Erste kommunale Anlaufstelle im Land eröffnet

Bericht

Die Stadt Weinheim hat als erste Kommune in Baden-Württemberg eine Anlaufstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg eingerichtet. Über den Stadtjugendring gelingt eine enge Vernetzung.

Presseerklärung der Stadt:

Frühwarnsystem gegen Radikalisierung

Demokratiezentrum eröffnet in Weinheim eine neue Beratungsstelle, um politischem und religiösem Extremismus zu begegnen

Weinheim. Als das Demokratiezentrum Baden-Württemberg vor einigen Wochen mit dem Stadtjugendring in Weinheim an der Bergstraße erstmals über eine Anlaufstelle sprach, in der Jugendliche beraten werden, die mit politischem Extremismus in Kontakt gekommen sind, wusste noch niemand, dass die Eröffnung dieser Beratungsstelle am 27. Juli in eine turbulente Zeit fallen würde. Seit vergangener Woche haben sich fast täglich schlimme Vorfälle, Anschläge und Straftaten ereignet, die von jungen radikalisierten Tätern ausgeübt worden sind.

So hat die Eröffnung der Beratungsstelle, die am Mittwoch mit einem Pressegespräch verbunden war, eine fast schon dramatische Aktualität bekommen. Die neue Kontaktstelle ist dem Stadtjugendring Weinheim e.V. zugeordnet. Ansprechpartner ist Geschäftsführer Martin Wetzel, der bereits seit langem als Berater im Netzwerk „kompetent vor Ort“ mitwirkt.

In einem Pressegespräch zur Eröffnung erklärten Wetzel, Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard und Angelika Vogt vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg, wie wichtig diese Präventionsarbeit ist und wie die Beratungen in Weinheim vonstatten gehen sollen. Die Weinheimer Stelle ist die erste dieser Art im Rhein-Neckar-Kreis. Es sollen weitere folgen. „Wir brauchen noch mehr Präventionsangebote, die nicht erst greifen, wenn Anschläge wie jetzt in Bayern stattgefunden haben“, sagte Landeskoordinator Günter Bressau der Deutschen Presse-Agentur. Er beschrieb: „Viele kleine Puzzleteile können einen Hinweis darauf geben, dass jemand anfängt, sich zu radikalisieren.“

„Die Beratungs- und Anlaufstellen haben zum Ziel, Betroffene im Umgang mit rechtsextremen Erscheinungsformen und mit menschenverachtenden Einstellungen zu unterstützen sowie Unsicherheiten im Themenfeld Islamismus durch fundierte Informationen auszuräumen“, erklärte Angelika Vogt. Dort würden Fragen beantwortet und entsprechende Expertinnen und Experten vermittelt. Zielgruppe seien neben den betroffenen Jugendlichen insbesondere auch Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Schulsozialarbeiter, Jugendleiter, Fachkräfte in der Kinder- und Jugendarbeit sowie Eltern, Jugendliche und Kommunalpolitiker. Je nach Anfrage oder Problemlage seien verschiedene Institutionen wie etwa Polizei, Ordnungsamt, Schule, Landeszentrale für politische Bildung oder Demokratiezentrum mit ihm Boot. Die Beratungs- und Anlaufstelle habe die Aufgabe der Koordination und der Begleitung dieser Zusammenarbeit. Gemeinsam werde eine passgenaue Handlungsstrategie entwickelt. Darüber hinaus sollen Jugendliche in Projekten sensibilisiert werden.

Martin Wetzel betonte, dass der Stadtjugendring mit seinem „Haus der Jugendarbeit“ in der Stadt der passgenaue Ort für eine solche Beratungsstelle ist, denn dort gehen schon lange und täglich Jugendliche ein und aus, um Beratungen in Anspruch zu nehmen. „Die Hemmschwelle, uns aufzusuchen, ist sehr gering“, erklärte der Geschäftsführer. Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard verwies auf das funktionierende Netzwerk der Experten für Jugendarbeit und Prävention in der Stadt, das durch die Schulsozialarbeit bis hinein in die Schulen reiche. „Wir freuen uns“, so Bernhard, „dass wir auch mit dieser Stelle eine Vorbildfunktion im Land einnehmen.“ (www.demokratiezentrum-bw.de)

 

Weitere Informationen:

Von kvO-Redaktion; Foto: SJR Weinheim

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