Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert
 

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zum sechsten Newsletter des Demokratiezentrums Baden-Württemberg! Wir präsentieren Ihnen neue Publikationen, Veranstaltungen und Projekte rund um Demokratieförderung, Vielfalt und die Prävention von Extremismus.

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Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

 

NEUES AUS DEM DEMOKRATIEZENTRUM

Unsere Broschüre ist wieder vorrätig!

Auf 19 Seiten erfahren Sie alles Wichtige über die Arbeit des Demokratiezentrums und seiner Fachstellen. Sie können die Broschüre über unser Kontaktformular bestellen oder direkt hier herunterladen.

 

DEMOKRATIEZENTRUM BW VOR ORT

Save the date: Landesdemokratiekonferenz

Termin und Ort haben wir bereits genannt, nun verraten wir mehr über das Programm der Landes-Demokratiekonferenz 2025. Unter dem Titel „Digitale Debatten, analoge Werte: Wie soziale Medien die Zukunft unserer Demokratie prägen“ widmet sich die Konferenz einem ebenso aktuellen wie brisanten Thema. Sie findet am 22. Oktober 2025 im Haus der katholischen Kirche, Königstraße 7, in Stuttgart statt.

 

NEUES AUS DEM BUNDESPROGRAMM

„Mehr Gewicht für digitale Formate“

In ihrer  Rede zum Haushaltsgesetz 2025 vor dem Bundestag sprach Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) auch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Künftig soll es stärker auf die Kommunen ausgerichtet und effizienter werden. Die Förderrichtlinien würden gründlich überprüft. Digitale und zielgruppengerechte Formate sollen deutlich mehr Gewicht erhalten. Prien sagte, bei der Diskussion über „Demokratie leben! “ dürfe man nicht „das Kind mit dem Bade ausschütten“. Prien: „Wir wollen in unserer Gesellschaft gemeinsam demokratische Werte stärken. Die Fragen: „Wie können wir das erreichen? Wie begegnen wir aber auch Bedrohungen der Demokratie durch Extremismus im Alltag und im Netz und vor allem auch gegenüber Kindern und Jugendlichen?“, diese Fragen müssen wir beantworten.“

 

 

VERFASSUNGSSCHUTZBERICHT 2025 VORGESTELLT

Wie sich Extremisten in BW professionalisieren  

Die rechtsextreme Szene in Baden-Württemberg ist im vergangenen Jahr stark gewachsen und hat sich weiter professionalisiert. Das zeigt der Verfassungsschutzbericht des Landes. Derzeit zählt der Verfassungsschutz etwa 3.140 Rechtsextreme – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2.460 im Vorjahr. Rund 800 von ihnen gelten als gewaltorientiert. Mehr als die Hälfte (1.610) ist laut Bericht in Parteien organisiert, die meisten davon in der AfD (1.170). Bundesweit stieg die Zahl der Rechtsextremisten um rund 23 Prozent auf 50.250.

Auch die Zahl rechtsextremer Straftaten im Südwesten ist deutlich gestiegen: 2024 registrierte der Verfassungsschutz 2.569 Delikte mit rechtsextremem Hintergrund, im Vorjahr waren es 1.877. Besonders stark nahm die Hetze gegen queere Menschen zu.

Auffällig sei, dass die Szene jünger wird. „Vor allem 2024 zeigte sich in Baden-Württemberg eine wachsende Anziehungskraft des Rechtsextremismus auf junge Menschen“, so der Bericht. Themen und Kommunikationsstrategien der Szene greifen offenbar ineinander. Rechtsextreme vermittelten ein Gefühl von Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Sinn. „Sie wecken Neugier, Abenteuerlust und den Wunsch nach Engagement.“

Auch linksextreme Straftaten nahmen wieder zu, wenn auch nur leicht. Die Zahl der Straftaten stieg 2024 auf 342, nach 311 im Vorjahr.

Die Zahl der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter wuchs ebenfalls. 2024 zählte der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg rund 4.200 Anhänger, 200 mehr als im Vorjahr. Bundesweit wird ihre Zahl auf etwa 25.000 geschätzt. Etwa jeder Zehnte gilt als gewaltorientiert.

Der islamistische Extremismus bleibt laut Verfassungsschutz eine anhaltende Gefahr. Vor allem Salafisten haben ihre Aktivitäten weiter professionalisiert. Sie richten sich zunehmend mit speziellen Angeboten an Kinder, Jugendliche und Frauen. In sozialen Netzwerken verbreiten Influencer und radikale Prediger ihre Ideologie, oft begleitet von Propaganda und gezielten Falschinformationen. Besonders betroffen sind Jugendliche der Jahrgänge 2004 bis 2011, die häufig noch schulpflichtig und teils deutschlandweit vernetzt sind. Das islamistische Personenpotenzial in Baden-Württemberg liegt mit 4.020 Menschen auf dem Niveau von 2023 (4.163). Der salafistischen Szene werden 1.350 Anhänger zugerechnet.  124 Straf- und Gewalttaten waren laut Verfassungsschutz „religiös motiviert“.

Der Verfassungsschutzbericht 2024 ist hier abrufbar.

 

DISKRIMINIERUNG VON MUSLIMEN AUF HÖCHSTSTAND

Claim Allianz stellt Lagebild vor

Beleidigungen, beschmierte Moscheen, Angriffe auf Mädchen mit Kopftuch: Muslime in Deutschland erleben immer häufiger Rassismus. Die Zahl antimuslimischer Vorfälle erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand, wie die Organisation Claim ermittelte. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Fälle um 60 Prozent auf 3.080. Auch Gewalttaten nahmen zu, besonders oft traf es Frauen. Über 70 Angriffe richteten sich gegen religiöse Einrichtungen wie Moscheen.

Die Auswertung basiert auf Daten von 26 regionalen Melde- und Beratungsstellen aus 13 Bundesländern, Meldungen über das Portal „I Report“, Statistiken zur politisch motivierten Kriminalität 2024 sowie Berichten von Polizei und Medien.

Die Dunkelziffer bleibt hoch: Antimuslimischer Rassismus wird oft nicht als solcher erkannt. Viele Betroffene melden Vorfälle nicht – aus Angst, Misstrauen gegenüber Behörden oder fehlendem Zugang zu Beratungsstellen. Zu diesem Ergebnis kommen Mitarbeiter von Beratungsstellen, die mit dem Netzwerk Claim zusammenarbeiten.

Das Lagebild ist in der Kurzversion sowie in der Langversion hier abrufbar.

 

NEUE STUDIE ZUR RADIKALISIERUNG

Auslöser Kränkung und Diskriminierung

Wann verfangen Botschaften von Hasspredigern? Ein Forschungsteam der Universität Münster hat in einem vierjährigen Projekt einen bisher wenig beachteten Faktor untersucht: das Gefühl von Kränkung und Diskriminierung bei Musliminnen und Muslimen. Ein zentrales Ergebnis: Wer sich zurückgewiesen und gekränkt fühlt, kann dadurch anfälliger für Radikalisierung werden. Weitere begünstigende Faktoren sind geringe Kontakte zu Nicht-Muslimen und religiöser Fundamentalismus.

Etwa ein Fünftel der 1.887 befragten Muslime hegt Ressentiments, die in Verbindung mit anderen Einflüssen eine Radikalisierung fördern können. Die Studienautoren warnen jedoch davor, diesen 20 Prozent pauschal eine Neigung zur Radikalisierung zu unterstellen. „Nicht jeder Radikale empfindet Ressentiments“, betonen sie. „Und nicht jeder, der Ressentiments hegt, wird radikal oder gar extremistisch. Dennoch zeigen die Ergebnisse, wie gefährlich nah solche Gefühle den Botschaften von Islamisten kommen. Diese sprechen gezielt Menschen mit Ressentiments an, um sie gegen die deutsche Gesellschaft aufzubringen. Ihre Thesen können wie Brücken vom Ressentiment zur Radikalisierung wirken.“

Die Forscher sehen in ihren Erkenntnissen eine Chance für gezieltere Prävention. Das Gefühl der Kränkung müsse frühzeitig erkannt und eingeordnet werden. In der Verantwortung sehen die Forscher die Politik, aber auch die islamischen Organisationen in Deutschland.

Das Projekt lief von 2021 bis 2025 und wurde im Rahmen der Förderlinie „Gesellschaftliche Ursachen und Wirkungen des radikalen Islam in Deutschland und Europa“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.

Mehr über die Studie ist hier zu finden.

 

ANTIZIGANISMUS NIMMT ZU

Mehr Hass und Hetze

Sinti und Roma waren im vergangenen Jahr deutlich häufiger Ziel von Angriffen, Bedrohungen und Diskriminierungen. Die Zahl der Vorfälle stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 36 Prozent. Dies geht aus dem dritten Jahresbericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) hervor. Bundesweit wurden 2024 insgesamt 1.678 antiziganistische Vorfälle erfasst, 2023 waren es 1.233.

In 856 Fällen, also etwa der Hälfte, handelte es sich laut MIA um Herabwürdigungen und Diffamierungen. Diskriminierungen machten 666 Fälle aus, was 40 Prozent entspricht. Diese gingen oft von Institutionen wie Schulen oder Polizeibehörden aus. Außerdem zählte MIA 57 Angriffe, 50 Bedrohungen, 37 Sachbeschädigungen und zehn Fälle extremer Gewalt.

Antiziganismus zeigt sich laut MIA in fast allen Lebensbereichen. So entfielen knapp 22 Prozent der Vorfälle (369 Fälle) auf den Kontakt mit Behörden wie der Polizei. Im Bildungsbereich wurden 313 Vorfälle gemeldet.

 

NEUER ANTIZIGANISMUSBEAUFTRAGTER

Michael Brand, CDU-Politiker und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, übernimmt das Amt des Antiziganismusbeauftragten der Bundesregierung. Er löst den Anwalt Mehmet Daimagüler ab, der die Position seit ihrer Einführung im Jahr 2022 innehatte.

 

NEUE QUEERBEAUFTRAGTE

Sophie Koch, Mitglied des sächsischen Landtages, wurde als neue Beauftragte der Bundesregierung für Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt berufen. Das Kabinett bestellte sie für die Dauer der 21. Legislaturperiode. Kochs Vorgänger, Sven Lehmann von den Grünen war der erste Bundes-Queer-Beauftragte.

 

STUDIE JUNGES EUROPA

Die Demokratie steht unter Druck

57 Prozent der jungen Menschen in Europa bevorzugen die Demokratie klar gegenüber anderen Staatsformen. In Deutschland liegt die Zustimmung mit 71 Prozent an der Spitze. Die Zahlen stammen aus der Studie „Junges Europa“ der TUI-Stiftung, die seit 2017 regelmäßig durchgeführt wird. Für die aktuelle Erhebung wurden 6700 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Griechenland und Polen befragt. Unter jungen Menschen, die sich politisch rechts der Mitte einordnen und wirtschaftlich benachteiligt fühlen, sinkt die Zustimmung zur Demokratie auf ein Drittel. In Polen ist die uneingeschränkte Zustimmung mit 48 Prozent am niedrigsten.

 

SCHULBAROMETER ZUR DEMOKRATIEENTWICKLUNG

Demokratiebildung unzureichend?

Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (54 Prozent) findet, dass an ihrer Schule mehr für die Demokratiebildung getan werden sollte. Das zeigt das Deutsche Schulbarometer. Von den Lehrkräften, die sich mehr Demokratiebildung wünschen, sehen drei Viertel (77 Prozent) vor allem fehlende Unterrichtszeit als Hauptproblem. Rund die Hälfte (45 Prozent) nennt mangelndes Fachwissen im Kollegium als Hindernis. Fast jeder Fünfte meint, Demokratiethemen kämen zu kurz, weil Lehrkräfte befürchten, das Neutralitätsgebot zu verletzen.

 

ÜBER DEN TELLERRAND

Mit dem Thema „Wasserextreme als Gefahr für unsere Demokratie? Gesellschaftliche Resilienz angesichts von Wetter- und Klimaherausforderungen“ befasst sich am 21. Juli  eine Tagung an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart.


Muslimfeindlichkeit ist eine verbreitete Form der Diskriminierung in Deutschland. Wie wird mit ihr umgegangen, welche Entwicklungen und Handlungsansätze gibt es? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt einer Tagung am 22. Juli an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

 

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

 Tipps für den Umgang mit „Reichsbürgern“ und „Selbstverwaltern“ 

Wie erkennt man „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“? Und wie sollte man sich ihnen gegenüber verhalten? Um Sicherheit im Umgang mit „Reichsbürgern“ und „Selbstverwaltern“ zu geben, hat das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg seine 2019 erschienene Handreichung für den öffentlichen Dienst aktualisiert und neu aufgelegt. Die Broschüre beschreibt die ideologischen Grundlagen, mögliche Radikalisierungsfaktoren, relevante Gruppierungen in Baden-Württemberg, typische Aktivitäten und Merkmale, die auf eine Zugehörigkeit zu diesen Milieus hinweisen. Zudem enthält sie eine aktualisierte Liste mit Verhaltenstipps für den persönlichen Kontakt.

Das aktualisierte Dokument steht als PDF auf der Website des LfV bereit. Dort lassen sich auch gedruckte Exemplare bestellen.


ZDF-Dokumentation zu Verschwörungsmythen

Ob das Kennedy-Attentat, 9/11, das Coronavirus oder QAnon – Verschwörungstheorien haben Konjunktur. Was macht diese Erzählungen, in denen Fakten keine Rolle mehr spielen, so attraktiv? Die ZDF-Dokumentation „Lüge und Wahrheit – Verschwörungstheorien“ beschäftigt sich mit diesem Thema. Zu finden in der  ZDF-Mediathek.


Expertise zu Gaming und Rechtsextremismus

Das Handbuch Gaming & Rechtsextremismus der Bundeszentrale für politische Bildung untersucht, wo und wie rechtsextreme Einstellungen im Gaming sichtbar werden, welche Strukturen Radikalisierung begünstigen und welche Gegenstrategien existieren. Das Handbuch bietet erstmals einen Überblick über verschiedene, teilweise auch kontrovers diskutierte Zugänge und Positionen und verbindet hierbei den aktuellen Forschungsstand mit Einblicken aus der praktischen Arbeit.

 

VIER FRAGEN AN ...

… an die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX)

In unserer Rubrik „Vier Fragen an …“ stellen Träger und Partner des Demokratiezentrums Baden-Württemberg ihre Arbeit vor. In dieser Ausgabe: Die Fachstelle Extremismusdistanzierung, kurz: FEX. FEX hilft Fachkräften aus Bildung, Sozialarbeit, Polizei und Justiz extremistische Tendenzen früh zu erkennen, richtig einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren. Ziel der direkten Beratung ist es, Betroffene in bestehende Strukturen wie Jugendhilfe oder Sozialarbeit einzubinden.

DZBW: Warum sind manche Jugendliche anfällig für radikale Ideologien?

FEX: Radikale Ideologien bieten scheinbar einfache Antworten auf schwierige Lebensfragen. Viele Jugendliche suchen nach Orientierung, Zugehörigkeit oder nach einem Gefühl von Kontrolle – gerade, wenn sie persönliche Krisen erleben, Ausgrenzung erfahren oder das Vertrauen in gesellschaftliche Strukturen verlieren. Extremistische Gruppen nutzen genau diese Momente und knüpfen an vier zentrale Erfahrungen an: Kontrollverlust, fehlende Zugehörigkeit, Vernachlässigung von Bedürfnissen nach Nähe und Körperlichkeit – und ein Mangel an Sinn im eigenen Leben.

Radikalisierung ist oft ein Versuch, mit solchen inneren Lücken umzugehen – nicht selten verbunden mit der Vorstellung, „endlich gehört zu werden“. Unsere Aufgabe ist es, diese Prozesse früh zu erkennen, zu verstehen – und Wege zu eröffnen, wie Jugendliche aus solchen Dynamiken wieder herausfinden können, bevor Gewalt oder Ausgrenzung daraus werden.

DZBW: Wie sieht die Arbeit konkret aus?

FEX: Unsere Arbeit beginnt da, wo Unsicherheit entsteht: Wenn sich Lehrkräfte, Sozialarbeitende oder Behörden fragen, wie sie mit bestimmten Aussagen, Verhaltensweisen oder Gruppen umgehen sollen. Wir sind dann ansprechbar – telefonisch, per Mail oder vor Ort.

Wir bieten standardisierte Workshop-Formate an, die praxiserprobt sind und Fachkräfte wie Jugendliche gezielt unterstützen – inklusive begleitender Materialien und Medienpakete. Gleichzeitig ist unser Anspruch, mit den Anfragenden gemeinsam zu klären, was im konkreten Fall wirklich gebraucht wird. Manchmal ist ein Workshop ein guter Einstieg, manchmal braucht es andere Formate – etwa interne Fallberatung, kollegiale Beratung oder eine längerfristige Begleitung.

Gerade in der Lebensphase Jugend erleben wir häufig keine eindeutigen Szenezugehörigkeiten, sondern vielfältige, mitunter widersprüchliche Lebensrealitäten. Jugendliche bewegen sich zwischen unterschiedlichen Milieus, digitalen Räumen und sozialen Kontexten – oft ohne feste ideologische Verortung. Deshalb setzen wir auf passgenaue Entscheidungen, die mehrere Perspektiven zusammenbringen: politische Bildung, Soziale Arbeit, Schulpsychologie oder polizeiliche Prävention – je nach Fall. Unsere Beratung hilft dabei, die richtige Tür zu öffnen. Nicht irgendeine.

DZBW: FEX arbeitet seit zehn Jahren in der Extremismusprävention. Welche Ansätze haben sich bewährt? Welche nicht? Welche neuen Herausforderungen gibt es?

FEX: Zehn Jahre Fachpraxis bedeuten nicht nur Erfahrung – sondern auch Verantwortung, Entwicklungen im Blick zu behalten. Bewährt haben sich vor allem dialogische Formate, die Jugendliche und Fachkräfte ernst nehmen und stärken. Unser Ziel ist nie nur „Information“, sondern immer auch ein Verstehen der dahinterliegenden Dynamiken – warum Menschen sich abwenden, warum sie radikal denken oder handeln wollen.

Was sich nicht bewährt, sind pauschale Schuldzuschreibungen oder schnelle Lösungen. Wer nur auf Symptome reagiert, übersieht oft die Ursachen. Deshalb sprechen wir in unseren Workshops auch über Sprache, über Alltagsbilder, über das, was Radikalisierung vorbereitet, lange bevor sie sichtbar wird – etwa durch Feindbilder oder das sprachliche Einüben von Gewalt.

Neue Herausforderungen entstehen vor allem im digitalen Raum: Online-Radikalisierung ist nicht immer laut – sie ist oft flüchtig, schnell, beiläufig. Hier braucht es neue Formate, neue Kompetenzen – und mutige Allianzen zwischen Fachpraxis, Technik und politischer Bildung. Unsere Stärke liegt darin, solche Allianzen zu moderieren.

DZBW: Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, etwa Polizei, Verfassungsschutz, Schulen oder Gemeinden?

FEX: Prävention ist kein Einzelkampf. Man könnte auch sagen: Prävention ist wie Tanzen. Verschiedene Professionen – Schule, Polizei, Sozialarbeit, Justiz – haben ihre eigenen Tanzbereiche und Tanzstile. Je nachdem, welche Musik gespielt wird, braucht es andere Partner:innen – und ein Bewusstsein dafür, wer wann welchen Schritt macht, wo sich Wege berühren, und wo klare Grenzen verlaufen.

Entscheidend ist dabei: Jede Perspektive ist notwendig. Die Aufgabe besteht nicht darin, sich gegenseitig zu ersetzen, sondern ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Genau das ist unsere Rolle: vermitteln, verbinden, begleiten.

FEX kann dabei auf zehn Jahre kontinuierliche Beratungspraxis zurückblicken – mit einem stabilen Team, verlässlichen Partner:innen und einem gewachsenen Netzwerk. Diese Kontinuität schafft Vertrauen – und genau das ist oft die Grundlage für gute Prävention: nicht spektakulär, sondern beständig. Nicht laut, sondern wirksam.

Kontakt:

Fachstelle Extremismusdistanzierung

info@fexbw.de

0800 2016 112

www.fexbw.de