragten wollen sich unbedingt und ohne Abstriche in die deutsche Gesellschaft integrieren.
Die Wahrnehmung des Islam, dem sie selbst vor allem Eigenschaften wie Solidarität, Toleranz und Friedfertigkeit zuschreiben, durch die deutsche Mehrheitsbevölkerung, die den Islam vor allem mit Benachteiligung von Frauen, Fanatismus und Gewaltbereitschaft verbindet, empfinden die Befragten häufig als falsch. Zugleich lassen die Ergebnisse der Umfrage einen beträchtlichen Anteil an islamisch-fundamentalistischen Einstellungen erkennen, die schwer mit den Prinzipien moderner Gesellschaften zu vereinen sind.  

Bezug: https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/religion_und_politik/aktuelles/2016/06_2016/studie_integration_und_religion_aus_sicht_t__rkeist__mmiger.pdf (Aufruf: 23.06.2016)

Erste Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung und einer Betroffenenbefragung, die im April 2016 publiziert wurden.  

Auftraggeber war die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die Studie wurde erarbeitet von Steffen Beigang, Karolina Fetz, Naika Foroutan, Dorina Kalkum und Magdalena Otto vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung der Humboldt-Universität zu Berlin.  

Es wurden zwei Erhebungen durchgeführt:

  1. Betroffenenbefragung von 18.162 Menschen ab 14 Jahren in ganz Deutschland mit einem Fragebogen. Durchführung: Antidiskriminierungsstelle des Bundes; Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung
  2. Telefonische Befragung von rund 1.000 Personen (Zufallsstichprobe – Gesamtbevölkerung Dtld.). Durchführung: SOKO Institut für Sozialforschung und Kommunikation  

Ziel der Studie war die Erforschung, wie viele Personen Diskriminierungen erleben, auf Basis welcher Merkmale und wo diese Diskriminierungen erfolgen, welche Auswirkungen sie haben und wie die Betroffenen darauf reagieren. Knapp ein Drittel der Menschen in Deutschland (31,4 %) hat nach eigener Aussage in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung aufgrund eines im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten Merkmals erlebt. Berücksichtigt man weitere Merkmale, beispielsweise Benachteiligung aufgrund der sozioökonomischen Lage, berichten 35,6 % der Befragten von Diskriminierungserfahrungen. Diskriminierung betrifft also nicht nur einige wenige, sondern einen beachtlichen Teil der Bevölkerung. Am häufigsten wird von Diskriminierung aufgrund des Alters berichtet: 14,8 % der Menschen in Deutschland sahen sich davon in den letzten beiden Jahren betroffen, und zwar sowohl junge als auch ältere Menschen. Fast die Hälfte (48,9 %) derer, die in den letzten beiden Jahren Diskriminierung erlebt haben, berichtet von Benachteiligung im Arbeitsleben. Hier ist das Diskriminierungsrisiko besonders hoch. Sechs von zehn Personen (59,6 %) reagieren auf Diskriminierungserfahrungen, z. B. indem sie auf die Diskriminierung aufmerksam machen.  

Bezug http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Handout_Umfrage_Diskriminierung_in_Dtschl_2015.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (Aufruf: 24.06.2016)