… die Beratungsstelle LEUCHTLINIE
In unserer Rubrik „Vier Fragen an …“ stellen Träger und Partner des Demokratiezentrums Baden-Württemberg ihre Arbeit vor. In dieser Ausgabe: LEUCHTLINIE, die Fach- und Beratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Baden-Württemberg.
DZBW: Wie können sich Menschen, die Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt geworden sind, an LEUCHTLINIE wenden? Und welche Schritte folgen dann?
LEUCHTLINIE: Menschen, die selbst von rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt betroffen sind, Angehörige von Betroffenen, Zeugen und Zeuginnen von solchen Taten können uns über verschiedene Wege erreichen: telefonisch, per Mail oder über unsere Website.
Wir melden uns zeitnah zurück und klären in einem ersten Gespräch, was die Menschen, die sich an uns gewendet haben, benötigen. Bei Unterstützungsbedarf vereinbaren wir zeitnah einen Termin für ein Erstgespräch, bei dem wir dann mit den Ratsuchenden gemeinsam schauen, was sie brauchen und sich wünschen und vereinbaren, wie wir sie dabei unterstützen können. Da die Bedarfe in der Folge solcher Taten sehr unterschiedlich sind, ist es wichtig, schon einmal im Erstgespräch zu schauen, was die Themen sind, die gerade für die Ratsuchenden wichtig sind.
DZBW: Welche Arten von Unterstützung und Beratung bietet LEUCHTLINIE Betroffenen?
LEUCHTLINIE: Die Unterstützung richtet sich immer nach den Bedarfen der Betroffenen. Wir bieten psychosoziale Beratung an, unterstützen und begleiten Betroffene aber zum Beispiel auch bei der Suche nach psychologischer Unterstützung, geeigneten Anwältinnen und Anwälten, bei der Erstattung einer Anzeige bei der Polizei, begleiten auch zu Gerichtsterminen, fördern weitere Unterstützungs- und Solidaritätsstrukturen und helfen Betroffenen auch beim Umgang mit den finanziellen Folgen eines Angriffs, zum Beispiel durch das Stellen von Anträgen.
DZBW: Wer sucht bei LEUCHTLINIE Hilfe?
LEUCHTLINIE: Die allermeisten Menschen, die sich an uns wenden, sind selbst von rechter Gewalt betroffen, aber auch Angehörige von Betroffenen wenden sich an uns. Die Mehrheit der Fälle, die uns in der Beratung erreichen, betreffen rassistisch motivierte Gewalt. In den letzten Jahren haben sich aber auch vermehrt Menschen an uns gewendet, die von queerfeindlicher Gewalt betroffen sind. Wir sind aber auch für alle Betroffenen anderer Formen rechter Gewalt ansprechbar: Antisemitismus, Antiziganismus, verschiedene Formen von Sozialdarwinismus (z.B. gegen obdachlose Menschen oder Menschen mit Behinderung), Menschen, die aufgrund ihres Engagements oder ihrer Arbeit angefeindet werden (z.B. Ehrenamtliche, die sich für geflüchtete Menschen engagieren, Politikerinnen und Politiker, Journalistinnen und Journalisten…).
DZBW: Wie beschreiben Sie die aktuelle Situation hinsichtlich rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in unserem Land? Gibt es bestimmte Trends oder Entwicklungen, die Sie besonders besorgniserregend finden?
LEUCHTLINIE: Wir registrieren in den vergangenen Jahren eine steigende Anzahl rechter Vorfälle, wobei auch weiterhin von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Besonders aufgefallen ist uns, dass das Thema Rechte Gewalt auch an Schulen angekommen ist, dass Betroffene in ihrem Bildungsumfeld damit konfrontiert werden, häufig von gleichaltrigen Täterinnen und Tätern. Dies ist auch mit Blick darauf besorgniserregend, dass junge Menschen auch in Bildungsinstitutionen nicht davor geschützt sind, was sich neben den sowieso schon schweren Folgen einer solchen Gewalttat auch noch zusätzlich negativ auf den Bildungserfolg von Betroffenen und damit auf den weiteren Lebensweg von Betroffenen auswirken kann. Auch erleben wir auf unterschiedlichen Ebenen der Gesellschaft immer wieder eine Relativierung rechter Gewalt bzw. den Unwillen, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Für Betroffene ist dies besonders schwierig, hier findet unter Umständen eine sekundäre Traumatisierung statt. Wir sind als Gesellschaft in der Verantwortung, die Betroffenen mit dieser schwerwiegenden Erfahrung nicht alleine zu lassen, sondern Verantwortung zu übernehmen.
Kontakt:
Fach- und Beratungsstelle LEUCHTLINIE
Beratungshotline: 0711 888 999 33
E-Mail: kontakt@leuchtlinie.de
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