Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zu unserem aktuellen Newsletter. Schön, dass Sie dabei sind!

Was Sie in dieser Ausgabe erwartet:

>  Antisemitismus: Das Vertrauen schwindet. Laut dem Zentralrat der Juden in Deutschland fühlen sich 68 Prozent der Gemeinden nicht so sicher wie früher.

>  Studie zur liberalen Demokratie: Gute Idee, kritische Praxis. Der Demokratiemonitor 2026 der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass 82 Prozent der Befragten demokratische Werte unterstützen.

>  Jugendschutz: Mangelhafter Schutz vor Hass und Gewalt im Netz. Sexualisierte Gewalt und extremistische Hassinhalte sind im Netz ein großes Problem.

Natürlich gibt es auch in diesem Newsletter zahlreiche Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen, interessante Publikationen und Tipps zum Sehen, Lesen und Hören rund um die Themen Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention.

Wir hoffen, dass unsere Informationen und Veranstaltungen Sie in Ihrer Arbeit unterstützen.

Falls Sie neu dabei sind: Mehr über unsere Arbeit finden Sie auf unserer Website. Die erschienenen Newsletter stehen dort im Archiv. Aktuelle Informationen erhalten Sie auch über unsere Social-Media-Accounts.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

PS: Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie an info@demokratiezentrum-bw.de.

 

ANTISEMITISMUS: DAS VERTRAUEN SCHWINDET

Jüdinnen und Juden fühlen sich in Deutschland zunehmend unsicher. Führungspersönlichkeiten von 102 jüdischen Gemeinden und Landesverbänden wurden befragt: Die Mehrheit blickt pessimistisch in die Zukunft. Laut dem Zentralrat der Juden in Deutschland fühlen sich 68 Prozent der Gemeinden nicht so sicher wie früher. Beleidigungen, Hasskommentare, Drohanrufe und antisemitische Schmierereien prägen den Alltag der Betroffenen.

Die Autoren der Studie schreiben, dass sich eine „neue Normalität“ manifestiert hat: Jüdinnen und Juden sind weniger sichtbar und tragen jüdische Symbole wie den Davidstern oder die Kippa nicht mehr öffentlich. Die Nachfrage nach psychosozialer Unterstützung sei um 63 Prozent gestiegen. Der Zusammenhalt in den Gemeinden ist jedoch stärker geworden. Der Ausnahmezustand sei zum Dauerzustand geworden.

Judenhass, oft als vermeintlich legitime Israelkritik getarnt, habe in der bürgerlichen Mitte Anschluss gefunden, heißt es in der Studie. Nur 35 Prozent der Gemeinden fühlten sich noch von der Gesellschaft unterstützt. Die Zusammenarbeit mit der Polizei bewerten 91 Prozent der Befragten positiv. Zu Landesregierungen, Parteien, Verwaltungen und Kirchen haben sich die Beziehungen seit dem 7. Oktober 2023 verbessert. Ausgenommen sind rechtsextreme Parteien und die Linke, die der Zentralrat nicht mehr als verlässliche Partner betrachtet. Mit 91 Prozent bewerteten die Befragten die Zusammenarbeit mit der Polizei am positivsten. Nur 13 Prozent der Gemeinden sehen die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland noch positiv.

 

STUDIE ZUR LIBERALEN DEMOKRATIE: GUTE IDEE, KRITISCHE PRAXIS  

Trotz deutlicher Kritik am praktischen Funktionieren politischer Institutionen bleibt die Zustimmung zur liberalen Demokratie in Deutschland sehr hoch. Der Demokratiemonitor 2026 der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass 82 Prozent der Befragten demokratische Werte unterstützen. Gleichzeitig gibt es eine spürbare Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung, besonders bei den Parteien.

Die Forscher des Demokratiemonitors sehen darin keinen Grund zur Sorge, sondern einen Beleg für die Widerstandskraft der Demokratie. Die deutlichen Defizite in der Praxis sollten als konkrete Ansatzpunkte für Reformen verstanden werden.

Der Demokratiemonitor stützt sich auf sechs repräsentative Befragungen mit jeweils mehr als 5000 Teilnehmern zwischen 2019 und 2025. Untersucht wurden acht Merkmale der Demokratie: Wahlen, Öffentlichkeit, Parlament, Regierung, Gewaltenteilung, Bürgerrechte, Partizipation und Parteien. Die Befragten sollten angeben, wie sehr sie diese Werte unterstützen und wie gut sie deren Umsetzung im Alltag einschätzen.

 

 

JUGENDSCHUTZ: MANGELHAFTER SCHUTZ VOR HASS UND GEWALT  

Sexualisierte Gewalt und extremistische Hassinhalte sind im Netz ein großes Problem. Chatbots, KI-generierte Influencer und manipulierte Bilder verschärfen die Gefahren für Kinder und Jugendliche. Die Plattform jugendschutz.net hat allein im vergangenen Jahr 15.099 Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen im Internet registriert. In 93 Prozent der Fälle ging es um die Darstellung sexualisierter Gewalt, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht.

Der bei Jugendlichen beliebte Dienst Discord diene als Umschlagplatz für rechtsextreme, menschenfeindliche und gewaltverherrlichende Inhalte, heißt es im Bericht. Dazu gehörten NS-Propaganda, Hass gegen Minderheiten und brutale Gewaltvideos. Nutzer verbreiten die genannten Inhalte oft in scheinbar harmlosen Kontexten, als Memes, Clips oder Chatnachrichten. Auf Discord fänden sich Chaträume, die von Menschenverachtung und Gewalt geprägt seien. Humorvoll oder strategisch getarnt, drängen diese Inhalte beiläufig zu jungen Menschen vor und beeinflussten ihr Weltbild. Die Moderation sei oft nachlässig. Meldungen führten nicht rasch zur Löschung. So blieben problematische Inhalte lange sichtbar und verbreiten sich weiter.

Auf TikTok, YouTube oder Instagram beobachtete jugendschutz.net drastische Hass- und Gewaltfantasien gegen Frauen und Mädchen. Misogyne Influencer propagierten patriarchale Rollenbilder und „echte Männlichkeit“, während antifeministische Influencerinnen Unterwürfigkeit als „wahre Weiblichkeit“ verklärten. Frauen würden herabgewürdigt und zu Sexobjekten degradiert, teils bis hin zu Gewalt und Tötungsphantasien. Solche Inhalte könnten junge Menschen dazu bringen, gesellschaftliche Werte wie Gleichberechtigung und respektvollen Umgang abzulehnen. Gleichzeitig steige die Gefahr, körperliche Gewalt als legitimes Mittel anzusehen und anzuwenden. Antifeminismus diene zudem als Einstieg in extremistische Ideologien und öffne die Tür zu radikalen Szenen.

Die Plattform jugendschutz.net ist das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund, Ländern und Landesmedienanstalten für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Die Plattform recherchiert Gefahren und Risiken in jugendaffinen Diensten. Sie setzt sich dafür ein, Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen zu beseitigen. Ziel ist es, digitale Angebote so zu gestalten werden, dass Kinder und Jugendliche sie sicher nutzen können.

 

BITTE VORMERKEN: DEMOKRATIEKONFERENZ AM 28. SEPTEMBER

Demokratie findet nicht nur in Parlamenten statt. Demokratie wird am Arbeitsplatz verteidigt. Dort wächst Vertrauen oder zerbricht. Dort erfahren Menschen Teilhabe oder Ausschluss. Trotzdem bleibt die Arbeitswelt in der Demokratieförderung oft ein blinder Fleck. Das wollen wir ändern.

Deshalb widmet sich die Landesdemokratiekonferenz am 28. September in Stuttgart diesem Thema. Unsere Impulsgeber sind:

Dr. Rolf Frankenberger, Geschäftsführer Forschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen

Marco Varnas, Projektteam UNITED – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus:  Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – Verbreitung und Handlungsoptionen

Dennis Hoenig-Ohnsorg, Gründer der Changemaker Academy: Warum wir Wirtschaft und Demokratie zusammen denken müssen

Moritz Wöhlbier, Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung (minor Projektkontor für Bildung und Forschung): Über das Schärfen von Rollen- und Aufgabenverständnissen

Wir bieten Workshops zu den Themen „Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – Erkennen, einordnen & handeln“ und „KI-gestützte Beratung zur Demokratiebildung in der Arbeitswelt“ an.

Nutzen Sie die Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis. Merken Sie sich diesen Termin vor. Über das weitere Programm halten wir Sie auf dem Laufenden.

DEMOKRATIEZENTRUM VOR ORT 

Mit „Tradwifes & Weiblichkeitscoaches“ beschäftigt sich Jessica Alessandra Wagner am 17. Juni von 12.30 bis 14.00 Uhr. Die Genderforscherin und Medienpädagogin beleuchtet moderne Weiblichkeitsbilder auf Social Media und hinterfragt deren ideologische Wurzeln.

Am 1. Juli spricht Jessica Alessandra Wagner unter dem Titel „Lifecoaches, Gymbros & Gottes Nahrung“ über die (re)traditionisierten Männlichkeitsbilder in den sozialen Medien. Die Veranstaltung findet von 12.30 bis 14.00 Uhr statt.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des Online-Lunch-Formats der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg und zur Anmeldung finden Sie hier.

ÜBER DEN TELLERRAND

Themenportal „Rechte Gewalt“ ist jetzt online

Das neue Online-Themenportal „Rechte Gewalt“ steht ab sofort für Informationen und Recherchen bereit. Bundesarchiv und Landesarchiv Baden-Württemberg haben die digitale Plattform gemeinsam mit FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur entwickelt.

Das Angebot dokumentiert Ereignisse rechtsextremer und rechtsterroristischer Gewalt in Deutschland und bietet einen Überblick über relevante Archivunterlagen. „Mit diesem Portal werden die Morde des NSU und auch alle anderen Opfer rechter Gewalt Teil der deutschen Erinnerungskultur. Sie sind nicht vergessen. Gleichzeitig wollen wir mit dem Portal die juristische Verfolgung der Taten dokumentieren“, sagt Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg.

Rechte Gewalt zieht sich durch die deutsche Geschichte – in der Bundesrepublik ebenso wie in der DDR. Ereignisse wie das Oktoberfestattentat in München 1980, die rassistischen Brandanschläge in Mölln 1992 und Solingen 1993 oder die Pogrome von Erfurt 1975 sowie Hoyerswerda und Rostock in den frühen 1990er Jahre stehen für Tausende weiterer Ereignisse. Breitere Aufmerksamkeit erlangten sie zuletzt durch die Morde, Sprengstoffanschlägen und Banküberfällen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Bis zur Selbstenttarnung des NSU 2011 hatten Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste einen rechtsextremen und rassistischen Hintergrund weitgehend ausgeschlossen. Diese Fehleinschätzung führte zu einer breiten Debatte und mehreren Untersuchungsausschüssen auf Bundes- und Länderebene.

Die ersten sieben Dossiers des Themenportals behandeln die Pogrome in Erfurt 1975 und Rostock-Lichtenhagen 1992, die Sprengungen von Sendemasten durch die „Lembke-Naumann-Gruppe“ 1979, den tödlichen Anschlag der „Deutschen Aktionsgruppen“ 1980, die Terroranschläge der „Hepp-Kexel-Gruppe“ 1982 sowie zwei NSU-Morde aus den Jahren 2004 und 2007.


Infoportal Rechtsextremismusprävention startet neu

Das Infoportal des Kooperationsverbunds KompRex ist wieder online. Es hilft, professionelle Anlaufstellen zur Prävention von Rechtsextremismus in ganz Deutschland zu finden. Das Angebot umfasst Beratungs- und Meldestellen, Bildungseinrichtungen und Forschungsinstitute. Es wendet sich an Menschen mit Fragen oder Anliegen zu Rechtsextremismus sowie an Fachstellen, Projekte und Institutionen.

 

GUT ZU WISSEN

Diskussionsabend: Wer erschoss Michèle Kiesewetter?

Am 25. April 2007 wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter auf der Theresienwiese in Heilbronn mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Ihr Kollege Martin A. wurde ebenfalls durch einen gezielten Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Beide Taten wurden der rechtsterroristischen Untergrundgruppe NSU zugeordnet. Doch immer wieder wurden Stimmen laut, die kritisierten, dass wesentliche Ermittlungsergebnisse bei der offiziellen Version dieses Verbrechens unberücksichtigt blieben.

Bei einer Diskussionsveranstaltung am 17. Juni 2026, 19 Uhr, im Stuttgarter Hospitalhof gehen Fachleute den Widersprüchen in den Ermittlungen nach. Es diskutieren Clemens Binninger, ehemaliger Polizist und Vorsitzender des 2. NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages, Petra Häffner, ehemalige Landtagsabgeordnete und Mitglied der zwei NSU-Untersuchungsausschüsse im Landtag (Bündnis 90/Die Grünen), Walter Martinek, Rechtsanwalt, und Gabriela Sperl, Film- und Fernsehproduzentin. Die Veranstaltung moderiert Wolfgang Schorlau.


Fachtag StopHate – Gemeinsam gegen Desinformation

Am 18. Juni, dem Internationalen Tag für die Bekämpfung von Hetze, beschäftigt sich der Fachtag #StopHate – Gemeinsam gegen Desinformation von „REspect! im Netz“ mit aktuellen Mechanismen und Trends digitaler Desinformation. Die Veranstaltung findet in Mannheim statt, die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen finden Sie hier.


DOKVILLE 2026: Ist unsere Zivilgesellschaft am Ende?

Demokratische Gesellschaften geraten weltweit unter Druck. Multilaterale Prinzipien verlieren an Bedeutung, während populistische Akteure an Einfluss gewinnen. Desinformation, Diffamierung und algorithmisch verstärkte Polarisierung untergraben die Glaubwürdigkeit journalistischer Medien und vergiften den öffentlichen Diskurs. Der Branchentreff DOKVILLE 2026, organisiert vom Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart, widmet sich am 18. und 19. Juni im Hospitalhof Stuttgart der Verantwortung und den Perspektiven für unabhängigen, aufgeklärten Journalismus und die Dokumentarfilmbranche. Die Veranstaltung wird auch im Livestream übertragen. Aktuelle Informationen zu Programm und Gästen finden Sie hier.


Fachmesse „Demokratiewerkstatt“ 

Die Fachmesse „Demokratiewerkstatt“ im Rahmen des Programms „Wir sind dabei! – Werkstätten der Demokratie“ der Baden-Württemberg Stiftung bietet praxisnahe Impulse, neue Methoden und Anregungen zur Demokratiebildung. Geförderte Projekte stellen am 21. Juli von 12.00 bis 17.30 Uhr im Impact Hub in Stuttgart ihre Ergebnisse vor. Das Spektrum reicht von Methodensammlungen über Spiele bis zu Medienprodukten, die Demokratie greifbar und gestaltbar machen. Die Teilnahme ist kostenfrei, das Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.


Stiftung Forum Recht

Unter dem Motto „Perspektiven verbinden. Wissen teilen.“ lädt die Stiftung Forum Recht am Freitag, 27., und Samstag, 28. November 2026, zum ersten Bundesforum Rechts- und Rechtsstaatsvermittlung nach Leipzig ein. Ab Montag, 1. Juni 2026, können sich Interessierte aus Justiz, Bildung, Vermittlung, Forschung und Medien anmelden. Bis Sonntag, 28. Juni, ist es möglich, einen Beitrag zum Bundesforum einzureichen.

Recht und Rechtsstaat bilden das Rückgrat unserer Demokratie – doch wie können sie vermittelt werden, dass sie versteht? Wie können Menschen erreicht werden, die dem Rechtsstaat skeptisch gegenüberstehen? Die Tagung bringt Fachleute aus Rechtspflege, Bildung, Sozialarbeit, Wissenschaft, Journalismus und Politik zusammen, um diese Fragen zu erörtern. Im Fokus stehen Austausch und Vernetzung.

Weitere Informationen finden Sie hier.

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“

Der Ausnahmefußballer Mesut Özil galt lange als Vorbild gelungener Integration. 2018 änderte sich alles: Gemeinsam mit İlkay Gündoğan ließ er sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdoğan fotografieren. Die Stimmung in Deutschland kippte. Fans pfiffen ihn aus, Medien und der DFB setzten ihn unter Druck – Özil wandte sich endgültig von Deutschland ab.

Die dreiteilige ZDF-Dokuserie „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“, abrufbar in der ZDF-Mediathek, zeichnet seinen rasanten Aufstieg und den tiefen Fall in der Gunst des Publikums nach. Özil lebt inzwischen in der Türkei und hat mit Deutschland gebrochen. Ein Tattoo mit dem Symbol der faschistischen Grauen Wölfe zeugt von seiner politischen Radikalisierung.


Zum Lesen: Das können wir uns nicht leisten  

Miriam Davoudvandi kennt das Leben in Armut. Geboren wurde sie in Bukarest, aufgewachsen ist sie im badischen Bad Säckingen als Tochter einer rumänischen Putzfrau und eines iranischen Malers und Anstreichers – „sehr weit weg von einer Bürgerlichkeit“. In der Grundschule war sie die Klassenbeste, doch die Lehrerin empfahl sie trotzdem für die Hauptschule, damit sie „unter Gleichgesinnten“ bleibe. In ihrer Familie drehte sich alles ums Geld – Geld, das fehlte. Heute ist Davoudvandi eine erfolgreiche Podcasterin und Autorin. Sie verdient mehr, als ihre Eltern je hatten. Trotzdem, schreibt sie in ihrem autobiografischen Buch „Das können wir uns nicht leisten“, prägen sie die Armut und die Scham, die sie damit verbindet, bis heute.

Miriam Davoudvandi: Das können wir uns nicht leisten – Was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein. München 2026, 256 Seiten, 18 Euro.


Zum Hören: Die Peter Thiel Story

„Die Peter Thiel Story“ beleuchtet Aufstieg, Einfluss und Kontroversen rund um den Tech-Investor Peter Thiel. Die Autoren zeichnen nach, wie wirtschaftliche Macht, politische Netzwerke und libertäres Denken in den USA zusammenwirken. Die sechs Podcast-Episoden des Deutschlandfunks wurden soeben beim ersten Deutschen Podcast Award als Podcast of the Year ausgezeichnet. Außerdem gewann der Mehrteiler in der Kategorie „Doku“.