Newsletter 07I2026
Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zu unserem aktuellen Newsletter. Schön, dass Sie dabei sind!

Was Sie in diesem Monat erwartet:

  • Gefährdete Demokratie – Was Beschäftigte sich von ihren Unternehmensführungen wünschen
  • Neues zum Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
  • Junge Rechtsextremisten haben Zulauf im Land
  • Diskriminierung: Zahl der Anfragen auf Rekordhöhe

Auch in diesem Newsletter gibt es zahlreiche Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen, interessante Publikationen und Tipps zum Sehen, Lesen und Hören rund um die Themen Demokratieförderung und Extremismusprävention.

Wir hoffen, dass unsere Informationen und Veranstaltungen Sie in Ihrer Arbeit unterstützen.

Falls Sie neu dabei sind: Mehr über unsere Arbeit finden Sie auf unserer Website www.demokratiezentrum-bw.de. Die erschienenen Newsletter stehen dort im Archiv. Aktuelle Informationen erhalten Sie auch über unsere Social-Media-Accounts.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

PS: Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie an info@demokratiezentrum-bw.de.

 

GEFÄHRDETE DEMOKRATIE - WAS BESCHÄFTIGTE SICH VON IHREN UNTERNEHMENSFÜHRUNGEN WÜNSCHEN

Die politische Lage spiegelt sich in der Stimmung in Deutschlands Betrieben wider. Laut der Studie „Demokratie unter Druck – Wirtschaft in der Verantwortung?“ des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik sehen fast alle Beschäftigten die freiheitliche Demokratie in Gefahr. In einer Umfrage unter mehr als 2.000 repräsentativ ausgewählten Arbeitnehmern stimmten 98 Prozent dieser Einschätzung zu. Als Hauptgründe nannten 55 Prozent politischen Extremismus, 40 Prozent wirtschaftliche Ungleichheit und soziale Spaltung, 39 Prozent autoritäre und populistische Bewegungen.

Die Mehrheit der Befragten fordert ein klares Bekenntnis zu demokratischen Werten, jedoch ohne Parteinahme. Mehr als 60 Prozent lehnen Wahlempfehlungen ab, 54 Prozent sprechen sich gegen Parteispenden aus. Gleichzeitig befürworten knapp 60 Prozent, Parteien öffentlich zu widersprechen, wenn diese extremistische Positionen vertreten oder vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Beim Thema gesellschaftspolitisches Engagement zeigt sich ein differenziertes Bild. Führungskräfte stehen dem Engagement aufgeschlossen gegenüber: 49 Prozent befürworten es, 28 Prozent sind dagegen. 39 Prozent der Beschäftigten unterstützen es, 30 Prozent sind unentschlossen. 30 Prozent der Befragten lehnt gesellschaftspolitisches Engagement durch Unternehmen ab. Diese Gruppe zweifelt häufiger an der Demokratie und ihrer Problemlösungsfähigkeit.

Unternehmen sollten versuchen, auch diese Menschen zu erreichen, heißt es in der Studie. Vorrangig sollten sie jedoch die Mehrheit ansprechen, die ein klares Eintreten für Demokratie fordert oder Engagement zumindest nicht ablehnt. „Die Zukunft unserer freiheitlichen Ordnung hängt nicht von den derzeit überzeugten Befürwortern oder Gegnern ab, sondern davon, wer die Unentschlossenen für oder gegen die Demokratie gewinnt.“

Die Wissenschaftler fanden keine relevanten Unterschiede zwischen Ost und West, sozialen Milieus, Altersgruppen oder der Eigentümerstruktur der Arbeitgeber.

 

"DEMOKRATIE LEBEN!" - NEUAUSRICHTUNG WIRD DEUTLICHER

Das Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend richtet das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ neu aus. Ab 2027 werden Projekte auf vier Ebenen gefördert: in Kommunen, Ländern, auf Bundesebene und im digitalen Raum. Das geht aus der Antwort  auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ hervor (Drucksache 21/5989 21). Die Schwerpunkte bleiben Demokratiebildung und Extremismusprävention, mit besonderem Fokus auf den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Ein Ziel der neuen Förderrichtlinie sei es, verstärkt Projekte in Zusammenarbeit mit bestehenden Strukturen wie Berufsschulen oder Sportverbänden zu unterstützen, um eine größere Reichweite zu erzielen.

Auf kommunaler Ebene bleiben die Partnerschaften für Demokratie bestehen. Auf Länderebene werden die Landes-Demokratiezentren und die Extremismusprävention im Strafvollzug und in der Bewährungshilfe unter der neuen Programmebene Land gebündelt.

Auf Bundesebene startet eine Bundesoffensive Demokratiebildung und Extremismusprävention mit pluralistischem Ansatz. Die Zusammenarbeit mit Schulen, Berufsschulen, Jugendarbeit und Sportvereinen soll im Bereich Demokratiebildung intensiviert werden. In der Extremismusprävention fördert das Programm Projekte zu Rechtsextremismus, Linksextremismus, islamistischem Extremismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Integration und Teilhabe.

Der digitale Raum wird als feste Programmsäule integriert. Ziel ist es, Menschen in digitalen Kommunikations- und Informationsräumen zu erreichen, wo Meinungsbildung, Interaktion aber auch Radikalisierung stattfinden.

Die Programmbereiche „Entwicklung einer bundeszentralen Infrastruktur“ und „Innovationsprojekte“ werden, wie mehrfach berichtet, nicht fortgeführt. Die Förderung endet am 31. Dezember 2026.

Das Bundesministerium arbeitet an einer neuen Förderrichtlinie, heißt es in der Antwort. Deren Veröffentlichung sowie die der Förderaufrufe und Zeitpläne sei für Sommer 2026 geplant. Die Förderrichtlinie soll dafür sorgen, dass die Projekte effizienter werden und Mehrwert entfalten, sagte Ministerin Prien bei Phoenix. Träger, deren Projekte den neuen Themenschwerpunkten und Kriterien entsprechen, könnten sich im Rahmen von Interessenbekundungsverfahren bewerben.

 

JUNGE RECHTSEXTREMISTEN HABEN ZULAUF IM LAND

Immer mehr junge Menschen in Baden-Württemberg geraten in die rechtsextreme Szene. Der Anteil der unter 30-jährigen Rechtsextremisten im Land stieg von 2023 auf 2025 um fünf Prozentpunkte, berichtet das Landesamt für Verfassungsschutz in Stuttgart. Die Behörde schätzt, dass etwa 400 Personen in der Szene zwischen 14 und 24 Jahren alt sind. Insgesamt zählt die rechtsextreme Szene rund 3.140 Personen.

Das Landesamt veröffentlichte die Studie #AllesfürsVaterland zu diesem Phänomen. In letzter Zeit entstanden demnach immer mehr rechtsextreme Gruppen, die gezielt junge Anhänger ansprechen. Die Studie beschreibt eine stark vernetzte, dynamische Szene mit parteigebundenen und losen Gruppen. Besonders wirksam sind laut Verfassungsschutz Online-Propaganda, Demonstrationen, Kampfsporttrainings und Aktionen gegen queere Menschen, Migranten und politische Gegner.

Der Verfassungsschutz sieht Hinweise, dass junge Menschen in der Szene „ein Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit, Repräsentation und Optimismus“ befriedigt sehen. Diese Anliegen müsse man in geeigneten Handlungsräumen ohne extremistische Färbung adressieren. Politik und Behörden müssten an ihrer Krisenkommunikation arbeiten und Sorgen der jungen Menschen abfedern.

 

 

DISKRIMINIERUNG: ZAHL DER ANFRAGEN AUF REKORDHÖHE

Immer mehr Menschen suchen Rat bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Mit rund 13.000 Anfragen lag die Zahl der Fälle, die bei der Stelle 2025 eingingen, knapp 15 Prozent höher als im Vorjahr. 4.571 Anfragen betrafen rassistische Diskriminierung. 27 Prozent der Anfragen bezogen sich auf Benachteiligungen wegen einer Behinderung oder chronischen Krankheit. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts machten 22 Prozent der Anfragen aus. Das geht aus dem Jahresbericht 2025 hervor, den die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, vorstellte.

Am häufigsten erlebten die Betroffenen Diskriminierung im Arbeitsumfeld, mit 3.600 Anfragen, etwa wegen diskriminierender Stellenausschreibungen oder Absagen. Die zweitgrößte Fallgruppe betraf Benachteiligungen beim „Zugang zu Gütern und Dienstleistungen“, etwa beim Einkaufen oder der Wohnungssuche.

Die übrigen Diskriminierungsmerkmale verteilten sich wie folgt: Altersdiskriminierung zwölf Prozent, Religion und Weltanschauung sieben Prozent, sexuelle Identität vier Prozent.

 

BITTE VORMERKEN: LANDESDEMOKRATIEKONFERENZ 2026

An kaum einem anderen Ort verbringen Menschen so viel Zeit wie am Arbeitsplatz. Nirgends treffen sie auf so viele unterschiedliche Meinungen, Weltanschauungen und Einstellungen. Wer die Demokratie stärken will, muss deshalb auch in die Werkhallen, Baustellen, Büros oder Pflegeheime gehen. Dort wächst das Vertrauen in die Demokratie – oder sie zerbricht. Dort erfahren Menschen Teilhabe oder Ausschluss. Dennoch bleibt die Arbeitswelt in der Demokratieförderung oft ein blinder Fleck. Das wollen wir ändern. Deshalb widmet sich die Landesdemokratiekonferenz am 28. September in Stuttgart von 10 bis 16 Uhr diesem Thema. Die Veranstaltung findet in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Region Freiburg statt.

Unsere Gäste: 

Dr. Rolf Frankenberger ist Geschäftsführer Forschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen. In seinem Vortrag „Krise der Arbeit, Krise der Demokratie? Wie Rechtsextremismus, Demokratie und Arbeit zusammenhängen“ beleuchtet er ausgehend von demokratietheoretischen Überlegungen den Zusammenhang von Demokratie und Arbeitswelt. Im Fokus steht die Frage, wie in der offenen Gesellschaft Unternehmen und gesellschaftliche Akteure gemeinsam zur Stärkung demokratischer Strukturen beitragen können, insbesondere unter Bedingungen wirtschaftlicher Krisen.

Marco Varnas aus dem Projektteam UNITED – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus spricht über „Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – Verbreitung und Handlungsoptionen“. Rechtsextreme und demokratiefeindliche Ansichten dringen auch in Betriebe ein. Die aktuelle Studie „Unternehmen in Verantwortung! “ zeigt: Jeder dritte Beschäftigte in Deutschland hat bereits rechtsextreme Aussagen am Arbeitsplatz wahrgenommen. Arbeitsstätten sind damit zu Schauplätzen gesellschaftlicher Konflikte geworden. Marco Varnas fragt: Was können wir konkret tun – als Einzelne, im Team und auf struktureller Ebene?

Am Nachmittag leitet Marco Varnas gemeinsam mit Marisa Hartmann den Workshop „Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – erkennen, einordnen & handeln“. Der Workshop richtet sich an alle Akteure, die demokratische Werte im Arbeitsumfeld aktiv stärken möchten. Er bietet Raum für Diskussion, Vernetzung und praxisnahe Lösungsansätze.

Dennis Hoenig-Ohnsorg, Gründer der Changemaker Academy, geht der Frage nach, welche Rolle Unternehmen, wirtschaftsnahe Akteure und Arbeitgebende für eine lebendige Demokratie spielen. Er zeigt, wie sich demokratische Kultur fördern, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft stärken lässt.

Moritz Wöhlbier von der Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung (minor Projektkontor für Bildung und Forschung) spricht in seinem Impuls zum Thema „Über das Schärfen von Rollen- und Aufgabenverständnissen – Demokratie und Gesellschaft am Arbeitsplatz“.  Die Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung bündelt verschiedene Unterstützungsangebote, um das demokratische Zusammenleben an den unterschiedlichen Lern- und Arbeitsorten der beruflichen Bildung zu stärken. Sie knüpft dabei an Erfahrungen aus verschiedenen Vernetzungsformaten, eigenen Bildungsangeboten, Prozessbegleitungen und Publikationsprojekten an.

Am Nachmittag stellen Anna Lorenz und Moritz Wöhler in einem Workshop eine Tool-Box mit KI-gestützter Beratung zur Demokratiebildung in der Arbeitswelt vor. Kern des Projekts ist eine Plattform, die Interessierten Wissen, Materialien und Beratung zum Thema Demokratie in der Arbeits- und Unternehmenswelt bereitstellt. Der Workshop führt in die Plattform und die dazugehörigen Themen ein. Er ermöglicht eine Erprobung für den eigenen Arbeitskontext und bietet Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung der Plattform.

Selbstverständlich haben wir für das Kennenlernen und den Austausch auch in diesem Jahr ausreichend Zeit eingeplant.

Nutzen Sie die Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis.

Die offizielle Einladung zur Landesdemokratiekonferenz folgt in den nächsten Tagen.

 

DEMOKRATIEZENTRUM VOR ORT

Am 1. Juli spricht Jessica Alessandra Wagner unter dem Titel „Lifecoaches, Gymbros & Gottes Nahrung“ über die (re)traditionisierten Männlichkeitsbilder in den sozialen Medien. Die Veranstaltung findet von 12.30 bis 14.00 Uhr statt.


Der FEX-Online-Lunch am 9. Juli von 12.00 bis 14.00 Uhr widmet sich der Frage: „Warum lässt sich systemrelevantes Engagement nicht einfach kopieren – und welche Rolle spielen kulturelle Codes?“ Engin Karahan untersucht, warum Menschen mit Einwanderungsgeschichte im Gesundheitswesen längst unverzichtbar sind, in der klassischen Gefahrenabwehr oder im kommunalen Ehrenamt jedoch deutlich seltener vertreten.


Unter dem Titel „Zwischen Erlebniswelt und Demokratiegefahr“ zeigt Lars Wiegold am 16. Juli von 10.30 bis 12.00 Uhr, wie digitale Räume in Gaming-Communities funktionieren. Er beleuchtet, wie radikalisierte Akteure gamingnahe Plattformen für ihre Zwecke nutzen, und stellt aktuelle Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt RadiGaMe vor, das Radikalisierung auf Gaming-Plattformen und Messenger-Diensten untersucht.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg und zur Anmeldung finden Sie hier.


Wie können Engagierte vor Ort demokratische Werte sichtbar machen und der extremen Rechten entgegentreten jenseits klassischer Kundgebungen? Unter dem Titel Dem Rechtsruck begegnen: Mutig, kreativ, vernetzt lädt eine digitale Veranstaltung am 16. Juli von 18.00 bis 20.00 Uhr dazu ein, über kreative Ansätze für lokales Engagement zu diskutieren. Sie markiert den Auftakt eines Projekts, das die Vernetzungsstelle Starke Demokratie“ ins Leben gerufen hat, um lokale Bündnisse gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu stärken.
Bei der Veranstaltung präsentieren die Vernetzungsstelle, die Mobile Beratung sowie die Monitoring und Informationsstelle der Fach und Beratungsstelle mobirex im Demokratiezentrum BadenWürttemberg ihre Arbeit.
Anmeldungen bitte per E-Mail an anmeldung@lago-bw.de mit Angabe von Name und Bündnis/Initiative.

 

ÜBER DEN TELLERRAND

Yad Vashem baut Bildungszentren in München und Leipzig 

Die weltweit größte Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem baut erstmals ein Bildungszentrum außerhalb Israels – und Deutschland hat den Zuschlag erhalten. Das Zentrum entsteht in München, im Gebäude eines ehemaligen Parteigerichts der NSDAP am Karolinenplatz. Eine kleinere Außenstelle ist in Leipzig geplant. Yad Vashem erinnert an die sechs Millionen jüdischen Opfer des NS-Regimes. In drei Jahren soll das Zentrum eröffnen.

Die Idee geht auf eine Initiative des früheren Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) und des Yad-Vashem-Vorsitzenden Dani Dayan zurück. Während Dayans Deutschlandbesuch 2023 entstand der Plan, Yad Vashems Expertise in der Holocaust-Bildung auch in Deutschland zu nutzen. Seitdem laufen Gespräche und Vorbereitungen. Im September 2025 hatten der Leiter der Gedenkstätte und Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) angekündigt, eine Außenstelle in Deutschland einzurichten. Als mögliche Standorte galten Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen.

Charlotte Knobloch, Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, nannte das Vorhaben ein „nötiges Gegengewicht“ zum politischen Extremismus. Die Zahl der Holocaust-Zeitzeugen nehme stetig ab, während der Extremismus, vor allem von rechts, zunehme.


Zwei Häuser für die Demokratie

Die Bundesregierung plant Neubauten in Karlsruhe und Leipzig, um die Bürger für den Rechtsstaat zu begeistern. Mit den Standorten der Stiftung Forum Recht will der Bund das Verständnis für Recht und Rechtsstaat fördern und ihre Bedeutung für die Demokratie möglichst vielen Menschen nahebringen. In Karlsruhe soll das Gebäude direkt neben dem Bundesgerichtshof entstehen. Die Baukosten werden auf jeweils bis zu 70 Millionen Euro geschätzt.


Drei neue Uni-Projekte für die Demokratiebildung 

Bei der Ausschreibung „Die Welt ist mein Campus“ der Stiftung Innovation in der Hochschullehre haben sich aus Baden-Württemberg drei Projekte zum Thema Demokratiebildung durchgesetzt. Insgesamt fließen 15,2 Mio. Euro Fördermittel ins Land. Die Pädagogische Hochschule Freiburg entwickelt mit „Campus im Dialog“ neue Lehr-Lern-Formate, Reallabore und Beteiligungsmöglichkeiten rund um Demokratie und Nachhaltigkeit. Die Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz verbindet im Vorhaben „WIRKsam Studieren“ Demokratie- und Nachhaltigkeitskompetenz mit transdisziplinären Projekten. Die Universität Konstanz stärkt mit dem „Village Lab“ Demokratiebildung in ländlichen Räumen. Studierende arbeiten gemeinsam mit Kommunen an gesellschaftlichen Herausforderungen und lernen, demokratische Prozesse verantwortungsvoll mitzugestalten.

GUT ZU WISSEN

Bewerbung für Engagement-Preis Baden-Württemberg

Das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit schreibt den Engagement-Preis Baden-Württemberg neu aus. Mit dem Wettbewerb unterstützt das Land ehrenamtliche Projekte und kreative Ideen mit insgesamt 210.000 Euro. Gesucht werden Initiativen, die freiwilliges Engagement ermöglichen, stärken und weiterentwickeln.

Der Preis ist mit 210.000 Euro dotiert und umfasst 18 Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien. Der Ehrenpreis würdigt erfolgreiche Projekte und Aktionen der vergangenen fünf Jahre. Der Zukunftspreis stellt neue, innovative Konzepte für die kommenden Jahre in den Fokus. Teilnahmeberechtigt sind Organisationen und Institutionen, die in Baden-Württemberg tätig sind – darunter Städte, Gemeinden, Landkreise, Vereine, Verbände, Initiativen und Träger der Jugendarbeit.

Interessierte Organisationen können sich bis zum 31. August bewerben. Die Preisverleihung ist für den Internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember 2026 geplant.

Ausführliche Informationen zum Wettbewerb, ein FAQ sowie das Bewerbungsformular finden sich auf der Website des Sozialministeriums: Engagement-Preis Baden-Württemberg 2026


Förderprogramm Inklusionstaler – Jetzt bewerben!  

Das niederschwellige Förderprogramm „Inklusionstaler“ will landesweit die Teilhabe und das Empowerment von Menschen mit Behinderungen auf lokaler Ebene stärken. Dafür stehen 160.000 Euro bereit.

Das Programm ist Teil des Landesaktionsplans 2.0 zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Förderung soll das Engagement zivilgesellschaftlicher Gruppen vor Ort stärken. Antragsberechtigt sind zum Beispiel Bürgergruppen und -initiativen, Arbeitskreise, Verbände und Vereine.

Das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit unterstützt entsprechende Maßnahmen und Projekte mit Zuschüssen zu Sach- und Honorarkosten von jeweils bis zu 2.000 Euro.

Anträge können bei der Allianz für Beteiligung e.V. gestellt werden. Sie setzt das Programm „Inklusionstaler“ im Auftrag des Sozialministeriums um. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Allianz für Beteiligung, etwa zum konkreten Beginn des Förderprogramms, zu den Förderbedingungen und zum Bewerbungsablauf.


Fachmesse „Demokratiewerkstatt“ 

Die Fachmesse „Demokratiewerkstatt“ im Rahmen des Programms „Wir sind dabei! – Werkstätten der Demokratie“ der Baden-Württemberg Stiftung bietet praxisnahe Impulse, neue Methoden und Anregungen zur Demokratiebildung. Geförderte Projekte stellen am 21. Juli von 12.00 bis 17.30 Uhr im Impact Hub in Stuttgart ihre Ergebnisse vor. Das Spektrum reicht von Methodensammlungen über Spiele bis zu Medienprodukten, die Demokratie greifbar und gestaltbar machen. Die Teilnahme ist kostenfrei, das Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.

 

 

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: „Was Deutschland verbindet“  

Was geschieht, wenn völlig Fremde ihre Handys abgeben und zwei Tage lang miteinander sprechen – über Gleichberechtigung, Migration und Demokratie? Der Film „Was Deutschland verbindet“ zeigt, wie unterschiedliche Lebenswelten aufeinandertreffen und echte Gespräche entstehen. Das ARD-Dialogprojekt wird vom Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) wissenschaftlich begleitet. Nach Ansicht von Medienforscher und Soziologe Jan-Hinrik Schmidt fehlen vielerorts Gelegenheiten, „einfach zufällig Leute zu treffen im öffentlichen Raum“, sich auszutauschen und zu verständigen.

In der ARD-Mediathek


Zum Lesen: Matthias Brandt: Nein sagen.

Angesichts der neuen Bedrohung der Demokratie durch Rechtsextremismus und Rassismus erinnert der Schauspieler und Kanzler-Sohn Matthias Brandt an den Mut der Widerstandskämpfer und -kämpferinnen gegen das NS-Regime, zu denen auch seine Eltern gehörten. Das Buch beruht auf der Rede, die Matthias Brandt 2025 zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 in der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee hielt – dem Ort, an dem viele der Beteiligten an dem Attentat gegen Adolf Hitler hingerichtet wurden.

Matthias Brandt: Nein sagen. Über den 20. Juli 1944, meine Eltern und persönliche Verantwortung heute. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026, 128 Seiten, 16,00 EUR


Zum Hören: Rechte Intellektuelle der Bundesrepublik

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sich rechte Intellektuelle und Netzwerke neu organisieren. Sie konnten sich nicht mehr offen auf den besiegten Nationalsozialismus berufen, suchten aber Wege, ihre Ideologie in die junge Bundesrepublik zu retten. Eine vierteilige Serie des Deutschlandfunks Kultur beschäftigt sich mit den rechten Intellektuellen der Bundesrepublik.