01 I 2026
Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zur ersten Ausgabe unseres Newsletters im Jahr 2026 – mit aktuellen Veranstaltungen, interessanten Publikationen und Tipps zum Sehen, Lesen und Hören rund um die Themen Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention.

In dieser Ausgabe werben wir noch mal für die Lange Nacht der Demokratie 2026 und verraten, welche kostenfreien Extras die Modellstandorte erwarten. Wir stellen CLIX vor, ein einzigartiges Präventionsprojekt zur Extremismusprävention für Fachkräfte in Unterkünften für Geflüchtete. Zudem informieren wir über den baden-württembergischen Aktionsplan gegen Desinformation und präsentieren neue Studien zu Hassreden im Internet, der Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt und „importiertem“ Antisemitismus.

Wir freuen uns, Sie auch in den kommenden zwölf Monaten mit aktuellen Informationen, wichtigen Terminen und inspirierenden Tipps zu begleiten. Ihre Ideen und Anregungen sind uns stets willkommen – schreiben Sie uns an info@demokratiezentrum-bw.de.

Falls Sie uns neu entdeckt haben: Mehr über unsere Arbeit finden Sie auf unserer Website. Die Newsletter aus dem Jahr 2025 stehen dort im Archiv bereit.

Wir wünschen Ihnen ein frohes, gesundes und erfolgreiches Jahr.

Viel Freude beim Lesen!

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

 

NEUES AUS DEM DEMOKRATIEZENTRUM BADEN-WÜRTTEMBERG

BEWERBUNGEN FÜR DIE „LANGE NACHT DER DEMOKRATIE“

Am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, am Freitag, 2. Oktober 2026, findet in Baden-Württemberg zum zweiten Mal die landesweite „Lange Nacht der Demokratie“ statt. Modellstandorte können mit bis zu 5.000 Euro unterstützt werden. Bewerbungen sind bis 20. Februar 2026 möglich. Ein zusätzlicher Anreiz für eine Bewerbung: Teilnehmer erhalten ein kostenfreies Social-Media-Coaching.

In der Langen Nacht der Demokratie soll in Städten und Gemeinden in vielfältigen Formaten über Demokratie diskutiert, philosophiert und gestritten werden. Politikerinnen und Politiker, Bürgerinnen und Bürger, Journalistinnen und Journalisten, Jung und Alt begegnen sich an zentralen Orten einer Kommune – jenseits des Seminarraums, auf Augenhöhe, im direkten Austausch und in der Auseinandersetzung über Demokratie. Vor Ort finden sich verschiedene Akteure zusammen und gestalten gemeinsam „ihre“ Nacht der Demokratie. Ein Vertreter der beteiligten Partner stellt stellvertretend einen Förderantrag beim Volkshochschulverband Baden-Württemberg, der die Koordination übernommen hat. Ziel ist es, auch Menschen anzusprechen, die sich bisher wenig für Demokratiebildung interessiert haben.

Weitere Informationen und die Unterlagen zur Anmeldung finden Sie hier.

 

VERNETZUNGSSTELLE "STARKE DEMOKRATIE"   

Unterstützung für Bündnisse und Initiativen   

Das Demokratiezentrum Baden-Württemberg wächst: Die Vernetzungsstelle „Starke Demokratie – gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Fachstelle mobirex gehört nun dazu. Die Vernetzungsstelle unterstützt zivilgesellschaftliche Gruppen, Bündnisse und Initiativen, die sich vor Ort für Demokratie und Vielfalt einsetzen und der extremen Rechten entgegentreten. Im „Landesnetzwerk für Menschenrechte und Demokratieentwicklung – gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit“ kooperieren staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure, wobei die Vernetzungsstelle die Koordination übernimmt. Die Fach- und Beratungsstelle mobirex sowie die Vernetzungsstelle sind Teil der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendbildung (LAGO BW).

Kontakt: Julia Link & Illari Wolf, E-Mail: vernetzung@lago-bw.de

 

DEMOKRATIEZENTRUM VOR ORT  

Online-Lunch bei der Fachstelle FEX

Die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) lädt am 28. Januar 2026 von 12.30 bis 14.00 Uhr zu einem Online-Vortrag ein. Thema: „Rechtsextremismus im Zeichen der Schachbrettfahne? Kroatisch-nationalistische Symbolik und Ideologie in Deutschland“. Referent ist Dr. Danijel Paric, Akademischer Rat an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.


Am 11. Februar 2026,  von 12.30 bis 14.00 Uhr, spricht Andreas Peham über „Krisenphänomen Rechtsextremismus: Ursachenanalyse und Präventionsstrategien – Perspektiven aus Österreich“. Andreas Peham, Mitgründer der Forschungsgruppe „Ideologien und Politiken der Ungleichheit“, engagiert sich seit Jahren in der politischen Bildung und der Lehrerfortbildung.


„Graue Wölfe reloaded? Türkischer Rechtsextremismus in Deutschland – neue Netzwerke, neue Dynamiken“ lautet der Titel eines Online-Vortrags, den Dr. Ismail Küpeli am 18. März 2026 von 12.30 bis 14.00 Uhr hält. Mit etwa 12.000 Anhängern zählt der türkische Rechtsextremismus – bekannt als „Graue Wölfe“ oder Ülkücü-Bewegung – zur zweitgrößten rechtsextremen Strömung in Deutschland. Als  Politikwissenschaftler beschäftigt sich Küpeli  mit Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland und in der Türkei – sowohl in den Mehrheitsgesellschaften als auch in den Minderheiten.


„Wofür mach ich das?!“ Diese Frage stellen „Toni-L“ Landomini und Bryan Vit in ihrem Vortrag „Hip-Hop & Engagement im Selbstauftrag“ am 15. April 2026, ebenfalls von 12.30 bis 14.00 Uhr. Sie beleuchten die Entstehung und Entwicklung der Hip-Hop-Kultur in den USA und Europa und berichten von ihrer Arbeit mit dem Freien Hip-Hop Institut, das sie gemeinsam mit Torch gegründet haben. Toni Landomini (Toni-L), Hip-Hop-Pionier und Gründungsmitglied der Formation Advanced Chemistry, engagiert sich seit Jahren in der kulturellen Bildung – als Musiker, Theaterakteur und Kulturvermittler. Bryan Vit, Hip-Hop-Künstler, Bildungsreferent und Forscher, arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Aktivismus und ist Mitbegründer des Freien Hip-Hop Instituts.


„Wie Fake News unser Hirn hacken“, das ist der Titel eines Vortrags des  Medienpädagogen Lukas Flad am 23. April 2026, von 12.30 bis 14.00 Uhr. Flad unterrichtet Deutsch, Englisch, Geschichte und Medien an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen (SBBZ-L).


„Populisten auf TikTok stoppen. Wie rechte Parteien junge Zielgruppen digital erreichen – und was wir dagegen tun können“ ist das Thema eines Online-Vortrags von Nina Scavello am 6. Mai,  von 12.30 bis 14.00 Uhr. Nina Scavello, Mitgründerin der Agentur mecoa – Mediencoaching, berät Politiker, Politikerinnen und Verbände, wie sie Social Media professionell nutzen und demokratische Kommunikation sichtbar machen. In ihrem Vortrag erklärt sie wichtige  Mechanismen der verschiedenen sozialen Plattformen und zeigt Strategien auf, um Reichweite zu erzielen.

Alle Informationen zu den Veranstaltungen des Online-Lunch-Formats der Fachstelle Extremismusdistanzierung und zur Anmeldung finden Sie hier.

 

ERINNERUNG FÜR HEUTE UND MORGEN

Gespräch mit Inge Auerbacher zum Internationalen Holocaust-Gedenktag

Zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust lädt der Erinnerungsort Hotel Silber am 27. Januar 2026 um 17.30 Uhr zu einem Gespräch mit Inge Auerbacher ein. Im Zentrum steht ihr Buch „Erinnerung für HEUTE und MORGEN“, das sie gemeinsam mit Roswitha Weber und Bianca Christina Weber-Lewerenz herausgegeben hat. Der Band beleuchtet, wie Grundschulen die Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vermitteln können und welche Formen des Gedenkens Empathie, Zivilcourage und entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus und andere Vorurteile fördern.

Inge Auerbacher, im Jahr 1934 geboren, wuchs in einer strenggläubigen jüdischen Familie in Kippenheim und Jebenhausen auf. 1942 deportierten die Nationalsozialisten sie und ihre Eltern ins Ghetto Theresienstadt. Nach der Befreiung 1945 emigrierte die Familie in die USA. Bis heute lebt und arbeitet Inge Auerbacher in New York und engagiert sich weltweit für Erinnerungsarbeit und Bildung.

Mehr Informationen sind hier zu finden.

 

CONNECT FÜR RESPECT! – SCHULE ALS LERNORT FüR DEMOKRATIE

Vernetzungstreffen für Fachkräfte

REspect! im Netz und das Programm „Lernort für Demokratie“ der Jugendstiftung Baden-Württemberg veranstalten am Mittwoch, 4. Februar 2026, von 10 bis 16 Uhr, in Esslingen ein Vernetzungstreffen für Fachkräfte der Demokratie- und Jugendbildung. Das Treffen steht in diesem Jahr auch Partnerschaften für Demokratie sowie weiteren Fachkräften aus dem schulischen und außerschulischen, pädagogischen Bereich offen. Im Mittelpunkt steht der gemeinsame Austausch zu aktuellen Herausforderungen der Demokratieförderung – mit einem besonderen Fokus auf Hass im Netz und Desinformation.

Anmeldungen sind hier bis zum 16. Januar möglich.

 

FACHTAG AKADEMIE DER JUGENDARBEIT UND MOBIREX

How to be an Ally

 „How to be an Ally. Rassismuskritisches Arbeiten als Verbündete“ ist der Titel eines Fachtags, den die Akademie der Jugendarbeit in Kooperation mit der Fachstelle mobirex am 23. März 2026 in Stuttgart veranstaltet. Weitere Informationen zur Veranstaltung und Anmeldung finden Sie hier.

 

AUSSTELLUNG "WAHLKAMPF RADIKAL"

Extreme Parteien im Haus der Geschichte 

Wahlkämpfe galten in den Jahren oft als  „radikal“. Populistische und  extremistische Parteien und Inhalte sorgten für Schlagzeilen, eine Verrohung der politischen Debatte wurde beklagt. Dass der Wahlkampf vor der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg ähnlich verlaufen wird, scheint möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich.

Die Ausstellung „Wahlkampf radikal“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart zeigt, dass „radikale“ Kräfte und Erzählungen schon früher Wahlkämpfe im Land prägten und dabei oft erfolgreich waren: 1952 zog die KPD mit ihrem Aufruf zum „Sturz Adenauers“ in den Landtag ein, 1968 die NPD, die unter anderem Deutschlands Schuld am Zweiten Weltkrieg leugnete. 1992 und 1996 schafften die „Republikaner“ mit der rassistischen Parole „Das Boot ist voll“ den Einzug ins Parlament.

Die Lounge-Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg ist bis zum 12. April 2026 zu sehen.

 

 

NEUES PROJEKT: CLIX

Prävention in Unterkünften für Geflüchtete     

Baden-Württemberg startet mit CLIX ein bundesweit einzigartiges Projekt für Fachkräfte in Wohnunterkünften für Geflüchtete. Ziel ist es, Radikalisierung früh zu erkennen und Menschen in psychosozialen Krisen zu unterstützen. Dafür bietet CLIX landesweit Beratung und Schulungen für Fach- und Leitungspersonal an. Zudem entwickelt das Projekt ein KI-gestütztes Tool (CLIX-KI), das die Handlungssicherheit im Alltag stärkt und den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtert.

Das Sozialministerium fördert das Projekt im Rahmen des Sicherheitspakets Baden-Württemberg mit rund zwei Millionen Euro. Die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V. leitet das Vorhaben. Gemeinsam mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Ulm und dem Institut für Business Analytics der Universität Ulm entsteht ein interdisziplinäres Unterstützungssystem.

CLIX bietet mobile Fachberatung in allen Regierungsbezirken. Beratungsteams helfen Einrichtungen vor Ort, Radikalisierungstendenzen, psychosoziale Krisen oder Konflikte einzuschätzen. Sie vermitteln passende Hilfsangebote und entlasten Fachkräfte präventiv und ressourcenorientiert. Die CLIX-Schulungen stärken den Umgang mit psychischen Belastungen und Anzeichen von Radikalisierung. Das Fortbildungsprogramm kombiniert psychologische, pädagogische und sicherheitsrelevante Ansätze und passt sich den Bedürfnissen verschiedener Berufsgruppen an – von Sozialarbeit über Unterkunftsleitung bis zu Sicherheitsdiensten.

Die CLIX-KI wird als datenschutzkonforme Reflexions- und Entscheidungshilfe entwickelt, um das Fachpersonal im Arbeitsalltag zu unterstützen.

 

 

DESINFORMATION GEZIELT BEKÄMPFEN

Aktionsplan des Landes vorgestellt

Baden-Württemberg startet einen Aktionsplan gegen Desinformation. Der Plan stützt sich auf drei Säulen: Desinformation erkennen, gesicherter Fakten aufbereiten und klar kommunizieren. Das Ziel: Die Gesellschaft soll widerstandsfähiger  gezielten Falschinformationen begegnen, um die Demokratie zu schützen. Im Global Risks Report 2025 des Weltwirtschaftsforums gilt Desinformation bereits im zweiten Jahr in Folge als größtes kurzfristiges Risiko für die Gesellschaft. Desinformation tritt in vielen Formen auf – von subtil verfälschten Nachrichten und manipulierten Bildern bis hin zu orchestrierten Kampagnen. Sie verbreitet sich rasant, da soziale Medien und Online-Plattformen Informationen in Sekundenbruchteilen verbreiten. Ihre Geschwindigkeit, Reichweite und Komplexität machen sie schwer erkennbar und noch schwerer einzudämmen. Die Folgen sind gravierend.

Erarbeitet wurde der Aktionsplan von einer Taskforce unter der Leitung des Innenministeriums. Ihr gehören Vertreter verschiedener Ministerien sowie des Landesamtes für Verfassungsschutz an. Die Landesregierung will eng mit Faktencheck-Organisationen zusammenarbeiten, um Lücken bei der Erkennung und Bewertung von Desinformation zu schließen. Die Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte werden zudem erweitert.

 

 

STUDIE ZU HASSKOMMENTAREN

Ein Drittel stößt auf Hassreden im Netz

Ein Drittel der Internetnutzer stößt im Netz auf Hassreden, mehr als die Hälfte bemerkt Desinformation. Das hat eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in privaten Haushalten ergeben.

Am häufigsten geht es in den Hasskommentaren nach Auskunft der Befragten um Politik:  85 Prozent der Befragten nannten politische oder gesellschaftliche Ansichten, 62 Prozent beobachteten rassistische Äußerungen und Angriffe aufgrund  der ethnischen Herkunft , 53 Prozent nahmen Angriffe wegen sexueller Orientierung wahr, 52 Prozent ordneten Hassrede der Religion oder Weltanschauung zu, 39 Prozent beobachteten  Angriffe aufgrund des Geschlechts, 25 Prozent wegen einer Behinderung.

 

 

WIE OFFEN IST DEUTSCHLAND?

Die Akzeptanz von religiöser Vielfalt nimmt ab 

Menschen mit und ohne Migrationshintergrund bewerten gesellschaftliche Vielfalt unterschiedlich. Das zeigt die Sonderauswertung „Teilhabe und Zugehörigkeit in der Einwanderungsgesellschaft“ des Vielfaltsbarometers 2025 der Robert Bosch Stiftung. Diese repräsentative Befragung untersucht das Zusammenleben in Deutschland.

Zwar liegt die grundsätzliche Akzeptanz von Vielfalt in beiden Gruppen nahe beieinander (62 zu 63 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100), doch bei einzelnen Aspekten wie Religion, sexueller Orientierung und ethnischer Herkunft klaffen die Meinungen auseinander.

Die größten Differenzen gibt es bei der religiösen Vielfalt: Menschen mit Migrationshintergrund bewerten sie deutlich positiver als Menschen ohne (41 zu 31 Punkte). Auch ethnische Vielfalt sehen sie offener (62 zu 54 Punkte). Umgekehrt zeigt sich bei der sexuellen Orientierung ein anderes Bild: Hier sind Menschen ohne Migrationshintergrund toleranter (72 zu 63 Punkte).

Trotz dieser Unterschiede teilen beide Gruppen eine kritische Grundstimmung. Rund 40 Prozent fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Besonders stark ist dieses Gefühl in Ostdeutschland ausgeprägt (48 Prozent), sogar mehr als bei Menschen mit Migrationshintergrund (41 Prozent). Zudem glaubt jeder Zweite, die Politik stelle die Bedürfnisse von Minderheiten über das Wohl der Mehrheit.

 

 

 

IST DER ANTISEMITISMUS IMPORTIERT?

Studie zu Antisemitismus von muslimischen Migranten

In öffentlichen Debatten wird Antisemitismus häufig als „importiertes“ Problem aus muslimisch geprägten Ländern interpretiert . Eine repräsentative Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) ist dieser These nachgegangen. Die Frage: Sind antisemitische Einstellungen mit Migration aus mehrheitlich muslimisch geprägten Herkunftsländern nach Deutschland importiert worden – oder addieren sie sich zu bestehenden antisemitischen Einstellungen in Deutschland hinzu?

Das Working Paper „Importierter“ Antisemitismus zeigt, dass höhere antisemitische Einstellungen bei Neueingewanderten aus mehrheitlich muslimisch geprägten Herkunftsländern bestehen. Diese nehmen über die Aufenthaltsdauer und Generationen hinweg in der Tendenz ab. Gleichzeitig zeigen die Daten auch, dass es ähnlich hohe, teilweise sogar höhere antisemitische Einstellungen bei nicht zugewanderten Deutschen ohne Migrationshintergrund gibt.

 

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: „Schwarze Adler“   

Der Dokumentarfilm „Schwarze Adler“ zeigt die Geschichte Schwarzer Fußball-Nationalspielerinnen und -Nationalspieler im weißen DFB-Trikot. Fußballprofis verschiedener Generationen – von Erwin Kostedde über Jimmy Hartwig zu Steffi Jones, von Gerald Asamoah über Patrick Owomoyela und Cacau bis Jean-Manuel Mbom, sprechen über ihre Erfahrungen mit Rassismus im Fußball und in der deutschen Gesellschaft. Der Film von Regisseur Torsten Körner ist in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung zu finden.


 ZUM LESEN: GEDENKEN NEU DENKEN

Als Susanne Siegert erfuhr, dass nur 20 Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt während der NS-Zeit eines der größten Außenlager des KZ Dachau existierte, war sie erschüttert. Sie beginnt sich in Online-Archiven über die Geschichte des Lagers Mühldorfer Hart zu informieren und stellt dabei fest: Die Verbrechen der Nationalsozialisten wurden hier in ungewöhnlicher Detailtreue dokumentiert. Sie teilt das, was sie herausfindet, zunächst über Instagram und dann auf TikTok. Ihren Accountnamen @keine.erinnerungskultur hat sie gewählt, weil die Zielgruppe, an die sich wendet, keine persönliche Erinnerung an die nationalsozialistische Zeit haben kann. Es geht ihr darum, zu zeigen, wie allumfassend die Verbrechen der Nationalsozialisten waren, wie viele Menschen und Orte es betraf und vor allem, wie es zum NS-Regime kommen konnte. 2024 erhielt sie dafür den Grimme-Preis. Nun hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht. In „Gedenken neu denken“ plädiert Susanne Siegert für ein aktives, vielfältiges Erinnern an die Shoah. Sie ruft besonders die Nachfahren der Tätergeneration zur Verantwortung und beleuchtet auch weniger bekannte NS-Verbrechen sowie bislang übersehene Opfergruppen.

Susanne Siegert: „Gedenken Neu Denken“. Piper-Verlag, 238 Seiten, 18 Euro.


ZUM HÖREN:  EINSAMKEIT

Rund zehn Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich regelmäßig einsam. Das beeinträchtigt nicht nur ihr Wohlbefinden, sondern untergräbt auch ihr Vertrauen in die Demokratie. Studien zeigen: Wer Einsamkeit erlebt, zieht sich oft stärker aus Politik und Gemeinschaft zurück und fühlt sich weniger fähig, gesellschaftliche Prozesse zu beeinflussen. Hinweise deuten sogar darauf hin, dass Einsamkeit die Anfälligkeit für Verschwörungserzählungen steigern und Wahlentscheidungen prägen kann – auch wenn die Zusammenhänge komplex bleiben. Wie lässt sich Einsamkeit wirksam bekämpfen? Und warum ist das entscheidend für eine stabile, widerstandsfähige Gesellschaft? Ein Thema für einen Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung.