Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

wie schön, dass Sie bei der dritten Ausgabe unseres Newsletters im Jahr 2026 dabei sind! Das erwartet Sie:

  • Demokratie braucht Reichweite: Kostenfreies Social Media Training für Vereine, Initiativen und Akteure aus der Demokratiebildung und Vielfaltgestaltung
  • Was hilft gegen autoritäre Regierungen? Eine aktuelle Analyse zeigt, wie Zivilgesellschaft autoritärer Politik standhält.
  • Wirksam gegen Rechtsaußen: Das Wissenschaftszentrum Berlin untersucht, welche Strategien zivilgesellschaftliche Akteure gegen die extreme Rechte einsetzen.
  • Wie tickt die junge Generation? Die zweite europäische Engagementstudie zeigt, wie  junge Menschen mitreden und mitgestalten wollen.
  • In der Rubrik „Vier Fragen an…“ stellen wir das Innovationsprojekt „Team Demos – Demokratie, Empathie, Mitgestaltung, Offenheit und Solidarität“ vor.

Außerdem finden Sie in diesem Newsletter zahlreiche Hinweise zu interessanten Veranstaltungen, Analysen, Dokumentationen, Podcasts und Publikationen rund um die Themen Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention.

Ihre Ideen und Anregungen sind uns wichtig – schreiben Sie uns an info@demokratiezentrum-bw.de.

Falls Sie neu dabei sind: Mehr über das Demokratiezentrum Baden-Württemberg finden Sie auf unserer Website. Dort finden Sie auch alle bisherigen Newsletter im Archiv.

Viel Freude beim Lesen!

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

 

SAVE THE DATE: LANDESDEMOKRATIEKONFERENZ AM 21.SEPTEMBER

Resilient gegen Radikalisierung: Strategien zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt 

Unternehmen können bei der Demokratieförderung und Extremismusprävention eine wichtige Rolle spielen: als Arbeitgeber, gesellschaftliche Akteure, Lernorte für Mitbestimmung und als Motoren von Innovation und Zusammenhalt. Sie erreichen Menschen, die die klassische Demokratiearbeit oft nur schwer anspricht. Unternehmen können Themen setzen, Haltung zeigen und gesellschaftlichen Zusammenhalt vorleben.

Wie kann reagiert werden, wenn Ausgrenzung, Rassismus oder extremistische Tendenzen den Arbeitsalltag belasten? Wie kann eine Kultur des Respekts gefördert werden?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Landesdemokratiekonferenz 2026, die am 21. September 2026 in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart stattfindet.

Das erwartet Sie:

  • aktuelle Analysen zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt
  • erfolgreiche Praxisbeispiele und
  • reichlich Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen und Experten.

Bitte merken Sie sich diesen Termin bereits vor. Informationen zu Ablauf und Anmeldung folgen in Kürze.

DEMOKRATIEZENTRUM VOR ORT  

„Graue Wölfe reloaded? Türkischer Rechtsextremismus in Deutschland – neue Netzwerke, neue Dynamiken“: So lautet der Titel eines Online-Vortrags, den Dr. Ismail Küpeli am 18. März 2026 von 12.30 bis 14.00 Uhr hält. Mit rund 12.000 Anhängern bilden die „Grauen Wölfe“ – auch als Ülkücü-Bewegung bekannt – die zweitgrößte rechtsextreme Strömung in Deutschland. Der Politikwissenschaftler Küpeli untersucht Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland und der Türkei.


„Wofür mach ich das?!“ Diese Frage stellen „Toni-L“ Landomini und Bryan Vit in ihrem Vortrag „Hip-Hop & Engagement im Selbstauftrag“ am 15. April 2026, 12.30 bis 14.00 Uhr. Sie zeigen, wie die Hip-Hop-Kultur in den USA und Europa entstand und sich entwickelte, und berichten von ihrer Arbeit mit dem Freien Hip-Hop Institut, das sie zusammen mit Torch ins Leben gerufen haben. Toni-L, Hip-Hop-Pionier und Gründungsmitglied von Advanced Chemistry, setzt sich seit Jahren für kulturelle Bildung ein – als Musiker, Theatermacher und Kulturvermittler. Bryan Vit, Hip-Hop-Künstler, Bildungsreferent und Forscher, bewegt sich zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus und gehört ebenfalls zu den Gründern des Freien Hip-Hop Instituts.


„Wie Fake News unser Hirn hacken“, das ist der Titel eines Vortrags des  Medienpädagogen Lukas Flad am 23. April 2026, von 12.30 bis 14.00 Uhr. Flad unterrichtet Deutsch, Englisch, Geschichte und Medien an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen (SBBZ-L).


„Populisten auf TikTok stoppen. Wie rechte Parteien junge Zielgruppen digital erreichen – und was wir dagegen tun können“ lautet das Thema eines Online-Vortrags von Nina Scavello am 6. Mai 2026, von 12.30 bis 14.00 Uhr. Die Mitgründerin der Agentur mecoa – Mediencoaching unterstützt Politiker, Politikerinnen und Verbände dabei, Social Media professionell einzusetzen und demokratische Kommunikation sichtbar zu machen. In ihrem Vortrag beleuchtet sie zentrale Mechanismen sozialer Plattformen und zeigt, wie man gezielt Reichweite aufbaut.


Mit „Tradwifes & Weiblichkeitscoaches“ beschäftigt sich Jessica Alessandra Wagner am 17. Juni, 12.30 bis 14.00 Uhr. Die Genderforscherin und Medienpädagogin beleuchtet moderne Weiblichkeitsbilder auf Social Media und hinterfragt deren ideologische Wurzeln.


Am 1. Juli von 12.30 bis 14.00 Uhr spricht Jessica Alessandra Wagner unter dem Titel „Lifecoaches, Gymbros & Gottes Nahrung“ über die (re)traditionisierten Männlichkeitsbilder in den sozialen Medien.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des Online-Lunch-Formats der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg und zur Anmeldung finden Sie hier.

 

SOCIAL MEDIA TRAINING: DEMOKRATIE BRAUCHT REICHWEITE

Kostenfreies Social Media Training für Vereine, Initiativen und Akteure aus der Demokratiebildung und Vielfaltgestaltung

Demokratische Bündnisse und Akteure sind in sozialen Medien oft unsichtbar. Besonders kleine Organisationen verfügen häufig nicht über das nötige Wissen, um mit begrenzten Ressourcen Präsenz zu zeigen.

Das wollen wir ändern: Mit der kostenfreien Online-Fortbildung „Demokratie digital stärken“ erhalten Vereine, Initiativen und Akteure aus der Demokratiebildung und Vielfaltgestaltung das erforderliche Handwerkszeug, um eigene Kanäle aufzubauen, Social-Media-Strategien zu entwickeln, Veranstaltungen sichtbar zu machen und sich zu  zu vernetzen. Besonders willkommen sind Organisationen, die sich auf die „Lange Nacht der Demokratie 2026“ vorbereiten. Bewerbungen sind bis zum 7. April möglich.

In sieben praxisorientierten Modulen lernen sie, zielgruppengerechte Inhalte für verschiedene Plattformen zu erstellen, Bilder und Videos kreativ zu gestalten und die Sichtbarkeit zu steigern. Eine Abschlussveranstaltung hilft, die Social-Media-Strategie weiterzuentwickeln und auf die „Lange Nacht der Demokratie 2026“ auszurichten. Zusätzlich erhalten sie einen Leitfaden mit Vorlagen für ihre Beiträge.

Die parteiunabhängige Social-Media-Beratung „mecoa“, spezialisiert auf politische Kommunikation, führt die Fortbildung durch. Das Projekt wird im Rahmen der „Langen Nacht der Demokratie 2026“ vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln gefördert, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.

Das Programm im Überblick

Die Module finden jeweils dienstags (außer in den Pfingstferien) von 16.00 bis 17.30 Uhr online statt:

  • 14. April 2026: Ziele und Zielgruppen auf Social Media
  • 21. April 2026: Algorithmus und Profil-Check (Meta und TikTok)
  • 28. April 2026: Redaktionsplan und Social Media Strategieerstellung
  • 5. Mai 2026: Fokus Videomarketing (Reels und TikTok Videos)
  • 12. Mai 2026: Social Media Handwerkszeug: Von der Idee zum Post
  • 19. Mai 2026: Strategien für Sichtbarkeit und Vernetzung
  • 9. Juni 2026: Abschlussveranstaltung: Feedback, Ausblick und nächste Schritte

Die Teilnahme an der Fortbildung ist kostenfrei. Die verbindliche Anmeldung ist bis zum 7. April hier möglich.

REKORDBETEILIGUNG FÜR DIE LANGE NACHT DER DEMOKRATIE

Was für ein Erfolg! 156 spannende Bewerbungen sind für die Lange Nacht der Demokratie am eingegangen! Am 2. Oktober 2026, dem Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, gestalten in vielen Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg Akteurinnen und Akteure ein Programm, das Menschen jeden Alters für die Demokratie begeistert.

Für die Jury steht jetzt vor einer großen Aufgabe – und muss lesen, lesen, lesen.

Die ausgewählten Standorte können bis zu  5.000 Euro Förderung erhalten!

Außerdem haben alle Mitwirkenden die Chance, vorab an einer kostenlosen Social-Media-Schulung teilzunehmen – perfekt, um die Aktionen online sichtbar zu machen und zu vernetzen.

Die Lange Nacht der Demokratie in Baden-Württemberg ist eine Initiative der Allianz für Beteiligung e.V., des Demokratiezentrums Baden-Württemberg, der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg (KiLAG), des Landesjugendrings Baden-Württemberg e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg e.V.

ÜBER DEN TELLERRAND

Rolle rückwärts? Rolle vorwärts! Workshop für Engagierte im Sportverein

„Ich brauch mal eben zwei starke Jungs!“ oder „Heute kein Zickenkrieg auf dem Platz!“ – solche Sprüche fallen schnell. Doch welche Rollenbilder stecken dahinter? Welche Botschaften werden damit an junge Menschen gesandt? Der Württembergische Landessportbund lädt am Samstag, 14. März 2026, zu einem praxisnahen Workshop ein, der diese Fragen aufgreift. Von 9.30 bis 14.30 Uhr geht es im SpOrt Stuttgart um stereotype Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Der Workshop beleuchtet digitale Phänomene wie „Tradwifes“ und Männlichkeits-Influencer und zeigt, wie solche Inhalte Jugendliche für extrem rechte Positionen anfällig machen können. Zudem wird diskutiert, wie Sportvereine ein demokratisches, unterstützendes Umfeld schaffen können. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Anmeldung ist hier möglich.


Ausstellung „Wahlkampf Radikal“ 

Die Ausstellung „Wahlkampf radikal“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart zeigt, wie „radikale“ Kräfte und Erzählungen Wahlkämpfe im Land prägten und oft Erfolg hatten: 1952 zog die KPD mit ihrem Aufruf, Adenauer zu stürzen, in den Landtag ein. 1968 folgte die NPD, die unter anderem Deutschlands Schuld am Zweiten Weltkrieg leugnete. 1992 und 1996 gelang den „Republikanern“ mit der rassistischen Parole „Das Boot ist voll“ der Sprung ins Parlament. Die Ausstellung läuft bis zum 12. April 2026. Der Eintritt ist frei.


Fachtag „Demokratieförderung in Betrieben“

„Gemeinsam vom Wissen ins Handeln kommen“, so lautet das Thema des Fachtags „Demokratieförderung in Betrieben“, den die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart zusammen mit Südwestmetall und der Landeszentrale für politische Bildung am 24. April 2026 in Stuttgart veranstaltet. Vorträge und Workshops bieten praxisnahe Ansätze und Anregungen, um Demokratie in Betrieben und der Ausbildung aktiv zu stärken.

Die Anmeldung ist hier möglich.

 

ANALYSE I: WAS HILFT GEGEN AUTORITÄRE REGIERUNGEN?  

Was kann die Zivilgesellschaft von Menschen lernen, die bereits unter extrem rechten Regierungen arbeiten? Wie bleibt sie widerstandsfähig gegen eine autoritäre Politik?

Die Analyse „Engagement unter autoritären Bedingungen – Lehren aus Europa und den USA“ der „Denkfabrik Rechtsextremismus“, den die Kampagnenplattform Campact gegründet hat, widmet sich diesen Fragen. Die Autoren sprachen mit Expertinnen und Experten aus sieben Ländern, in denen extrem Rechte bereits an der Macht waren oder sind.  Sie leiten daraus erfolgreiche Strategien ab und warnen vor Fehlern, die sich nicht wiederholt werden sollten.

Ein zentraler Fehler sei, mögliche Partner wie die Privatwirtschaft zu spät einzubinden. Künftig brauche es breitere Bündnisse. „Radikaler Pragmatismus“ sei gefragt, da ein Konsens in allen politischen Fragen unrealistisch sei.

Die Experten raten zudem, ländliche Regionen stärker einzubeziehen. Zu oft konzentriere sich das Engagement auf Städte, während autoritäre Kräfte gezielt das Land eroberten. Vor Ort müssten die konkreten Bedürfnisse ernst genommen werden, statt Lösungen aus der Hauptstadt einfach „in die Provinz“ zu tragen. Entscheidend sei zu fragen, was die Menschen wirklich brauchen und welche Themen sie bewegen.

Empörungsspiralen der extremen Rechten sollten ignoriert oder gezielt gekontert werden. Wichtiger sei es, demokratisches Engagement sichtbar zu machen, vor Ort präsent zu sein und eigene Werte aktiv zu vermitteln. Das gelinge vor allem mit lebensnahen Themen, Gerechtigkeitserzählungen und mit Humor.

ANALYSE II: WAS WIRKT GEGEN RECHTSAUßEN?

Das Wissenschaftszentrum Berlin hat untersucht, welche Strategien zivilgesellschaftliche Akteure gegen die extreme Rechte nutzen. Die zentrale Erkenntnis: Die Zivilgesellschaft nutzt ein breites Spektrum an Strategien – von Bildungsarbeit über klare Positionierung bis zu organisatorischen Maßnahmen wie Satzungsänderungen. Doch gerade die häufigsten Ansätze sind kaum auf ihre Wirksamkeit geprüft.

Viele Organisationen verfügten über wertvolles Erfahrungswissen, das aber nur selten systematisch ausgewertet würde. Zwar gibt es zahlreiche Handreichungen und Best-Practice-Beispiele, doch ohne begleitende Forschung bleibe unklar, welche Methoden unter welchen Bedingungen wirken. Statt nachträglicher Evaluation sei eine Forschung notwendig, die die Praxis begleite und Praktiker und Wissenschaftler gleichberechtigt einbinde. Demokratieförderung müsse dauerhaft verankert statt projektweise organisiert werden. Nur wenn der Staat Demokratieförderung als Kernaufgabe begreife, entstünden nachhaltige Strukturen und langfristige Wirkungen. Die derzeit übliche kurz- bis mittelfristige Projektförderung stehe dem im Weg. Angesichts eines erstarkenden Rechtsextremismus sei eine stabile finanzielle und politische Unterstützung der zivilgesellschaftlichen Akteure unverzichtbar, um die Demokratie zu schützen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

ANALYSE III: WIE TICKT DIE JUNGE GENERATION?  

Junge Menschen in Deutschland drängen auf Veränderung: Fast zwei Drittel fordern von der Politik mutige Schritte für ein nachhaltige Zukunft s Morgen – mit einem neuen Wohlstandsbegriff, der über reines Wirtschaftswachstum hinausgeht. Sie verbinden diesen Wunsch mit einem klaren Bekenntnis zur Demokratie und setzen sich aktiv für eine bessere Zukunft ein. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite europäische Engagementstudie der Allianz Foundation. Gemeinsam mit dem Sinus-Institut wurden im Sommer 2025 mehr als 8.500 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 39 Jahren in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien zu ihren Zukunftsvorstellungen, politischen Haltungen und ihrem Engagement befragt.

Die rund 23 Millionen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland wollen die Zukunft nicht nur mitgestalten, sie tun es bereits. Fast alle (97 Prozent) engagieren sich – sei es durch Wählen, bewussten Konsum, Spenden oder das Unterzeichnen von Online-Petitionen. 43 Prozent gehen noch weiter und schließen sich Gleichgesinnten an, etwa in Initiativen, bei Demonstrationen oder auf politischen Veranstaltungen.

Diese besonders engagierten jungen Menschen sind keineswegs einheitlich in ihren Ansichten: 13 Prozent sehen sich als linksprogressiv, 17 Prozent als politisch mittig und 13 Prozent als rechtskonservativ bis regressiv.

Doch es gibt auch Frust: Rund 40 Prozent der jungen Menschen fühlen sich politisch benachteiligt. 28 Prozent sehen die Lösung in einem vermeintlich besseren „Gestern“ – in einem Deutschland mit weniger Zuwanderung, traditionellen Geschlechterrollen und einer Gesellschaft, die sich weniger mit den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte auseinandersetzt.

Zwar lehnt die Mehrheit radikale oder gewaltsame Aktionen ab. Doch zehn Prozent befürworten uneingeschränkt Hass im Netz, illegale Proteste und sogar Gewalt gegen Politiker. Rechnet man jene hinzu, die solchen Aktionen teilweise zustimmen, steigt der Anteil auf 21 Prozent. Besonders hoch ist die Zustimmung im extrem rechten Spektrum.

Mehr zur Studie finden Sie hier.

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: „Demokratie unter Druck – ein Jahr im Bundestag“

Die Dokumentation begleitet Hauptstadtkorrespondentinnen und -korrespondenten bei ihrer Berichterstattung über die zentralen Ereignisse seit dem Ende der Ampel-Koalition. Sie beginnt mit der Vertrauensfrage von Bundeskanzler Olaf Scholz am 16. Dezember 2024 und führt durch Turbo-Wahlkampf, Fünf-Punkte-Plan, Grundgesetzänderung zur Reform der Schuldenbremse, Koalitionsverhandlungen, die Wahl des neuen Bundeskanzlers und die ersten Monate der schwarz-roten Regierung. Der Rückblick zeigt, wie das vergangene Jahr zum Wendepunkt für die parlamentarische Demokratie wurde – und macht politische wie gesellschaftliche Veränderungen sichtbar. Wie regieren im Zeitalter der Polykrise? Wie berichtet man über Politik in einer Zeit entfesselter Algorithmen und schwindenden Vertrauens? Ein Film über eine Demokratie unter Druck und die Verantwortung der Medien.  In der ARD-Mediathek


Zum Lesen: „Meinungsfreiheit“   

Noch nie gab es so viele Ermittlungen wegen bloßer Worte, sei es zu Migration, Klimapolitik, der Ukraine oder dem Nahostkonflikt. Wie weit darf man gehen, bevor es zu weit geht? Der Staat definiert heute politische Aussagen als strafbar, die noch vor zehn Jahren eindeutig unter die Meinungsfreiheit fielen. Der Journalist und Jurist Ronen Steinke zeigt in seinem jüngsten Buch, wo neuerdings die Grenzen der Meinungsfreiheit verlaufen, auch im digitalen Raum. Seine Kritik: Gerade in der gegenwärtigen Lage sollte das Land mehr Meinungsfreiheit wagen, anstatt zu glauben, man überzeuge Menschen, indem man ihnen den Mund verbietet. „Niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden.“ Oft werde es Gerichten überlassen zu entscheiden, welche Meinungsäußerungen strafbar sind und welche nicht. Gegenmeinungen müsse man aushalten, denn die Meinungsfreiheit schütze auch Dumpfes und Niederträchtiges. Ein Plädoyer, mehr Debatten in der Zivilgesellschaft zuzulassen, solange sie gewaltfrei bleiben.

Ronen Steinke: Meinungsfreiheit, Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen | 2026, 304 Seiten, Berlin-Verlag


 Zum Hören: Tatort Baden-Württemberg 

Welche Feindbilder nutzen radikale Parteien? Welche Halbwahrheiten und Lügen verbreiten sie? Wie deuten sie die Geschichte um? Und wie reagiert die demokratische Gesellschaft darauf? Die zweite Staffel der Podcast-Reihe „Tatort Baden-Württemberg“, produziert von der Landeszentrale für politische Bildung und dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg, blickt zurück: mit der „Chronik radikaler Parteien“. Sie zeigt, wie radikale und extremistische Parteien gezielt Emotionen schüren: mit scheinbar einfachen Erklärungen, Schuldzuweisungen, Sündenböcken und Verschwörungsmythen.

Die fünfteilige Reihe verbindet Ereignisse aus Baden-Württemberg mit den Erzählungen von Rechts- und Linksextremisten. Fachleute aus Politik-, Geschichts-, Rechts- und Medienwissenschaften analysieren die radikalen Strömungen und den Widerstand der Demokratie.

Zu hören auf Spotify und allen gängigen Podcast-Plattformen.

 

VIER FRAGEN AN ...

… Mathieu Coquelin vom Innovationsprojekt „Team Demos“ 

In unserer Rubrik „Vier Fragen an …“ stellen Träger und Partner des Demokratiezentrums Baden-Württemberg ihre Arbeit vor. In dieser Ausgabe: Mathieu Coquelin vom Innovationsprojekt „Team Demos – Demokratie, Empathie, Mitgestaltung, Offenheit und Solidarität“.

DZBW: Welche Ziele verfolgt das Projekt Team Demos und welche Zielgruppen spricht es an?

Coquelin: Team Demos – Demokratie, Empathie, Mitgestaltung, Offenheit und Solidarität verfolgt das Ziel, demokratische Resilienz nachhaltig zu stärken – insbesondere im Umgang mit Verschwörungsdenken und weiteren demokratiefeindlichen Phänomenen. Im Zentrum steht die Qualifizierung von Multiplikator:innen. Dazu gehören Fachkräfte aus sozialer Arbeit, Bildung, Verwaltung, Polizei, Justiz sowie engagierte Akteur:innen aus Zivilgesellschaft und Unternehmen. Das Projekt reagiert auf eine strukturelle Lücke: In vielen Regionen – gerade auch außerhalb urbaner Zentren – fehlen dauerhaft sichtbare, qualifizierte Ansprechpartner:innen für Demokratieförderung und Prävention. Gleichzeitig haben Desinformation, Polarisierung und verschwörungsideologische Narrative deutlich an Einfluss gewonnen. „Team Demos“ setzt genau hier an: Ziel ist es, Fachkräfte handlungssicher zu machen, sie fachlich zu qualifizieren und sie in tragfähige Netzwerke einzubinden, damit demokratische Kultur vor Ort langfristig gestärkt wird.

DZBW: Auf welche Art und Weise will Team Demos diese Ziele erreichen?

Coquelin: Das Projekt arbeitet mit einem mehrstufigen Qualifizierungsansatz. Erstens: Hochschulmodule, die systematisch in Studiengänge integriert werden. Hier werden angehende sozialpädagogische Fachkräfte früh für das Erkennen und den Umgang mit demokratiefeindlichen Einstellungen in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart sensibilisiert. Zweitens: Bedarfsorientierte Fachschulungen außerhalb des Hochschulkontextes – praxisnah, interdisziplinär und eng an realen Fallkonstellationen orientiert. Neben lokalen Bündnissen adressieren wir hier vor allem auch die lokalen Netzwerke aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Drittens: Landesweite Fachveranstaltungen, die Wissenstransfer, Vernetzung und Austausch ermöglichen, flankiert von monatlichen Online-Lunch-Formaten.

Didaktisch kombiniert das Projekt Theorie, Fallarbeit, Rollenspiele, Analyseinstrumente und konkrete Handlungsstrategien. Ein begleitendes Curriculum sowie Evaluationsinstrumente sorgen dafür, dass nicht nur Wissen vermittelt, sondern tatsächliche Handlungssicherheit aufgebaut wird. Der Innovationscharakter liegt dabei in der strukturellen Verzahnung von Qualifizierung, Netzwerkbildung und nachhaltiger Verankerung in bestehenden Institutionen.

DZBW: Wie können sich Interessierte in das Projekt einbringen?

Coquelin: Interessierte können sich auf mehreren Ebenen beteiligen. Fachkräfte können an Qualifizierungsformaten teilnehmen oder eigene Bedarfe anmelden, für die maßgeschneiderte Schulungen entwickelt werden. Hochschulen und Ausbildungsstätten können Module integrieren und so Präventionskompetenz strukturell verankern. Institutionen und Organisationen können als Netzwerkpartner:innen oder über Zielgruppenzugang mitwirken und fachliche Perspektiven einbringen. Darüber hinaus ist es ausdrücklich erwünscht, dass qualifizierte Teilnehmende selbst als Multiplikator:innen aktiv werden und die Inhalte eigenständig in ihren jeweiligen Kontexten weitertragen. „Team Demos“ versteht sich nicht als isoliertes Projekt, sondern als Plattform für Vernetzung und gemeinsame Verantwortung.

DZBW: Die Förderperiode geht bis zum 31. Dezember 2028. Welches Ergebnis möchten Sie am Ende der Förderperiode  vorweisen können?

Coquelin: Am Ende der Förderperiode soll eine belastbare Infrastruktur entstanden sein. Das bedeutet: qualifizierte Fachkräfte in allen Regierungsbezirken Baden-Württembergs, ein etabliertes Curriculum, funktionierende Netzwerke sowie dauerhaft integrierte Module in Ausbildungskontexten. Erfolg wird dabei nicht allein quantitativ gemessen, sondern qualitativ: Handlungssicherheit, nachhaltige Kooperationen und nachweisbarer Transfer in die Praxis stehen im Mittelpunkt. Das langfristige Ziel ist es, demokratiefeindlichen Einstellungen früher zu begegnen, professioneller zu reagieren und demokratische Werte im Alltag institutionell abzusichern – nicht punktuell, sondern strukturell verankert.

Kontakt:

Fachstelle Extremismusdistanzierung

Heilbronner Straße 180

70191 Stuttgart

E-Mail: info@fexbw.de

www.fexbw.de