Rechtsextreme Gruppierungen und Neonazis haben schon vor vielen Jahren erkannt, dass sie ihre Botschaften mit Musik vor einem größeren Publikum verbreiten können. Manchmal kommen sie angeblich unpolitisch daher, ein andermal mit offenen Hasstiraden und Parolen. Dabei verkünden sie ihre Botschaften und Ideologien mehr oder weniger subtil.

Rechtsextreme Musik spricht dabei insbesondere Jugendliche an, da deren Weltbild noch nicht verfestigt ist. Jugendliche, die sich überdies mit Zukunftsängsten (Ausbildung, Arbeitsplatz, Angst vor sozialem Abstieg) oder wirtschaftlichen und sozialen Problemen herumschlagen, sind dabei besonders gefährdet in den Sog rechter Ideen hineingezogen zu werden. Musik spricht gerade in der Zeit der Identitätsfindung besonders an.

„,Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen. Besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden', stellte bereits vor mehr als vierzehn Jahren der Übervater des internationalen Rechtsrocks, der Brite Ian Stuart Donaldson, in einem Fernsehinterview fest.” (Gründer der Band Skrewdriver) (Zitat siehe: http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/185064/rechtsrock-fuer-s-vaterland)

 

Grauzone

Welche Bands sind nun dem rechtsextremen Lager zuzuordnen? Eindeutig dann, wenn die Liedtexte rassistische, antisemitische und fremdenfeindliche Inhalte haben. Doch Bands wie Frei.Wild, Unantastbar oder Krawallbrüder vermeiden solche eindeutigen Formulierungen. Hier wird eher von Heimattreue, Heimatliebe und der Zugehörigkeit zu einem Volk gesprochen. Es geht um Freundschaft und um Werte. Problematisch wird es, wenn die besungene Freundschaft bedeutet, Fremde auszugrenzen oder abzulehnen, und es um Werte geht, die nur die eigene Gruppe hat und diese über die anderen zu stellen. Entworfene homogene Gesellschaftsbilder werden der real existierenden Gesellschaft gegenübergestellt und verglichen. Dieser Vergleich enthält Abwertungen der Gruppen, die nicht ins entworfene homogene Bild passen. Darin zeigt sich manchmal deutlicher, manchmal eher verschwommen eine Zugehörigkeit ins rechte Lager oder zumindest eine Nähe zu deren Denkmustern. Deshalb wird häufig von Grauzonen-Musik gesprochen. In einer gezielten Auseinandersetzung mit den Liedtexten lässt sich meist herausarbeiten, ob ein demokratisches Weltbild zugrunde liegt oder nicht. Zum Teil lässt sich die Uneindeutigkeit aber auch nicht auflösen. Eigene Statements von Bands helfen da nicht immer weiter.

Ein weiteres Kennzeichen bietet die Teilnahme an Festivals, an denen andere Grauzonen- oder rechtsextreme Bands teilnehmen. Fehlende Distanzierung spricht hier für inhaltliche Nähe. Einige der hier aufgeführten Bands spielen z.B. auf den Festivals Ehrlich & Laut, Spirit Of The Streets, Feuer und Eis.

 

 

Rechtsextreme und Grauzonen-Bands in Baden-Württemberg

 

1980 gründete sich die Band Böhse Onkelz und avancierte schnell zum Magnet für rechtsextreme Kreise. Anfang der 1990er-Jahre distanzierte sich die Gruppe öffentlich von rechten Skinheads und Neonazis. Wie glaubhaft diese Distanzierung ist, wurde und wird unterschiedlich bewertet. Viele junge Coverbands treten heute noch gerne mit Titeln der Böhsen Onkelz ins Rampenlicht, durchaus ein Hinweis, wo sie politisch angesiedelt werden könnten.

 

Aufbruch

Die Band Aufbruch gibt es seit 1996, sie gruppiert sich um den Frontmann Manuel Jakob, Spitzname Stroßeköter, der Herausgeber des Fanzines „Doitsche Offensive” ist. Die Band tritt regional und überregional bei Nazi-Konzerten auf. Ihr neuestes Album erschien 2010 beim Hammerskin-nahen Label „Gjallarhorn Klangschmiede”. Überbleibsel aus der Nazi-Musikszene der 90er-Jahre.

 

Tonstörung

Kultband, die in den 80er- und 90er-Jahren aktiv war. Ihr bekanntester Hit „Blut muss fließen” wurde als Titel der Dokumentation zur deutschen Rechtsrock-Szene von Thomas Kuban gewählt. Der Frontmann Thomas Muncke und weitere Bandmitglieder standen 1993 wegen Volksverhetzung vor Gericht. 

 

Kategorie C

gibt häufiger Konzerte in Baden-Württemberg. Zur Band siehe Braune Töne.

 

Jungsturm

Jungsturm ist eine Rechtsrock-Band aus dem Saarland. Sie steht dem internationalen, in Deutschland verbotenen Hammerskin-Netzwerk nahe. 2001 erstes Album „Wir bleiben deutsch” im Eigenvertrieb. 2003 folgte die CD „Lieder unserer Jugend”, die ausschließlich Coverversionen, unter anderem von Sturmwehr, Saccara, Freikorps und Oithanasie enthielt. Das 2008er Album „Bis der Schatten ist verbannt” erschien über Gjallhorn Klangschmiede, ein Rechtsrock-Label aus Ludwigshafen. Die Band ist europaweit bekannt. 2011 spielte sie in Rohrbach-lès-Bitche auf einem Festival vor 2.500 Rechtsextremisten. Weitere Auftritte fanden in Rheinmünster-Söllingen und in Jamel statt.

 

Blue Max

Blue Max stammt aus dem Odenwald und versteht sich als nationale Band. Sie waren sowohl auf der Projekt Schulhof-CD vertreten. Die Gruppe verfasst vor allem Texte in der Schnittmenge zwischen rechtsextremer Ideologie und allgemein gesellschaftskritischen Texten.

Mitglieder der Gruppe sind in weiteren rechtsextremen Bands wie Strafbataillon, Oi-Rebellen und der nationalsozialistischen Band Kategorie 18 vertreten. Die Gruppe tritt auf Wahlkampfveranstaltungen der NPD und im benachbarten Ausland auf diversen Veranstaltungen aus dem Rechtsrock-Milieu auf. 

 

 

Konzerte in Baden-Württemberg

 

Meist organisieren Einzelpersonen einer örtlichen Szene ein entsprechendes Konzert. Die Information über das Konzert erreicht per Telefonkette oder SMS, über Mailinglisten im Internet und Mundpropaganda das Publikum. Die Interessentinnen und Interessenten erfahren meist nur einen Treffpunkt, von dem aus sie dann zum eigentlichen Veranstaltungsort weitergeleitet werden.

Der Landesverfassungsschutz Baden-Württemberg hat für 2013 eruiert:

„2013 stagnierte sie [die Zahl der Konzerte] im Vergleich zu 2012 bei acht. Zwischen 2010 und 2012 war sie noch deutlich rückläufig gewesen (2010: 17; 2011: elf). Allerdings nahm die durchschnittliche Konzertbesucherzahl im Jahr 2013 wieder auf ca. 120 Personen zu, nachdem sie 2012 (ca. 90; 2011: ca. 150) noch drastisch abgenommen hatte.” (Zitat: http://www.verfassungsschutz-bw.de/)


Nicht erfasst werden dabei all die Konzerte, die kurzfristig ins grenznahe Ausland verlegt werden bzw. in angrenzenden Bundesländern stattfinden.