Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

sind Sie gut in den April gestartet? Wir freuen uns, dass Sie bei der vierten Ausgabe unseres Newsletters im Jahr 2026 dabei sind!  Was Sie in diesem Monat erwartet:

  • Neues zum Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
  • Laut einer Studie des Bundeskriminalamts sind immer mehr Menschen für rechtsextreme Ideen empfänglich.
  • Die Zahl rechtsmotivierter Gewalttaten ist in Baden-Württemberg nach Angaben der Polizei im Jahr 2025 erneut gestiegen.
  • Ist die Demokratie verzichtbar? Nein, finden die meisten Bürgerinnen und Bürger. Doch viele meinen, sie funktioniert schlechter als früher. Zu diesem Ergebnis kommt der neue „Deutschland-Monitor“.
  • Der Rassismus von Behörden steckt laut einer Studie oft in Routinen.

Und natürlich gibt es auch in diesem Newsletter zahlreiche Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen, interessante Publikationen und Tipps zum Sehen, Lesen und Hören rund um die Themen Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention.

Ihre Ideen und Anregungen sind stets willkommen – schreiben Sie an info@demokratiezentrum-bw.de.

Falls Sie neu dabei sind: Mehr über unsere Arbeit finden Sie auf unserer Website. Die erschienenen Newsletter stehen dort im Archiv bereit.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

NEUER TERMIN: LANDESDEMOKRATIEKONFERENZ AM 28.SEPTEMBER

Resilient gegen Radikalisierung: Strategien zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt

Unternehmen können bei der Demokratieförderung und Extremismusprävention eine wichtige Rolle spielen: als Arbeitgeber, gesellschaftliche Akteure, Lernorte für Mitbestimmung und als Motoren von Innovation und Zusammenhalt. Sie erreichen Menschen, die die klassische Demokratiearbeit oft nur schwer anspricht. Unternehmen können Themen setzen, Haltung zeigen und gesellschaftlichen Zusammenhalt vorleben.

Wie kann reagiert werden, wenn Ausgrenzung, Rassismus oder extremistische Tendenzen den Arbeitsalltag belasten? Wie kann eine Kultur des Respekts gefördert werden?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Landesdemokratiekonferenz 2026, die am 28. September 2026 (Terminänderung) in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart stattfindet.

Das erwartet Sie:

  • aktuelle Analysen zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt
  • erfolgreiche Praxisbeispiele und
  • Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen und Experten.

Bitte merken Sie sich diesen Termin bereits vor. Über das Programm und den Ablauf der Landesdemokratiekonferenz halten wir Sie auf dem Laufenden.

BUNDESPROGRAMM „DEMOKRATIE LEBEN!“ WIRD UMGEBAUT  

Zwei Programmbereiche werden zum Jahresende eingestellt

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will das Programm „Demokratie leben!“ neu ausrichten. Die Bereiche „Entwicklung einer bundeszentralen Infrastruktur“ und „Innovationsprojekte“ sollen zum Jahresende eingestellt werden. Rund 200 Projekte sind davon betroffen. Die betroffenen zivilgesellschaftlichen Träger sehen sich zum Teil in ihrer Existenz bedroht. Bis zum Sommer will das Familienministerium eine neue Förderrichtlinie vorlegen. Auf dieser Grundlage können sich die Projekte erneut bewerben.   

„Trotz hoher Motivation und eines engagierten Einsatzes in der Fläche werden die Programmziele nicht oder nicht nachhaltig erreicht“, sagte Prien der Welt am Sonntag. Das Verhältnis von Mitteleinsatz und Ergebnis sei unbefriedigend.

In einer Aktuellen Stunde im Bundestag betonte die Ministerin, es müsse verhindert werden, „dass sich die stille Mitte von unserer Demokratie abwendet“. Mit diesem Ziel vor Augen habe man sich das Bundesprogramm angeschaut. „Teile des Programms sind ohne jeden Zweifel erfolgreich“, so Prien. Nicht alles aber habe sich in der Praxis bewährt. Daher würden „neue, passgenaue Ansätze entwickelt“.

Künftig wolle man verstärkt dort anzusetzen, wo Menschen ihren Alltag verbringen– „an Regelstrukturen wie Kitas oder Schulen und im Netz. Dort wollen wir mit Projekten die ‚stille Mitte‘ erreichen.“  Prien kündigte an,  stärker auf die Zusammenarbeit mit bestehenden Strukturen wie Kitas, Schulen, Freiwillige Feuerwehren, Landjugend, Sportvereine und Initiativen kultureller Bildung zu setzen. Wie dies konkret aussehen soll, ist derzeit noch offen.

„Vielfalt sehe ich nicht als staatliches Förderziel“, sagte Prien der taz. Ein „reines Empowerment gesellschaftlicher Nischen und Minderheiten“ werde künftig kein Schwerpunkt mehr sein.

DEMOKRATIEZENTRUM VOR ORT 

„Wofür mach ich das?!“ Diese Frage stellen „Toni-L“ Landomini und Bryan Vit in ihrem Vortrag „Hip-Hop & Engagement im Selbstauftrag“ am 15. April 2026, 12.30 bis 14.00 Uhr. Sie zeigen, wie die Hip-Hop-Kultur in den USA und Europa entstand und sich entwickelte, und berichten von ihrer Arbeit mit dem Freien Hip-Hop Institut, das sie zusammen mit Torch ins Leben gerufen haben. Toni-L, Hip-Hop-Pionier und Gründungsmitglied von Advanced Chemistry, setzt sich seit Jahren für kulturelle Bildung ein – als Musiker, Theatermacher und Kulturvermittler. Bryan Vit, Hip-Hop-Künstler, Bildungsreferent und Forscher, bewegt sich zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus und gehört ebenfalls zu den Gründern des Freien Hip-Hop Instituts.


„Wie Fake News unser Hirn hacken“, das ist der Titel eines Vortrags des  Medienpädagogen Lukas Flad am 23. April 2026, von 12.30 bis 14.00 Uhr. Flad unterrichtet Deutsch, Englisch, Geschichte und Medien an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen (SBBZ-L).


„Populisten auf TikTok stoppen. Wie rechte Parteien junge Zielgruppen digital erreichen – und was wir dagegen tun können“ lautet das Thema eines Online-Vortrags von Nina Scavello am 6. Mai 2026, von 12.30 bis 14.00 Uhr. Die Mitgründerin der Agentur mecoa – Mediencoaching unterstützt Politiker, Politikerinnen und Verbände dabei, Social Media professionell einzusetzen und demokratische Kommunikation sichtbar zu machen. In ihrem Vortrag beleuchtet sie zentrale Mechanismen sozialer Plattformen und zeigt, wie man gezielt Reichweite aufbaut.


Mit „Tradwifes & Weiblichkeitscoaches“ beschäftigt sich Jessica Alessandra Wagner am 17. Juni 2026, von 12.30 bis 14.00 Uhr. Die Genderforscherin und Medienpädagogin beleuchtet moderne Weiblichkeitsbilder auf Social Media und hinterfragt deren ideologische Wurzeln.


Am 1. Juli von 12.30 bis 14.00 Uhr spricht Jessica Alessandra Wagner unter dem Titel „Lifecoaches, Gymbros & Gottes Nahrung“ über die (re)traditionisierten Männlichkeitsbilder in den sozialen Medien.


Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des Online-Lunch-Formats der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg und zur Anmeldung finden Sie hier.

 

LANGE NACHT DER DEMOKRATIE

Die Jury hat entschieden: 60 Standorte ausgewählt

Was für ein Erfolg! 156 Bewerbungen sind für die Lange Nacht der Demokratie am 2. Oktober 2026, dem Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, eingegangen. 48 Standorte wurden jetzt von der Jury für die Förderung ausgesucht. Für Vereine und Initiativen, die leer ausgingen, gibt es noch eine weitere Chance. Sie können sich bei der Allianz für Beteiligung e.V. um einen Beteiligungstaler in Höhe von 2.000 Euro bewerben.

In der Langen Nacht der Demokratie gestalten in vielen Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg Akteurinnen und Akteure ein Programm, das Menschen jeden Alters für die Demokratie begeistert.

Die Lange Nacht der Demokratie in Baden-Württemberg ist eine Initiative der Allianz für Beteiligung e.V., des Demokratiezentrums Baden-Württemberg, der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg (KiLAG), des Landesjugendrings Baden-Württemberg e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg e.V.

 

ÜBER DEN TELLERRAND

Universität Tübingen beruft Professorin für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung

Friederike Lorenz-Sinai übernahm zum 1. März den neu geschaffenen Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen. Am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) wird sie zum Umgang mit Gewalt- und Diskriminierungsphänomenen in regionaler und internationaler Ausrichtung forschen und lehren. Zudem wird sie Forschungsergebnisse an zivilgesellschaftliche Organisationen weitergeben.

Mit der Berufung von Friederike Lorenz-Sinai auf die Professur für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung sind jetzt alle Lehrstühle am IRex besetzt. Mit vier Professuren zur Rechtsextremismusforschung und seiner strukturellen Verankerung ist das Institut bundesweit einzigartig. Die Einrichtung durch das Land Baden-Württemberg ging auf eine Handlungsempfehlung des zweiten baden-württembergischen NSU-Untersuchungsausschusses zurück.


Projekt „Atlas“: Digitale Trends im Fokus    

Viele Jugendliche sind online ständig präsent – und gleichzeitig nehmen Einsamkeit und Isolation zu. Der digitale Rückzug macht es schwieriger, Warnsignale zu erkennen oder die jungen Menschen zu unterstützen. Das Projekt „Atlas“ erkundet diese digitalen Lebenswelten, um Brücken zu realen Begegnungen zu schlagen und Teilhabe zu stärken. Es spürt digitale Trends auf, analysiert sie und wandelt sie in konkrete Hilfen für Fachkräfte der Jugendsozial- und Integrationsarbeit um. „Atlas“ bietet Einblicke in schwer erreichbare Onlineräume, bietet Austauschformate, Onlinesprechstunden, E-Learning-Angebote und praktische Handreichungen.

„Atlas“ ist ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V. Es wird finanziert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.


Fachtag „Demokratieförderung in Betrieben“

Eine starke Wirtschaft braucht eine starke Demokratie – und umgekehrt. Demokratie schafft die Grundlage für Rechtssicherheit, Planungssicherheit und fairen Wettbewerb,  zentrale Voraussetzungen für Innovation, Fachkräftesicherung und wirtschaftlichen Erfolg. Doch die demokratische Kultur gerät zunehmend unter Druck: Polarisierung, Extremismus und Desinformation gefährden das Vertrauen in Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Der Fachtag „Demokratieförderung in Betrieben“ am 24. April 2026, den die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart zusammen mit Südwestmetall und der Landeszentrale für politische Bildung veranstaltet, bietet in Vorträgen und Workshops praxisorientierte Ansätze und Anregungen, um Demokratieförderung in Betrieben und in der Ausbildung aktiv zu gestalten.

Die Anmeldung ist hier möglich.


Fachtag StopHate – Gemeinsam gegen Desinformation

Am 18. Juni 2026, an dem von der UN ausgerufenen Internationalen Tag für die Bekämpfung von Hetze, beschäftigt sich der Fachtag #StopHate – Gemeinsam gegen Desinformation von „REspect! im Netz“ mit aktuellen Mechanismen und Trends digitaler Desinformation. Die Veranstaltung findet in Mannheim statt, die Teilnahme ist kostenlos. Der Fachtag richtet sich an Fachkräfte aus Schule und Jugendarbeit, an Vertreter von Sicherheitsbehörden und Justiz sowie an Akteure aus Medien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Weitere Informationen finden Sie hier.

ANALYSE I: RECHTSEXTREME ANSICHTEN NEHMEN ZU

Untersuchung zeigt: Bildungsniveau beeinflusst rechtsextreme Ansichten

Immer mehr Menschen in Deutschland zeigen sich offen für extremistische Ansichten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das Bundeskriminalamt koordiniert hat. Besonders Jüngere sind empfänglich für rechtsextreme Ideologien. Der Anteil der Befragten, die solche Ideen unterstützen, stieg laut Studie zwischen 2021 und 2025 von 21,8 auf 29,6 Prozent.

Um diese Einstellungen zu erfassen, legten die Forscherinnen und Forscher des MOTRA-Verbunds den Teilnehmenden einer repräsentativen Befragung zehn Aussagen vor, zu denen sie Stellung beziehen sollten.

Rechtsextreme Einstellungen treten laut Studie häufiger bei Menschen mit geringem Bildungsniveau auf. Unter Befragten mit höchstens Hauptschulabschluss vertraten 2025 rund 11,1 Prozent solche Ansichten. Bei Personen mit Abitur lag der Anteil bei 1,4 Prozent.

Auch Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit nahmen laut Studie deutlich zu. Die wachsende gesellschaftliche Radikalisierung spiegelt sich in der politisch motivierten Kriminalität wider: 2024 wurden etwa 100 Delikte pro 100.000 Einwohnerinnen registriert – ein neuer Höchststand. Dieser Trend setzte sich 2025 fort.

Seit 2019 untersucht MOTRA die Radikalisierung in Deutschland, ihre Ursachen und Entwicklungen. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu liefern, die Politik und Praxis unterstützen. Der Forschungsverbund vereint neun renommierte Einrichtungen aus verschiedenen Disziplinen. MOTRA arbeitet eng mit weiteren Projekten zusammen und fördert den Austausch mit Partnern aus Politik und Praxis zu Radikalisierung und Extremismus.

 

ANALYSE II: MEHR RECHTSMOTIVIERTE GEWALTTATEN IM JAHR 2025

Polizei erfasst 104 Gewalttaten aus dem rechtsextremen Spektrum

Die Zahl politisch motivierter Gewalttaten in Baden-Württemberg stieg 2025 erneut. Die Polizei zählte 298 Fälle – ein Anstieg um 41,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark nahmen Delikte aus dem rechtsextremen Spektrum zu: 104 Fälle registrierte die Polizei, 85,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die Zahl politisch motivierter Straftaten wuchs. Sie stieg um 4,2 Prozent von 6.526 auf 6.801 Fälle. Die Taten reichten von abgerissenen Wahlplakaten bis zu tödlicher Gewalt, von Anfeindungen, Ausgrenzungen und Beleidigungen bis zu terroristischen Anschlägen.

Rund um die Bundestagswahl im Februar 2025 häufte sich die politisch motivierte Kriminalität. Laut Innenministerium standen 1.550 Straftaten im Zusammenhang mit der Wahl – fast jede vierte politisch motivierte Tat. Den größten Anteil machten Sachbeschädigungen aus, vor allem an Wahlplakaten (1.231 Fälle).

Mehr als ein Drittel aller politisch motivierten Straftaten entfiel auf den Bereich „rechts“ mit 2.706 Fällen. Im linken Spektrum stieg die Zahl der Delikte von 530 auf 905. Hier dominierten Sachbeschädigungen und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz.

Auch die Hasskriminalität nahm leicht zu: Die Fälle stiegen von 1.654 auf 1.717. Mehr als die Hälfte der Taten war rechts motiviert, oft mit antisemitischen oder rassistischen Hintergründen. Die Zahl der Gewaltdelikte in diesem Bereich verdoppelte sich fast – von 78 auf 134 Fälle.

Antisemitische Straftaten gingen im zweiten Jahr in Folge zurück, blieben aber auf hohem Niveau. 2025 registrierte die Polizei 575 Fälle, 15 weniger als im Vorjahr. Dennoch wird in Baden-Württemberg weiterhin täglich ein solcher Vorfall gemeldet.

 

 

ANALYSE III: MEHRHEIT SIEHT DEMOKRATIE IN GEFAHR   

Jeder Fünfte offen für autoritäre Ideen

Eine Mehrheit der Deutschen findet, mit der Demokratie gehe es bergab. Ein Drittel befürwortet sogar eine Einparteienherrschaft. Das zeigt die Studie Deutschland-Monitor 2025.

Teile der Bevölkerung sind demnach offen für autoritäre Ideen. So stößt etwa die Forderung nach einer Einheitspartei, einem starken Anführer ohne parlamentarische Zwänge und der Diktatur als Staatsform bundesweit bei etwa jedem Fünften auf Zustimmung, in Ostdeutschland sympathisiert damit sogar jeder Vierte.

Konkret stimmten im Durchschnitt knapp zwei Prozent folgenden gebündelten drei Aussagen voll zu: „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform“, „Entscheidungen sollten von einer politischen Führungspersönlichkeit getroffen werden – ohne Rücksicht aufs Parlament“ und  „Deutschland braucht eine einzige starke Partei“. 21 Prozent der Befragten sind zumindest empfänglich für ein autoritäres Weltbild.

Der Deutschland-Monitor wird seit 2023 jährlich erstellt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland gefördert. Dahinter stehen Forschungsteams des Zentrums für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und des Leibnitz-Instituts für Sozialwissenschaft Mannheim. Sie befragten im vergangenen Jahr repräsentativ ausgewählt 4.000 Menschen über 16 Jahre bundesweit sowie 4.000 weitere in einer „Regionalstichprobe“.

 

ANALYSE IV: RASSISMUS IN STAATLICHEN INSTITUTIONEN

Rassismus tritt in deutschen Behörden laut einer Studie selten als offene Anfeindung auf. Stattdessen zeigt er sich in Routinen, Ermessensspielräumen und Organisationsstrukturen. Das zeigt die vom Bundesinnenministerium geförderte Untersuchung „Institutionen und Rassismus“ (InRa). Sie gilt als die bislang umfassendste empirische Analyse zu Rassismus in staatlichen Institutionen, teilte die Universität Leipzig, die das Projekt leitete, mit.

Mehr als drei Jahre lang untersuchten Wissenschaftler an zehn Standorten Jobcenter, Ausländerbehörden, Polizei, Justiz, Gesundheits-, Jugend- und Ordnungsämter sowie die soziale Arbeit. Zudem wurden in einem Teilprojekt vier Bundesbehörden unter die Lupe genommen. Insgesamt besteht die Verbundstudie aus 23 Einzelprojekten.

Die Ergebnisse zeigen, dass rassistische Diskriminierung auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene nachweisbar ist – jedoch in unterschiedlicher Form und Intensität. Sie äußert sich etwa in den Einstellungen einzelner Mitarbeiter, in behördlichen Praktiken und Ermessensspielräumen oder im Umgang mit Beschwerden.

Eine Befragung von knapp 13.000 Beschäftigten in vier Bundesbehörden – Bundespolizei, Zoll, Bundesagentur für Arbeit und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge – ergab, dass diese Behörden kein höheres Maß an ethnisch diskriminierenden Einstellungen aufweisen als die Gesamtbevölkerung. Dennoch berichteten 18 bis 26 Prozent der Befragten von beruflicher Benachteiligung, wobei Angehörige von diskriminierten Gruppen deutlich häufiger betroffen waren.

Die Wissenschaftler formulierten 17 Handlungsempfehlungen. Dazu zählen unabhängige Beschwerdestellen, die Ausweitung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, verpflichtende Fortbildungen zur Rassismuskritik, mehr Transparenz bei behördlichen Entscheidungen und die gezielte Förderung von Mitarbeitenden aus diskriminierten Gruppen.

 

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: Ausstellung „Rechtsextremer Terror“

Im Stuttgarter Erinnerungsort Hotel Silber zeigt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg seit dem 19. März die neue Sonderausstellung „Rechtsextremer Terror“. Sie schlägt den Bogen von den politischen Morden der Weimarer Republik über die rechtsextreme Gewalt der 1990er-Jahre bis hin zu aktuellen Putschplänen aus Reichsbürgerkreisen. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die Terrorakte selbst, sondern auch die Perspektiven der Betroffenen, die Reaktionen der Gesellschaft und die juristische Aufarbeitung. Interaktive Stationen fordern die Besucher auf, über ihren eigenen Beitrag zur Prävention und Bekämpfung von Rechtsextremismus nachzudenken. Die Ausstellung ist bis zum 14. Februar 2027 im Hotel Silber zu sehen.


Zum Lesen: Deutsch genug?

Sie wählen die AfD, sprechen nur Russisch und verehren Putin. Über Russlanddeutsche kursieren zahlreiche Klischees. Ira Peter, die mit ihrer Familie als Neunjährige von Kasachstan nach Deutschland übersiedelte, erzählt von der Scham über ihre sowjetische Migrationsgeschichte, dem Gefühl des Unerwünschtseins in Deutschland, sowie den fatalen Folgen einer verfehlten Integrationspolitik.

Ira Peter: Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen.  Goldmann, 2025, 256 Seiten, 22,00 Euro


 Zum Hören: RadiCast

Was denken Reichsbürger? Wie radikalisieren sie sich? Und welche Gefahren drohen dadurch Gesellschaft und Demokratie? Unter dem Titel „RadiCast“ startet das Landeskriminalamt Baden-Württemberg seinen ersten True-Crime-Podcast. Die erste Staffel beleuchtet das Phänomen der Reichsbürger und Selbstverwalter. Anhand realer Kriminalfälle, meist aus Baden-Württemberg, erklären Expertinnen und Experten, wie Radikalisierung abläuft, welche Risiken die Szene birgt und wie Verschwörungserzählungen in Gewalt münden. Die Fälle reichen von versuchtem Polizistenmord über Kindeswohlgefährdung bis zum größten Kriegswaffeneinsatz seit den RAF-Zeiten.

Den Spotify-Kanal zu RadiCast finden Sie hier.