An kaum einem anderen Ort verbringen Menschen so viel Zeit wie am Arbeitsplatz. Nirgends treffen sie auf so viele unterschiedliche Meinungen, Weltanschauungen und Einstellungen. Wer die Demokratie stärken will, muss deshalb auch in die Werkhallen, Baustellen, Büros oder Pflegeheime gehen. Dort wächst das Vertrauen in die Demokratie – oder sie zerbricht. Dort erfahren Menschen Teilhabe oder Ausschluss. Dennoch bleibt die Arbeitswelt in der Demokratieförderung oft ein blinder Fleck. Das wollen wir ändern. Deshalb widmet sich die Landesdemokratiekonferenz am 28. September in Stuttgart von 10 bis 16 Uhr diesem Thema. Die Veranstaltung findet in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Region Freiburg statt.
Unsere Gäste:
Dr. Rolf Frankenberger ist Geschäftsführer Forschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen. In seinem Vortrag „Krise der Arbeit, Krise der Demokratie? Wie Rechtsextremismus, Demokratie und Arbeit zusammenhängen“ beleuchtet er ausgehend von demokratietheoretischen Überlegungen den Zusammenhang von Demokratie und Arbeitswelt. Im Fokus steht die Frage, wie in der offenen Gesellschaft Unternehmen und gesellschaftliche Akteure gemeinsam zur Stärkung demokratischer Strukturen beitragen können, insbesondere unter Bedingungen wirtschaftlicher Krisen.
Marco Varnas aus dem Projektteam UNITED – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus spricht über „Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – Verbreitung und Handlungsoptionen“. Rechtsextreme und demokratiefeindliche Ansichten dringen auch in Betriebe ein. Die aktuelle Studie „Unternehmen in Verantwortung! “ zeigt: Jeder dritte Beschäftigte in Deutschland hat bereits rechtsextreme Aussagen am Arbeitsplatz wahrgenommen. Arbeitsstätten sind damit zu Schauplätzen gesellschaftlicher Konflikte geworden. Marco Varnas fragt: Was können wir konkret tun – als Einzelne, im Team und auf struktureller Ebene?
Am Nachmittag leitet Marco Varnas gemeinsam mit Marisa Hartmann den Workshop „Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – erkennen, einordnen & handeln“. Der Workshop richtet sich an alle Akteure, die demokratische Werte im Arbeitsumfeld aktiv stärken möchten. Er bietet Raum für Diskussion, Vernetzung und praxisnahe Lösungsansätze.
Dennis Hoenig-Ohnsorg, Gründer der Changemaker Academy, geht der Frage nach, welche Rolle Unternehmen, wirtschaftsnahe Akteure und Arbeitgebende für eine lebendige Demokratie spielen. Er zeigt, wie sich demokratische Kultur fördern, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft stärken lässt.
Moritz Wöhlbier von der Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung (minor Projektkontor für Bildung und Forschung) spricht in seinem Impuls zum Thema „Über das Schärfen von Rollen- und Aufgabenverständnissen – Demokratie und Gesellschaft am Arbeitsplatz“. Die Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung bündelt verschiedene Unterstützungsangebote, um das demokratische Zusammenleben an den unterschiedlichen Lern- und Arbeitsorten der beruflichen Bildung zu stärken. Sie knüpft dabei an Erfahrungen aus verschiedenen Vernetzungsformaten, eigenen Bildungsangeboten, Prozessbegleitungen und Publikationsprojekten an.
Am Nachmittag stellen Anna Lorenz und Moritz Wöhler in einem Workshop eine Tool-Box mit KI-gestützter Beratung zur Demokratiebildung in der Arbeitswelt vor. Kern des Projekts ist eine Plattform, die Interessierten Wissen, Materialien und Beratung zum Thema Demokratie in der Arbeits- und Unternehmenswelt bereitstellt. Der Workshop führt in die Plattform und die dazugehörigen Themen ein. Er ermöglicht eine Erprobung für den eigenen Arbeitskontext und bietet Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung der Plattform.
Selbstverständlich haben wir für das Kennenlernen und den Austausch auch in diesem Jahr ausreichend Zeit eingeplant.
Nutzen Sie die Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Die offizielle Einladung zur Landesdemokratiekonferenz folgt in den nächsten Tagen.