Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

Herzlich willkommen! Schön, dass Sie unseren Newsletter abonniert haben.

Was Sie in diesem Monat erwartet:

  • Social-Media-Verbote allein reichen nicht – Experten sehen umfassenden Handlungsbedarf
  • Filderstadt richtet eine Fachstelle gegen Extremismus ein
  • Kritik am Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
  • Termin vormerken: Landesdemokratiekonferenz am 28. September 2026

Natürlich gibt es auch in diesem Newsletter zahlreiche Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen, interessante Publikationen und Tipps zum Sehen, Lesen und Hören rund um die Themen Demokratieförderung und  Extremismusprävention. Wir freuen uns, wenn unsere Informationen und Veranstaltungen Sie in Ihrer Arbeit unterstützen können.

Falls Sie neu dabei sind: Mehr über unsere Arbeit finden Sie auf unserer Website. Die bereits erschienenen Newsletter stehen dort im Archiv. Aktuell informieren wir Sie über unsere Social-Media-Accounts.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

die Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

PS: Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns.

 

VERBOTE FÜR KINDER UND JUGENDLICHE GREIFEN ZU KURZ  

Expertenkommission: Altersgrenzen allein reichen für den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt nicht aus    

Eine Expertenkommission warnt: Altersgrenzen allein schützen Kinder online nicht – nötig sind Bildung, Begleitung und Plattformregeln.

Seit Monaten diskutiert die Öffentlichkeit über Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche. Nun hat die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ ihre Erkenntnisse zu den Gefahren der Online-Welt vorgestellt. Die 130 Seiten starke Bestandsaufnahme dient der Vorbereitung von Handlungsempfehlungen, die Ende Juni vorgelegt werden sollen. „Es reicht nicht, nur über Altersbeschränkungen nachzudenken“, sagte der Erziehungswissenschaftler Olaf Köller bei der Vorstellung der Ergebnisse. „Wir müssen das Problem in seiner ganzen Breite anpacken.“

Der Bericht verdeutlicht, welche Bedeutung digitale Medien für Kinder und Jugendliche haben. Fast die Hälfte der Sechs- bis 13-Jährigen besitzt ein eigenes Smartphone. Bei den 13- bis 19-Jährigen sind es 95 Prozent. Gleichzeitig hapere es bei der Medienbildung und Prävention. Eine Million Jugendliche nutzen das Internet auf problematische Weise, 300.000 zeigen Anzeichen einer Sucht.

Jugendliche stoßen im Netz leicht auf schockierende Gewalt- und Leichendarstellungen,  selbst wenn sie sich nur über aktuelle Ereignisse wie den Ukrainekrieg oder den Nahostkonflikt informieren. Auch Hass im Netz, etwa gegen Frauen, queere Personen oder Menschen mit Migrationshintergrund, vergifte die Atmosphäre. Für Jugendliche sei dies besonders riskant. Hassrede könne die Radikalisierung fördern und das Vertrauen in die Demokratie und den demokratischen Diskurs untergraben.

Doch digitale Räume bieten auch Chancen: Sie fördern gesellschaftliche Teilhabe, Identitätsentwicklung und individualisiertes Lernen. Besonders Jugendliche aus marginalisierten Gruppen profitieren. Queere Jugendliche etwa finden online oft Gemeinschaft, die ihnen offline fehlt. Auch Jugendliche mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen nutzen soziale Netzwerke, um emotionale Unterstützung zu erhalten. „Schutz und Teilhabe sind keine Gegensätze“, betonte Köller. „Es geht um geschützte Teilhabe. “ Die Identitätsentwicklung Jugendlicher, die in sozialen Netzwerken stattfinde, müsse gezielt unterstützt werden. Köller: „Nicht die Bildschirmzeit allein ist entscheidend, sondern welche Inhalte Kinder und Jugendliche sehen, wie Plattformen gestaltet sind und wie gut Kinder und Jugendliche begleitet werden. Genau deshalb darf Medienbildung nicht dem Zufall überlassen werden. Sie muss verbindlich, altersgerecht und für alle Kinder und Jugendlichen zugänglich sein – und auch die Erwachsenen adressieren, die sie begleiten.“

Der Bericht zeigt, dass es rechtlich schwierig werden könnte, Social-Media-Verbote für bestimmte Altersgruppen einzuführen. Das EU-Recht habe Vorrang. Zudem wird auf das Erziehungsrecht der Eltern und die Teilhaberechte der Kinder hingewiesen.

Der Bericht der Expertenkommission ist hier zu finden.

FILDERSTADT RICHTET FACHSTELLE GEGEN EXTREMISMUS EIN

Rechtsextremistische und antisemitische Vorfälle werden dokumentiert und gemeldet 

Schmierereien an Hauswänden, verschlüsselte Symbole, Schriftzeichen, Zahlenkombinationen im öffentlichen Raum, Gesten, Gewalt, Straftaten, Angriffe und Anschläge – Extremismus zeigt viele Gesichter und greift immer weiter um sich. Auch in Filderstadt treten extremistische Erscheinungen auf. Oberbürgermeister Christoph Traub startete deshalb bereits 2024 einen Sensibilisierungsprozess in der Stadtverwaltung, aus dem jetzt die „interne Fachstelle Extremismus“ (IFEX) entstand.

Um Extremismus wirksam zu bekämpfen, müsse man ihn frühzeitig erkennen, betont die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. Vor zwei Jahren lud Traub alle Amts- und Referatsleitungen zu einer Fortbildung ein. Auch danach setzte die Stadt die Aufklärungsarbeit fort.

Das Amt für Integration, Migration und Soziales erarbeitete ein „Konzept zur Stärkung der Handlungsfähigkeit der Stadtverwaltung“. „Mit einer zentralen internen Struktur wollen wir die Verwaltung für dieses wichtige Thema sensibilisieren, schulen und ihre Handlungsfähigkeit stärken“, erklärt Amtsleiter Christos Slavoudis. Der Schwerpunkt liege auf der Einordnung von Nachfragen, Auffälligkeiten, Vorfällen und lokalen Entwicklungen sowie auf der Beratung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Das Projekt startet nun in eine einjährige Pilotphase.

Währenddessen arbeitet die Fachstelle eng mit dem Ordnungsamt zusammen. Dieses dokumentiert und meldet rechtsextremistische und antisemitische Vorfälle sowie Verdachtsfälle. Außerdem berät es bei Veranstaltungen und unterstützt bei der Erstellung von Sicherheitskonzepten.

KRITIK AN DEN UMBAUPLÄNEN DES BMBFSFJ

Bundesprogramm „Demokratie leben!“: Vertreter der Zivilgesellschaft fordern Umdenken statt Umbau

Der angekündigte Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben! “ wird von Trägern und Initiativen aus der Zivilgesellschaft heftig kritisiert. Mehr als 140 zivilgesellschaftliche Organisationen haben in einer gemeinsamen Stellungnahme Familienministerin Karin Prien (CDU) aufgefordert, ihre Entscheidung zu überdenken. Zuvor hatten bereits gut 1.000 Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft einen offenen Brief unterzeichnet. 27 Partnerorganisationen des Bündnisses „Bildung für eine demokratische Gesellschaft“ fordern, grundsätzliche Veränderungen nur auf der Basis von Evaluationsergebnissen und der Wertschätzung bisheriger erfolgreicher Arbeit vorzunehmen.

Im März hatte Prien bekannt gegeben, „Demokratie leben!“ neu auszurichten. Wie im April-Newsletter berichtet, sollen zwei der fünf Programmbereiche – die Innovationsprojekte und die Entwicklung einer bundesweiten Infrastruktur – des Bundesprogramms komplett gestrichen werden. Dadurch läuft die Förderung für gut 200 Projekte zum Jahresende aus. Erneute Förderungen sind möglich. Die Förderrichtlinien sollen überarbeitet werden und im Sommer vorliegen. Die Programmbereiche „Land“ mit den 16 Landesdemokratiezentren und „Kommunen“ mit den Partnerschaften für Demokratie bleiben bestehen.

Betroffene wie Meron Mendel vom Anne-Frank-Zentrum sprechen von „Irritationen“ und einem „Vertrauensbruch“, da das Ministerium ursprünglich eine vierjährige Förderung in Aussicht gestellt hatte. Tatsächlich müssen die Projekte jedoch jedes Jahr neu bewilligt werden.

„Demokratie leben!“ ist das größte derartige Förderprogramm des Bundes. In diesem Jahr fördert das Familienministerium mehr als 600 Projekte mit 191 Millionen Euro.  2027 sollen die Förderbedingungen geändert werden. Künftig soll die sogenannte „stille Mitte“ der Gesellschaft erreicht werden. Es solle „auf eine engere Zusammenarbeit mit Regelstrukturen wie zum Beispiel Kindertagesbetreuung, Schulen, Berufsschulen, Ausbildung, Arbeitswelt, öffentlicher Dienst, Sozialpartner, Wirtschaftsverbände, Hochschule, Jugendsozialarbeit und anderen Strukturen wie zum Beispiel Sport und Kultur gesetzt“ werden, teilte das Ministerium den Zuwendungsempfängern mit.

„Unsere Demokratie ist in einem Umfang bedroht, dass wir die Menschen in der Mitte erreichen müssen“, sagte die Ministerin Prien bei einem Gespräch mit dem Medienunternehmen „Correctiv“. Es bestehe die Gefahr, dass auch diese das Vertrauen in die Demokratie verlieren. Sie bezeichnete es als überheblich, dass viele glaubten, der Bestand des demokratischen Systems hänge von zum Teil extrem selbstreferenziellen Gruppen ab. Alle, die sich bisher engagiert hätten und sich mit den Zielen des modifizierten Programms identifizierten, könnten sich neu bewerben. Zugleich betonte sie, dass sie nicht am Programm selbst sparen wollte.

 

ZWEI NEUE PARTNERSCHAFTEN FÜR DEMOKRATIE

Singen und Leimen sind neu im Programm

Baden-Württemberg ist um zwei Partnerschaften für Demokratie reicher. Seit dem 1. April fördert das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend erneut die Partnerschaft für Demokratie in Singen. Neu hinzugekommen ist die Partnerschaft in Leimen.

Die Partnerschaften für Demokratie stärken und vernetzen Menschen und Organisationen, die sich in ihrer Gemeinde für Demokratie und ein gelingendes Miteinander engagieren.  Verantwortliche aus der Verwaltung arbeiten mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen, um bürgerschaftliches Engagement und demokratisches Verhalten zu fördern. Gemeinsam initiieren sie Projekte zur Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention. In Baden-Württemberg gibt es derzeit 26 dieser Partnerschaften. Das Demokratiezentrum begleitet und unterstützt sie. Ein Überblick ist hier zu finden.

 

BITTE VORMERKEN: DEMOKRATIEKONFERENZ AM 28. SEPTEMBER

Demokratieförderung in der Arbeitswelt

Demokratie findet nicht nur in Parlamenten statt. Sie entsteht auch dort, wo Menschen zusammenarbeiten, Verantwortung teilen, Konflikte austragen und Entscheidungen treffen. Für Millionen Menschen ist der Arbeitsplatz ein wichtiger Sozialisationsraum. Dort wächst Vertrauen oder zerbricht. Dort erfahren Menschen Teilhabe oder Ausschluss. Dort werden Werte und Haltungen vermittelt. Am Arbeitsplatz zeigt sich, ob die Menschen  Andersdenkenden respektvoll begegnen, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten, zuhören und Frustration zu ertragen.

Trotzdem bleibt die Arbeitswelt in der Demokratieförderung und Extremismusprävention oft ein blinder Fleck. Das wollen wir ändern. Deshalb widmet sich die Landesdemokratiekonferenz am 28. September in Stuttgart diesem Thema.

Unsere Impulsgeber:

Dr. Rolf Frankenberger, Geschäftsführer Forschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen

Marco Varnas vom Projektteam UNITED – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus

Moritz Wöhlbier von der Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung

Nutzen Sie die Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis. Merken Sie sich diesen Termin vor. Über das weitere Programm halten wir Sie auf dem Laufenden.

 

DEMOKRATIEZENTRUM VOR ORT

„Populisten auf TikTok stoppen. Wie rechte Parteien junge Zielgruppen digital erreichen – und was wir dagegen tun können“ lautet das Thema eines Online-Vortrags von Nina Scavello am 6. Mai, 12.30 bis 14.00 Uhr. Die Mitgründerin der Agentur mecoa – Mediencoaching unterstützt Politiker, Politikerinnen und Verbände dabei, Social Media professionell einzusetzen und demokratische Kommunikation sichtbar zu machen. In ihrem Vortrag beleuchtet sie zentrale Mechanismen sozialer Plattformen und zeigt, wie man gezielt Reichweite aufbaut.


Mit „Tradwifes & Weiblichkeitscoaches“ beschäftigt sich Jessica Alessandra Wagner am 17. Juni von 12.30 bis 14.00 Uhr. Die Genderforscherin und Medienpädagogin beleuchtet moderne Weiblichkeitsbilder auf Social Media und hinterfragt deren ideologische Wurzeln.


Am 1. Juli spricht Jessica Alessandra Wagner unter dem Titel „Lifecoaches, Gymbros & Gottes Nahrung“ über die (re)traditionisierten Männlichkeitsbilder in den sozialen Medien. Die Veranstaltung findet von 12.30 bis 14.00 Uhr statt.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des Online-Lunch-Formats der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg und zur Anmeldung finden Sie hier.

ÜBER DEN TELLERRAND

Ländlicher Raum: Jugendliche fürs Ehrenamt begeistern

Die jetzt erschienene Studie „Lust auf Ehrenamt wecken“ zeigt großes Potenzial für mehr jugendliches Engagement im ländlichen Raum. Der entscheidende Faktor für den Einstieg in ein Ehrenamt ist das soziale Umfeld. Mehr als die Hälfte der Ehrenamtlichen findet den Weg zum Ehrenamt über die eigene Familie oder den Freundeskreis; soziale Medien spielen nur eine geringe Rolle. Zeitmangel ist das größte Hindernis. Kürzere Sitzungen, Entlastung durch Teamlösungen oder auch ein zeitlich begrenztes „Schnupperengagement“ können hier Lösungsansätze sein.

Die Untersuchung basiert auf einer Online-Befragung von 1.936 Jugendlichen aus allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien, Gemeinschaftsschulen, Realschulen und Berufskollegs sowie auf ergänzenden Fokusinterviews und Best-Practice-Beispielen.

Neben persönlichen Vorteilen, wie Zertifikaten für den Lebenslauf oder einem Kompetenznachweis, wünschen sich die Jugendlichen mehr eigene Entscheidungsräume, um ihre Ideen umzusetzen. Bürokratische Vorgaben wirken dagegen oft abschreckend.

Auf Initiative des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration wird daher aktuell im Projekt Landesjugendforum Baden-Württemberg ein Konzept zu der Frage erarbeitet, was es für eine breit aufgestellte und nachhaltige Beteiligung von jungen Menschen auf Landesebene braucht. Dabei geht es auch darum, welche Strukturen und Rahmenbedingungen Jugendbeteiligung dauerhaft stärken und wie diese aus Sicht junger Menschen wirksam zu gestalten sind. Die Ergebnisse fließen in eine Handlungsempfehlung für ein künftiges Format der Jugendbeteiligung auf Landesebene ein.

GUT ZU WISSEN: TIPPS UND TERMINE

Fortbildung „Interdependenzbewusst gegen Antisemitismus und Rassismus“

Debatten über importierten Antisemitismus oder ein christlich-jüdisches Abendland  erwecken den Eindruck, als stünden von Antisemitismus und Rassismus Betroffene in Konkurrenz oder gar im Konflikt. Eine zweitägige Fortbildung am 5. und 6. Mai in Freiburg widmet sich Konzepten und Strategien, um Antisemitismus und Rassismus wirksam zu bekämpfen. Die Landeszentrale für politische Bildung und BildungsBausteine e. V. organisieren die Veranstaltung. Sie richtet sich an (sozial-) pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Multiplikator*innen aus verwandten Bereichen, zivilgesellschaftlich Engagierte und alle Interessierten.

Weitere Informationen sind hier zu finden.


Protest, Radikalisierung und Neuanfang

„Wir wolln euch mal wat fragen“ – Was bedeuten Anpassung, Repression, Ausgrenzung, aber auch Protest, Radikalisierung und Neuanfang? Dieser Frage widmet sich am 5. Mai  um 17.30 Uhr eine Veranstaltung der Partnerschaft für Demokratie Göppingen in der Kunsthalle Göppingen. Ingo Hasselbach und Nadja Klier berichten als Zeitzeugen aus unterschiedlichen, sich ergänzenden Blickwinkeln vom Aufwachsen und Leben in der DDR. Sie sprechen über Gewalt, Freiheitsentzug, Überwachung und Ausbürgerung – ebenso über persönliche Brüche, Verantwortung und die Frage, wie sie das Erlebte verarbeiten. Ingo Hasselbach erzählt von seiner Jugend als Punk in Ost-Berlin, von Haftstrafen, seinem Weg in den Rechtsextremismus und dem radikalen Ausstieg aus der Szene bis zur Präventionsarbeit als Mitbegründer von EXIT Deutschland. Nadja Klier schildert ihre Kindheit in der Ost-Berliner Kulturszene und die abrupte Ausbürgerung ihrer Familie 1988, die ihr Leben grundlegend veränderte.


Gefahr durch die Grauen Wölfe

„Unterschätzt, präsent, radikal: Gefahr durch die Grauen Wölfe“ – so lautet der Titel einer Veranstaltung, die am 6. Mai von 18.30 bis 20.30 Uhr im Forum Theater in Stuttgart stattfindet.

Die Grauen Wölfe, eine türkisch-rechtsextreme und ultranationalistische Bewegung, sind auch in Deutschland aktiv. Mit mehr als 12.000 Anhängern bilden sie die zweitgrößte rechtsextreme Organisation im Land. Ihre Ideologie, Strukturen und Gefahren und mögliche Gegenmaßnahmen werden bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung behandelt. Zu den Gästen gehören unter anderem Dr. Ismail Küpeli und ein Vertreter des Landesamts für Verfassungsschutz.

Das Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie hier


Ausschreibung zur Prävention und Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus und Radikalisierung

Die Europäische Kommission fördert Projekte, die Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus in der EU eindämmen. Im Mittelpunkt steht die Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisationen, die Online-Initiativen mit lokaler Präventionsarbeit verknüpfen. Unterstützt werden Vorhaben, die digitale Resilienz und sozialen Zusammenhalt stärken, extremistische Ideologien bekämpfen und gezielt Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte sowie betroffene Gemeinschaften einbeziehen. Ziel ist eine strategische Prävention mit langfristiger Wirkung. Die Antragsfrist endet am 27. Mai 2026.

Mehr Informationen finden Sie hier.


Politikstile und ihre Folgen

„Politikstile – wie Medien sie deuten und warum Emotionen und Symbole das Demokratievertrauen beeinflussen“ ist das Thema einer Veranstaltung am 21. Mai, 19 Uhr, im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung und der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Anmeldungen sind bis zum 19. Mai hier möglich.


Fachmesse „Demokratiewerkstatt“ 

Die Fachmesse „Demokratiewerkstatt“ im Rahmen des Programms „Wir sind dabei! – Werkstätten der Demokratie“ der Baden-Württemberg Stiftung bietet praxisnahe Impulse, neue Methoden und Anregungen zur Demokratiebildung. Geförderte Projekte stellen am 21. Juli von 12.00 bis 17.30 Uhr im Impact Hub in Stuttgart ihre Ergebnisse vor. Das Spektrum reicht von Methodensammlungen über Spiele bis zu Medienprodukten, die Demokratie greifbar und gestaltbar machen. Die Teilnahme ist kostenfrei, das Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.


Neues Pilotprojekt der Stiftung Weltethos

Das Pilotprojekt „Dazwischen – Antisemitismus- und rassismuskritische Kompetenzen in kommunalen Räten der Religionen?“ der Stiftung Weltethos stärkt Mitarbeitende in Kommunen sowie Engagierte in Räten der Religionen im Umgang mit Antisemitismus und Rassismus. Jüdisch-muslimische Tandems begleiten ausgewählte Kommunen und ihre Räte der Religionen ein Jahr lang. Ziel ist es, durch Workshops und Dialogformate konkrete Kompetenzen zu fördern, Räume für Austausch zu stärken und Handlungssicherheit im Umgang mit sensiblen Themen zu entwickeln. Offenburg und Reutlingen stehen als Standorte bereits fest, ein dritter Standort wird noch gesucht.

Weitere Informationen sind hier zu finden


Fachtag StopHate – Gemeinsam gegen Desinformation

Am 18. Juni, an dem von der UN ausgerufenen Internationalen Tag für die Bekämpfung von Hetze, beschäftigt sich der Fachtag #StopHate – Gemeinsam gegen Desinformation von „REspect! im Netz“ mit aktuellen Mechanismen und Trends digitaler Desinformation. Die Veranstaltung findet in Mannheim statt, die Teilnahme ist kostenlos.

Weitere Informationen finden Sie hier.


Filmfestival DOKVILLE 2026

Demokratische Gesellschaften geraten weltweit unter Druck. Multilaterale Prinzipien verlieren an Bedeutung, während populistische Akteure an Einfluss gewinnen. Desinformation, Diffamierung und algorithmisch verstärkte Polarisierung untergraben die Glaubwürdigkeit journalistischer Medien und vergiften den öffentlichen Diskurs. Der Branchentreff DOKVILLE 2026, organisiert vom Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart, widmet sich am 18. und 19. Juni im Hospitalhof Stuttgart der Verantwortung und den Perspektiven für unabhängigen, aufgeklärten Journalismus und die Dokumentarfilmbranche. Die Veranstaltung wird auch im Livestream übertragen.

Aktuelle Informationen zu Programm und Gästen finden Sie hier.


Infos über rechtsextreme Online-Subkulturen

Digitale Räume spielen eine zunehmend zentrale Rolle in der Radikalisierung junger Menschen, besonders in rechtsextremen Online-Subkulturen. Plattformübergreifende Netzwerke, geschlossene Gruppen und algorithmisch verstärkte Inhalte schaffen neue Dynamiken, die für Fachkräfte oft schwer greifbar sind.

Im Rahmen des Projekts ATLAS Connect gibt Dr. Daniel Köhler am 28. Mai, 10.30 bis 12.00 Uhr, bei einer Online-Veranstaltung Einblicke in zwei aktuelle Phänomene: die „Terrorgram“-Szene, ein lose organisiertes digitales Netzwerk jugendlicher Rechtsterroristen, und die unter „764/Com“ bekannte Gruppe, die zuletzt durch den „White Tiger“-Fall in Hamburg Schlagzeilen machte.

Köhler ist wissenschaftlicher Leiter des Kompetenzzentrums gegen Extremismus in Baden-Württemberg (konex) im Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Analyse extremistischer Netzwerke sowie in der Erforschung von Radikalisierungsprozessen.

Anmeldungen sind hier möglich.


 

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: „Inside the Manosphere“

In der Netflix-Dokumentation „Inside the Manosphere“ taucht Louis Theroux in eine Welt ein, in der Hass und Grenzüberschreitungen ein lukratives Geschäftsmodell ist. Der Film zeigt den Journalisten bei seinen Recherchen in der „Manosphere“, einem losen Netzwerk von Influencern, die sich dem Frauenhass verschrieben haben. Sie behaupten, dass Feminismus und die sexuelle Selbstbestimmung der Frau die Gesellschaft zerstören und Männer durch diese Entwicklung unterdrückt würden. Online-Communitys, die Feminismus und Gleichberechtigung als Irrweg abtun. Sie propagieren ein Männerbild, das Dominanz, Stärke und finanziellen Erfolg verherrlicht, verbreiten Verschwörungstheorien und vertreten homophobe sowie antisemitische Ansichten.

Louis Theroux: Inside the Manosphere, Netflix


Zum Lesen: Aladin El-Mafaalani – Misstrauensgemeinschaften

Die Enttäuschung über den Staat und seine Institutionen nimmt zu. Warum Misstrauensgemeinschaften die Demokratie belasten, erläutert Aladin El-Mafaalani, Soziologieprofessor an der TU Dortmund, in seinem neuen Buch. Er zeigt, dass Vertrauen in modernen Gesellschaften immer wichtiger wird, aber gleichzeitig schwindet. Seine Analyse: In einer komplexen, vernetzten Welt funktioniert das Zusammenleben nur mit einem Mindestmaß an Vertrauen. Die Bürger müssen darauf bauen, dass Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen ihre Aufgaben erfüllen. Doch die Unsicherheit wächst. Menschen vereinfachen komplexe Realitäten, verdächtigen Eliten pauschal und schüren Konflikte emotional. Aus dieser Entwicklung entstehen laut El-Mafaalani „Misstrauensgemeinschaften“. Menschen suchen vor allem den Austausch mit Gleichgesinnten, die ihre Zweifel bestätigen. Andere Meinungen werten sie pauschal ab. Skepsis wird zum Bindemittel, das diese Gruppen zusammenhält.

Aladin El-Mafaalani: Misstrauensgemeinschaften: Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien. 2025 Kiepenheuer & Witsch, 128 Seiten.   


Zum Hören: Einsam, Jung und Rechts? Wie Isolation politische Einstellungen prägt

In dieser Folge des Podcast „Extreme Zeiten“ sprechen Angela Fitsch und Paul Lachmann über das Projekt „gemEINSAM gegen RECHTS“. Sie fragen, wie Einsamkeitserfahrungen bei Jugendlichen ihre politische Einstellung prägen. „Extreme Zeiten“ ist ein Podcast des Demokratiezentrums Hessen.