… Mathieu Coquelin vom Innovationsprojekt „Team Demos“
In unserer Rubrik „Vier Fragen an …“ stellen Träger und Partner des Demokratiezentrums Baden-Württemberg ihre Arbeit vor. In dieser Ausgabe: Mathieu Coquelin vom Innovationsprojekt „Team Demos – Demokratie, Empathie, Mitgestaltung, Offenheit und Solidarität“.
DZBW: Welche Ziele verfolgt das Projekt Team Demos und welche Zielgruppen spricht es an?
Coquelin: Team Demos – Demokratie, Empathie, Mitgestaltung, Offenheit und Solidarität verfolgt das Ziel, demokratische Resilienz nachhaltig zu stärken – insbesondere im Umgang mit Verschwörungsdenken und weiteren demokratiefeindlichen Phänomenen. Im Zentrum steht die Qualifizierung von Multiplikator:innen. Dazu gehören Fachkräfte aus sozialer Arbeit, Bildung, Verwaltung, Polizei, Justiz sowie engagierte Akteur:innen aus Zivilgesellschaft und Unternehmen. Das Projekt reagiert auf eine strukturelle Lücke: In vielen Regionen – gerade auch außerhalb urbaner Zentren – fehlen dauerhaft sichtbare, qualifizierte Ansprechpartner:innen für Demokratieförderung und Prävention. Gleichzeitig haben Desinformation, Polarisierung und verschwörungsideologische Narrative deutlich an Einfluss gewonnen. „Team Demos“ setzt genau hier an: Ziel ist es, Fachkräfte handlungssicher zu machen, sie fachlich zu qualifizieren und sie in tragfähige Netzwerke einzubinden, damit demokratische Kultur vor Ort langfristig gestärkt wird.
DZBW: Auf welche Art und Weise will Team Demos diese Ziele erreichen?
Coquelin: Das Projekt arbeitet mit einem mehrstufigen Qualifizierungsansatz. Erstens: Hochschulmodule, die systematisch in Studiengänge integriert werden. Hier werden angehende sozialpädagogische Fachkräfte früh für das Erkennen und den Umgang mit demokratiefeindlichen Einstellungen in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart sensibilisiert. Zweitens: Bedarfsorientierte Fachschulungen außerhalb des Hochschulkontextes – praxisnah, interdisziplinär und eng an realen Fallkonstellationen orientiert. Neben lokalen Bündnissen adressieren wir hier vor allem auch die lokalen Netzwerke aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Drittens: Landesweite Fachveranstaltungen, die Wissenstransfer, Vernetzung und Austausch ermöglichen, flankiert von monatlichen Online-Lunch-Formaten.
Didaktisch kombiniert das Projekt Theorie, Fallarbeit, Rollenspiele, Analyseinstrumente und konkrete Handlungsstrategien. Ein begleitendes Curriculum sowie Evaluationsinstrumente sorgen dafür, dass nicht nur Wissen vermittelt, sondern tatsächliche Handlungssicherheit aufgebaut wird. Der Innovationscharakter liegt dabei in der strukturellen Verzahnung von Qualifizierung, Netzwerkbildung und nachhaltiger Verankerung in bestehenden Institutionen.
DZBW: Wie können sich Interessierte in das Projekt einbringen?
Coquelin: Interessierte können sich auf mehreren Ebenen beteiligen. Fachkräfte können an Qualifizierungsformaten teilnehmen oder eigene Bedarfe anmelden, für die maßgeschneiderte Schulungen entwickelt werden. Hochschulen und Ausbildungsstätten können Module integrieren und so Präventionskompetenz strukturell verankern. Institutionen und Organisationen können als Netzwerkpartner:innen oder über Zielgruppenzugang mitwirken und fachliche Perspektiven einbringen. Darüber hinaus ist es ausdrücklich erwünscht, dass qualifizierte Teilnehmende selbst als Multiplikator:innen aktiv werden und die Inhalte eigenständig in ihren jeweiligen Kontexten weitertragen. „Team Demos“ versteht sich nicht als isoliertes Projekt, sondern als Plattform für Vernetzung und gemeinsame Verantwortung.
DZBW: Die Förderperiode geht bis zum 31. Dezember 2028. Welches Ergebnis möchten Sie am Ende der Förderperiode vorweisen können?
Coquelin: Am Ende der Förderperiode soll eine belastbare Infrastruktur entstanden sein. Das bedeutet: qualifizierte Fachkräfte in allen Regierungsbezirken Baden-Württembergs, ein etabliertes Curriculum, funktionierende Netzwerke sowie dauerhaft integrierte Module in Ausbildungskontexten. Erfolg wird dabei nicht allein quantitativ gemessen, sondern qualitativ: Handlungssicherheit, nachhaltige Kooperationen und nachweisbarer Transfer in die Praxis stehen im Mittelpunkt. Das langfristige Ziel ist es, demokratiefeindlichen Einstellungen früher zu begegnen, professioneller zu reagieren und demokratische Werte im Alltag institutionell abzusichern – nicht punktuell, sondern strukturell verankert.
Kontakt:
Fachstelle Extremismusdistanzierung
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