02 I 2026
Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zur zweiten Ausgabe unseres Newsletters im Jahr 2026 – mit aktuellen Veranstaltungen, interessanten Publikationen, Ausschreibungen und Tipps zum Sehen, Lesen und Hören rund um die Themen Demokratieförderung und Extremismusprävention.

In dieser Ausgabe berichten wir über die Hellfeldstudie „Teenage Terrorists in Deutschland?“ zur sogenannten Terrorgramszene. Wir stellen die Ergebnisse des Kabinettsausschusses „Entschlossen gegen Hass und Hetze“ vor und präsentieren die E-Learning-Plattform der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum.

Das Verfahren um die tödlichen Schüsse auf Mahdi ben Nacer vor zwei Jahren wird neu aufgerollt. Der Bundesgerichtshof hat das Urteil des Landgerichts Waldshut-Tiengen vom November 2024 vollumfänglich aufgehoben. Die Fach- und Beratungsstelle Leuchtlinie im Demokratiezentrum hat die Schwester des Getöteten, die sich als Nebenklägerin in Karlsruhe gegen das Urteil gewehrt hatte, begleitet und betreut.

Neu aus unserem Netzwerk: Julia Heim stellt das Innovationsprojekt „maybe tomorrow“ – Demokratie ist (k)eine Utopie!“ der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg vor.

Ihre Ideen und Anregungen sind stets willkommen – schreiben Sie an info@demokratiezentrum-bw.de.

Falls Sie neu dabei sind: Mehr über unsere Arbeit finden Sie auf unserer Website.  Die erschienenen Newsletter stehen dort im Archiv bereit.

Viel Freude beim Lesen!

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

 

SAVE THE DATE: LANDESDEMOKRATIEKONFERENZ 2026

Resilient gegen Radikalisierung: Strategien zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt ist mehr als ein Ort, an dem Werte geschaffen werden. Sie bildet einen Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaft. Doch wie handeln wir, wenn Ausgrenzung, Rassismus oder extremistische Tendenzen den Arbeitsalltag prägen?

Wie stärken wir die Widerstandskraft der Beschäftigten und fördern eine Kultur des Respekts? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Landesdemokratiekonferenz 2026, die in Zusammenarbeit mit der IHK Region Stuttgart stattfindet. Diskutieren Sie mit Fachleuten über praktikable Lösungen und präventive Ansätze.

  • Wann: Montag, 21. September 2026
  • Wo: Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart, Jägerstraße 30, 70174 Stuttgart
  • Für wen: Für alle, denen das Thema Demokratie am Herzen liegt  

 Das erwartet Sie:

  • Keynotes: Aktuelle Analysen zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt
  • Best Practices: Erfolgreiche Projekte aus der Praxis
  • Networking: Austausch mit Akteuren der Präventionsarbeit

Bitte merken Sie sich diesen Termin bereits vor!

Eine offizielle Einladung mit detailliertem Programm und der Anmeldemöglichkeit folgt.

 

WARUM FEX EINEN DIGITALEN CAMPUS AUFBAUT

E-Learning-Plattform für Profis und Ehrenamtliche  

Die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) im Demokratiezentrum hat eine E-Learning-Plattform entwickelt. Sie enthält Vorträge von Expertinnen und Experten, kurze Erklärvideos und Workshop-Anleitungen, die Pädagogen, Sozialarbeiter und Ehrenamtliche im Umgang mit Radikalisierungsprozessen stärken sollen. Das Angebot umfasst kompakte Erklärungen zu aktuellen Radikalisierungsphänomenen und Konzepte für die Arbeit mit Jugendlichen.

„Die Plattform versteht sich nicht als Schaufenster, sondern als Arbeitsraum – für alle, die verstehen wollen, wie demokratische Bildungsarbeit jenseits bloßer Symbolik funktioniert und umgesetzt wird“, betont die Fachstelle FEX. In vielen Bündnissen werde Bildungsarbeit oft nur als Begleitmaßnahme zu publikumswirksamen Aktionen gesehen.  Dies soll mit Hilfe der Angebote auf dem digitalen Campus geändert werden.

 

 

RECHTSEXTREME GEWALT: WAR ES DOCH MORD?

BGH hebt Urteil im Fall Rickenbach auf – Unterstützung durch Beratungsstelle Leuchtlinie  

Das Verfahren um die tödlichen Schüsse auf Mahdi ben Nacer vor zwei Jahren muss neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgerichts Waldshut-Tiengen vom November 2024 vollumfänglich aufgehoben. Das bedeutet, dass der Prozess neu geführt werden muss. (Az. 1 StR 216/25)

Die obersten Richter erklärten das Urteil – sechs Jahre und zehn Monate Haft für Patrick E. wegen Totschlags – sei fehlerhaft. Das Landgericht Waldshut-Tiengen hatte das Mordmerkmal Heimtücke ausgeschlossen. Dabei – so der BGH nun – habe das Landgericht aber den falschen Zeitpunkt gewählt, um die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers zu bewerten.

Die Schwester des Getöteten hatte das Revisionsverfahren als Nebenklägerin angestoßen, unterstützt von der Betroffenenberatung LEUCHTLINIE im Demokratiezentrum. Sie argumentierte, es handle sich um Mord, nicht Totschlag. Der 1. Strafsenat des BGH gab ihrem Antrag statt und hob das Urteil auf. Eine andere Kammer des Landgerichts Waldshut-Tiengen müsse die Tat „umfassend neu prüfen“. Dabei müsse sich das Landgericht auch mit dem Mordmerkmal der „sonstigen niedrigen Beweggründe“ beschäftigen. Hierunter können auch Tötungen aus rassistischen Motiven fallen.

Patrick E. hatte den 38-jährigen Mahdi ben Nacer einen Tag vor Heiligabend 2023 in einer Flüchtlingsunterkunft in Rickenbach erschossen. Anschließend zerstückelte er die Leiche mit einer Machete und warf sie in den Rhein. Ermittler fanden bei ihm rechtsextreme Propaganda und rassistische Chats.

 

LAST CHANCE: BEWERBUNGEN FÜR DIE „LANGE NACHT“

Bonus: Kostenlose Social Media Fortbildung für alle Akteure  

Nicht verpassen: Die Ausschreibung für die „Lange Nacht der Demokratie 2026“ endet am 20. Februar. Am 2. Oktober, dem Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, lädt die Lange Nacht der Demokratie dazu ein, in verschiedenen Formaten über Demokratie zu philosophieren, zu diskutieren, zu streiten – und gemeinsam zu lachen und zu feiern. In Städten und Gemeinden in ganz Baden-Württemberg gestalten engagierte Akteure ein buntes Programm, das Menschen jeden Alters für Demokratie begeistert. Mitmachen lohnt sich! Die Standorte können bis zu 5.000 Euro Förderung erhalten.

Als Bonus gibt es vor der Langen Nacht der Demokratie 2026 eine kostenlose Social Media Fortbildung für alle Akteure. Die Agentur mecoa behandelt in sechs Modulen a 1,5 Stunden und in vier Online-Sprechstunden folgende Themen: Ziele und Zielgruppen auf Social Media der Langen Nacht der Demokratie, Algorithmus und Profil-Check (Meta und TikTok), Redaktionsplan und Social Media Strategieerstellung, Videomarketing (Reels und TikTok Videos), von der Idee zum Post, Strategien für Sichtbarkeit und Vernetzung. Ideal, um die Aktionen online sichtbar zu machen und zu vernetzen.

Wie funktioniert’s? Vor Ort schließen sich verschiedene Akteure zusammen und planen gemeinsam „ihre“ Nacht der Demokratie. Ein Vertreter der beteiligten Partner reicht stellvertretend einen Förderantrag beim Volkshochschulverband Baden-Württemberg ein, der die Koordination übernimmt. Ziel ist es, auch jene zu erreichen, die sich bisher wenig für Demokratiebildung interessiert haben.

Sind Sie bei der Langen Nacht der Demokratie dabei? Alle wichtigen Informationen zur Antragstellung finden Sie hier:

 

TERRORPLÄNE AUS DEM KINDERZIMMER

Weshalb Ermittler vor der rechtsextremen „Terrorgramszene“ warnen  

Ermittler warnen vor einer extrem jungen rechtsextremen Szene, die sich im Internet organisiert. Mitglieder dieser „Terrorgram“-Gruppe verherrlichen terroristische Anschläge oder rufen zu Nachahmungen auf, wie eine aktuelle Analyse des Landeskriminalamts Baden-Württemberg und der Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München zeigt. Der Begriff „Terrorgram“ kombiniert den Begriff „Terror“ mit der Messenger-App Telegram. Gemeint ist eine extrem junge, neonazistische Szene, die Anschläge glorifiziert, nachahmen will und sich über soziale Medien koordiniert.

Für die erste kriminologische Analyse dieser Szene haben Forscherinnen und Forscher des Kompetenzzentrums gegen Extremismus (konex) 37 Fälle aus den Jahren 2020 bis 2025 untersucht und dafür Ermittlungs- und Gerichtsakten ausgewertet. Die Zahl der nicht erfassten Mitglieder wird auf eine hohe dreistellige Zahl geschätzt.

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Szene ist männlich und extrem jung. Das Durchschnittsalter liegt bei 16 Jahren. Einige waren zum Zeitpunkt ihrer Taten sogar jünger als 14 und damit strafunmündig. Die Radikalisierung verläuft rasant schnell: Bei der Hälfte der Betroffenen vergingen von der ersten Begegnung mit extremistischen Inhalten bis zur festen Überzeugung weniger als zwölf Monate.

Fast alle Täter weisen psychische Erkrankungen oder Auffälligkeiten auf, sind familiär vernachlässigt und sozial isoliert. Halt, vermeintliche Freund­schaften und Anerkennung suchten sie in digitalen Milieus, die von Hass, Hetze und Gewalt­verherrlichung dominiert sind. Die Radikalisierung geschah meist nicht im Verborgenen: In 79 Fällen habe es deutliche Warnsignale gegeben, auf die das Umfeld aber nur selten reagierte.

Dass es sich nicht um harmlose Internet-Fantasien handelt, belegen die Ermittlungsakten: Die Mehrheit der Täter hatte bereits Anschläge vorbereitet – etwa durch den Kauf von Waffen oder das Erstellen detaillierter Pläne.

Um die Szene langfristig zu zerschlagen, setzt das Land auf Prävention. Konex und die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) im Demokratiezentrum bieten Beratungen und Schulungen an, um Warnsignale früh zu erkennen und Radikalisierungen zu stoppen.

 

KABINETTSAUSSCHUSS LEGT ABSCHLUSSBERICHT VOR  

46 Maßnahmen gegen Hass und Hetze

Der Kabinettsausschuss „Entschlossen gegen Hass und Hetze“ legte in seiner letzten Sitzung seinen Abschlussbericht vor. Die Bilanz: In den vergangenen fünf Jahren wurden 46 Maßnahmen umgesetzt, um gegen Hass und Hetze vorzugehen. Der Schutz und die Unterstützung von Betroffenen wurden ausgebaut, staatliche Stellen gestärkt, Aktionstage, Fachtage und Veranstaltungen organisiert und die Forschung zu diesem Thema gefördert. Im Fokus standen die Bekämpfung von Antisemitismus, der Schutz von Amts- und Mandatsträgern, die Sicherheit von Wahlen, eine bessere Prävention vor Gewalt an Schulen, die Sicherheit der LSBTIQ*-Community sowie das Sensibilisierungsprogramm „Kleiner Zeugenschutz“ für Betroffene von Hassdelikten.

„Der Kampf gegen Hass und Hetze bleibt eine Daueraufgabe, die uns alle angeht“, erklärte Staatssekretärin Dr. Ute Leidig. „Aus diesem Grund treten wir als Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration zusammen mit unserer starken Zivilgesellschaft für ein besseres Miteinander ein. Von der Stärkung der Hilfesysteme gegen frauenfeindliche Gewalt über den Schutz von queeren Menschen vor Anfeindungen bis hin zur Forschung über altersspezifischen Extremismus wirken wir Hass und Hetze entschlossen entgegen, ob persönlich oder digital.“

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden

 

 

WEBPLATTFORM KINDERSCHUTZ ONLINE

Gemeinsam stark für  Kinder

Eine neue Website soll Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit, Polizei, Justiz, Bildung und Gesundheit gezielt mit Informationen und Hilfen für den Arbeitsalltag im Kinderschutz unterstützen. Erstmals in Baden-Württemberg sind auf dieser Seite alle relevanten Informationen zum Thema Kinder- und Jugendschutz klar und übersichtlich aufbereitet. Das Angebot reicht von Kontaktdaten zu Institutionen in den Stadt- und Landkreisen über Arbeitshilfen für die Praxis und vertiefende Informationen zu Fachthemen bis hin zu aktuellen Veranstaltungen und Qualifizierungen. Die Fach- und Beratungsstellen des Demokratiezentrums Baden-Württemberg sind eingebunden.

Die Plattform bildet eine zentrale Säule im Masterplan Kinderschutz, den das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration entwickelt hat. Ein Newsletter informiert regelmäßig über Veranstaltungen, Fachthemen, Fortbildungen und Praxisbeispiele aus dem Ministerium und von Partnern im Kinderschutz.

 

Extremismusprävention – Kinderschutz BW

DEMOKRATIEZENTRUM VOR ORT  

Die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) lädt am 11. Februar 2026 von 12.30 bis 14.00 Uhr zu einem Online-Vortrag ein. Andreas Peham spricht über „Krisenphänomen Rechtsextremismus: Ursachenanalyse und Präventionsstrategien – Perspektiven aus Österreich“. Andreas Peham, Mitgründer der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit, engagiert sich seit Jahren in der politischen Bildung und der Lehrerfortbildung.


„Graue Wölfe reloaded? Türkischer Rechtsextremismus in Deutschland – neue Netzwerke, neue Dynamiken“ lautet der Titel eines Online-Vortrags, den Dr. Ismail Küpeli am 18. März 2026 von 12.30 bis 14.00 Uhr hält. Mit etwa 12.000 Anhängern zählt der türkische Rechtsextremismus – bekannt als „Graue Wölfe“ oder Ülkücü-Bewegung – zur zweitgrößten rechtsextremen Strömung in Deutschland. Als Politikwissenschaftler beschäftigt sich Küpeli mit Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland und in der Türkei – sowohl in den Mehrheitsgesellschaften als auch in den Minderheiten.


„Wofür mach ich das?!“ Diese Frage stellen „Toni-L“ Landomini und Bryan Vit in ihrem Vortrag „Hip-Hop & Engagement im Selbstauftrag“ am 15. April 2026, ebenfalls von 12.30 bis 14.00 Uhr. Sie beleuchten die Entstehung und Entwicklung der Hip-Hop-Kultur in den USA und Europa und berichten von ihrer Arbeit mit dem Freien Hip-Hop Institut, das sie gemeinsam mit Torch gegründet haben. Toni Landomini (Toni-L), Hip-Hop-Pionier und Gründungsmitglied der Formation Advanced Chemistry, engagiert sich seit Jahren in der kulturellen Bildung – als Musiker, Theaterakteur und Kulturvermittler. Bryan Vit, Hip-Hop-Künstler, Bildungsreferent und Forscher, arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Aktivismus und ist Mitbegründer des Freien Hip-Hop Instituts.


„Wie Fake News unser Hirn hacken“, das ist der Titel eines Vortrags des  Medienpädagogen Lukas Flad am 23. April 2026, von 12.30 bis 14.00 Uhr. Flad unterrichtet Deutsch, Englisch, Geschichte und Medien an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen (SBBZ-L).


„Populisten auf TikTok stoppen. Wie rechte Parteien junge Zielgruppen digital erreichen – und was wir dagegen tun können“ ist das Thema eines Online-Vortrags von Nina Scavello am 6. Mai,  von 12.30 bis 14.00 Uhr. Nina Scavello, Mitgründerin der Agentur mecoa – Mediencoaching, berät Politiker, Politikerinnen und Verbände, wie sie Social Media professionell nutzen und demokratische Kommunikation sichtbar machen. In ihrem Vortrag erklärt sie wichtige  Mechanismen der verschiedenen sozialen Plattformen und zeigt Strategien auf, um Reichweite zu erzielen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des Online-Lunch-Formats der Fachstelle Extremismusdistanzierung und zur Anmeldung finden Sie hier.

 

 

ÜBER DEN TELLERRAND

„Toleranz im Netz“  mit Angeboten zur Landtagswahl

Das Internet und die sozialen Medien prägen heute die politische Meinungsbildung und beeinflussen die Entscheidungen der Wählerinnen und Wähler erheblich. Sie dienen nicht nur als Informationsquelle, sondern schaffen auch Raum für Austausch und Diskussion. Gleichzeitig bergen sie die Gefahr, dass Falschinformationen verbreitet, die Realität verzerrt dargestellt oder Desinformationen gezielt gestreut werden – Inhalte, die für manche Menschen wahlentscheidend sein können. Kandidierende und Politiker, die online aktiv sind, geraten zudem zunehmend ins Visier von Hass und Hetze. Dadurch bleibt die politische Debatte oft nicht sachlich und respektvoll, sondern überschreitet online leider häufig die Grenze zur Strafbarkeit. Die Initiative „Toleranz im Netz“ bietet auf ihrer Website Hilfs- und Bildungsangebote zur Landtagswahl am 8. März 2026 an, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren.

Die „Initiative Toleranz im Netz“ wurde von der Task Force gegen Hass und Hetze des Landeskriminalamts Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Staatliche Stellen bieten gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partnern Maßnahmen gegen Online-Hass an.

Start – Taskforce gegen Hass und Hetze

WENN SICH DIE GENERATION 50PLUS RADIKALISIERT

Neue Ansätze zur Prävention gesucht

Radikalisierung und Extremismus galten lange als Jugendphänomene. Dies führte dazu, dass in Präventionsprogrammen ältere Menschen nicht berücksichtigt und erreicht wurden. Heute gilt diese Sichtweise als überholt. Dass es sich dabei um ein unterschätztes Phänomen handelt und die Entwicklung neuer Präventionskonzepte für die Generation 50plus wichtig sind, zeigte die RAGE-Studie im Auftrag des Sozialministeriums.

Bei einem Expertenworkshop des Projekts „RAGE Prävention“ in Stuttgart kamen Akteure aus den Themenbereichen Alter und Radikalisierung zusammen, um gemeinsam neue Ansätze zur (Rechts)-Extremismusprävention im Alter zu diskutieren.  Mit dabei: Das Demokratiezentrum Baden-Württemberg.

RAGE steht für Rechtsextremismus im Alter als Gefahr für Zusammenhalt und Engagement. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfonds Plus gefördert; Träger ist das Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Westfalen.

AKTUELLE AUSSCHREIBUNGEN

Fördertopfe für Demokratie und Zusammenhalt

Folgende Projekte wenden sich an Projekte mit dem Fokus Demokratie und Zusammenhalt:  Aus dem Fördertopf „Perspektivwechsel“ der Deutschen Bahnstiftung werden insgesamt 280.00 Euro an 15 bis 20 Projekte vergeben. Bewerbungsfrist: 13. Februar 2026.


Mit dem Rahel Straus Preis werden ehrenamtliche Aktivitäten und Projekte von Personen und Gruppen in Baden-Württemberg, die sich für die Belange einer nachhaltigen Erinnerungsarbeit einsetzen und damit gleichzeitig ein vielfältiges demokratisches Leben in der Gesellschaft fördern. Der Rahel Straus Jugendpreis würdigt im Speziellen ehrenamtliche Initiativen von und mit Jugendlichen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 1.000 Euro dotiert. Bewerbungsschluss ist der 15. Februar.2026.


Bewegung. Begegnung. Zukunft der DFL-Stiftung legt den Fokus auf Begegnungen im und durch den Sport und vergibt bis zu 7.500 Euro pro Projekt. Bewerbungsfrist: 1. März 2026


Der Deutsch-Französische Bürgerfond vergibt unter dem Titel „Demokratie lernen, stärken, leben“ kleinere Förderungen bis 5.000 Euro und größere Summen bis zu 50.000 Euro.

Bewerbungsfrist: Sechs Wochen vor Projektstart.

ZUM SEHEN: WELTKARRIERE EINER LÜGE

ZUM SEHEN: „Weltkarriere eine Lüge: Die Protokolle der Weisen von Zion“

Die „Protokolle der Weisen von Zion“ gelten als Schlüsseltexte des modernen Antisemitismus. Obwohl bereits vor mehr als 100 Jahren als Fälschung entlarvt, schüren ihre Narrative bis heute Hass, Hetze und Gewalt. Der Filmmacher Felix Moeller spürt den Ursprüngen dieser Schriften nach, zeigt ihre Wirkungsgeschichte und ihren Einfluss – von Diktatoren wie Hitler und Putin bis zu rechtsextremen und islamistischen Netzwerken und populärkulturelle Trends. In der ARTE Mediathek

ZUM LESEN: "ROTE LINIEN"

Was passiert, wenn das Bundesverfassungsgericht entscheidet? Wer sitzt dort – und wie wird entschieden? Wie finden acht ganz unterschiedliche Persönlichkeiten in den Senaten auch bei großen Kontroversen zum Konsens? Und wie schützt das Verfassungsgericht die Demokratie – und warum müssen wir es schützen? In „Rote Linien“ öffnet Susanne Baer, zwölf Jahre Richterin am Bundesverfassungsgericht, die Türen zu einem der wichtigsten Orte unserer Demokratie. Sie erzählt anschaulich und persönlich wie Recht entsteht, wie Konflikte gelöst werden – und wo die roten Linien verlaufen, die uns das Grundgesetz vorgibt.

Susanne Baer: Rote Linien. Wie das Bundesverfassungsgericht die Demokratie schützt Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2025, 384 Seiten, 22,00 EUR

ZUM HÖREN:  "DIE NGO-DEBATTE"

Was ist die Zivilgesellschaft? Und wer kontrolliert sie? Diese Fragen beleuchtet ein neuer Podcast, der erklärt, wie zivilgesellschaftliche Organisationen arbeiten, warum sie wichtig für die Demokratie sind und weshalb der Druck auf sie wächst. Dr. Siri Hummel, Direktorin des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft, spricht über eine aktuelle Studie zu Angriffen auf die Zivilgesellschaft in der medialen Öffentlichkeit und die Rolle von NGOs in unserer Gesellschaft. Im Gespräch mit Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, wird thematisiert, wer die Zivilgesellschaft kontrolliert.

Die NGO-Debatte – Der neue Podcast • Maecenata Stiftung

VIER FRAGEN AN …

… Julia Heim vom Innovationsprojekt „maybe tomorrow – Demokratie ist (k)eine Utopie!“ der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg 

In unserer Rubrik „Vier Fragen an …“ stellen Träger und Partner des Demokratiezentrums Baden-Württemberg ihre Arbeit vor. In dieser Ausgabe: Julia Heim vom Innovationsprojekt „maybe tomorrow ­-Demokratie ist (k)eine Utopie!“.

DZBW: Frau Heim, welche Ziele verfolgt das Innovationsprojekt „maybe tomorrow“?

Das Innovationsprojekt „maybe tomorrow“ möchte die Utopiefähigkeit junger Menschen als zentrale Kompetenz zur Prävention von Demokratieskepsis und zur Förderung von Demokratiekompetenz stärken. Statt defizitorientierter Präventionslogik setzt das Projekt auf positive Zukunftsnarrative, Gegenerzählungen und konkrete Gestaltungsmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene.

Konkret geht es um folgendes: Utopiefähigkeit und Demokratiekompetenz zu stärken – als Prävention von Demokratieskepsis und für aktive Mitgestaltung. Utopiewerkstätten umzusetzen: Jugendliche entwickeln mit Trainer*innen/Fachkräften/Multi­plikator*innen Zukunftsvisionen und innovative Demokratietools. Positive Zukunftsnarrative und  Gegenerzählungen zu fördern – es könnte alles auch ganz anders sein, aber wie wäre es dann? Resilienz, Ambiguitätstoleranz und Selbstwirksamkeit aufbauen – konstruktiver Umgang mit Unsicherheit und Herausforderungen. Interdisziplinäre, künstlerische Zugänge nutzen und Vernetzung mit lokalen Partnern stärken.

DZBW: Wie lassen sich Zukunftspessimismus und Politikverdrossenheit bei Jugendlichen in Gestaltungsfreude verwandeln?

Wir verstehen unseren Ansatz als prozesshafte Strategie und bewusstes Experiment. Mit einem Bildungsprojekt allein lässt sich Zukunftspessimismus nur schwer begegnen. Aber wir können Räume eröffnen, in denen Gestaltungsfreude durch kreative Utopiewerkstätten, reflexive Partizipationsprozesse und dem Erforschen von utopischer Praxis erlebbar wird. Unser Ziel ist vor allem, Anstöße bei einzelnen Jugendlichen zu setzen und zugleich Bausteine einer Zukunftspädagogik bzw. utopischen Didaktik zu entwickeln, die auch in Institutionen anschlussfähig und nutzbar ist.

Politikverdrossenheit versuchen wir durch eine Erweiterung des Politikbegriffs zu begegnen und Jugendliche dafür zu sensibilisieren, dass Vertrauen in demokratische Prozesse bei uns im Privaten und Alltäglichen beginnt.

Wir machen sichtbar, wo demokratisches Miteinander in Beziehungen, Konflikten, Aushandlungen und Entscheidungen ihres Alltags bereits stattfindet und stärken ihre Handlungsfähigkeit in diesen Bereichen.

DZBW: Was passiert in Utopiewerkstätten, in denen Jugendliche ihre eigenen Ideen für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft entwickeln?

In den Utopiewerkstätten entwickeln Jugendliche ihre eigenen Ideen für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft – aber nicht nach einem starren Standardprogramm. Jede Werkstatt wird von unseren Trainer*innen gemeinsam mit den jeweiligen Einrichtungen entwickelt und auf die Gegebenheiten vor Ort und an Zielgruppe, Rahmenbedingungen und Themen angepasst. Dadurch sind die Werkstätten interdisziplinär und methodisch sehr vielfältig. Mal steht die Arbeit an eigenen Ressourcen, persönlichen Zukunftsbildern und Utopien im Mittelpunkt, aus denen anschließend kleine Projekte entstehen, die gemeinsam in die Umsetzung gebracht werden (z. B. in der Werkstattphase am BAZ Esslingen mit sechs Terminen ab Ende Januar). In anderen Werkstätten werden ganz praktische Formate entwickelt und erprobt. Etwa ein offenes Sportangebot, das mit Gesprächsformaten kombiniert wird, oder eine Werkstattphase im Württembergischen Kunstverein, die sich mit Utopie und Kunst(institutionen), Zugängen sowie kritischen Perspektiven darauf auseinandersetzt.

DZBW: Wie helfen kreative Methoden und neue Demokratietools dabei, Selbstwirksamkeit und Beteiligung junger Menschen zu stärken?

Unser Anliegen ist es, Jugendlichen zu vermitteln, dass ihre Perspektiven auf politische Themen und Zukunft wichtig sind – und dass sie auch dann ernst genommen werden, wenn sie nicht im üblichen Politjargon formuliert sind. Utopisch zu denken und Alternativen zur Gegenwart zu entwerfen ist nicht selbstverständlich. Bislang gibt es kaum Lernräume, die genau diese Fähigkeit gezielt fördern.

Deshalb streben wir die Etablierung eines offenen Raums des Imaginierens an: einen Rahmen, in dem Jugendliche sich erlauben, (wieder wie beim kindlichen Träumen) ohne Begrenzung zu denken, Möglichkeiten auszuprobieren und Welten zu entwerfen, die es so noch nicht gibt. Durch die Entwicklung eines utopischen Mindsets – mithilfe von Körper- und Assoziationsübungen, Imaginationsreisen und Design-Methoden – werden Inspiration und Potenziale aktiviert, Ambivalenzen dürfen ausgehalten werden und Visionen werden konkret vorstellbar.

Aus diesem utopischen Mindset heraus entstehen schließlich gemeinsam entwickelte Demokratietools, die Ideen in machbare Schritte übersetzen und bei ausreichend zeitlichen Ressourcen sogar Umsetzung finden.

So erleben Jugendliche schnell Wirkung, treffen echte Entscheidungen und entwickeln Vertrauen, dass Beteiligung im Alltag – und darüber hinaus – tatsächlich etwas verändern kann.

Kontakt:
Julia Heim, Tosca Siebler
E-Mail: maybetomorrow@tgbw.de