Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum Newsletter des Demokratiezentrums Baden-Württemberg. Rechtzeitig vor den Sommerferien versorgen wir Sie mit Wissenswertem zu den Themen Demokratieförderung und Extremismusprävention, Hinweisen auf interessante Publikationen, spannende Veranstaltungen und Ausschreibungen sowie Sehens-, Lesens- und Hörenswertes aus unseren Themenbereichen. Wir hoffen, dass unsere Informationen und Veranstaltungen Sie bei Ihrer Arbeit unterstützen.

Was Sie in dieser Ausgabe unter anderem erwartet:

  • Unser Tätigkeitsbericht 2025 ist online
  • Meldestelle RIAS BW stellt ersten Antisemitismus-Bericht vor
  • Verfassungsschutzbericht: Die extremistischen Akteure werden immer jünger
  • Lange Nacht der Demokratie: Mehr als 50 Standorte laden ein

Falls Sie neu dabei sind: Mehr über unsere Arbeit finden Sie auf unserer Website www. demokratiezentrum-bw.de. Die erschienenen Newsletter stehen dort im Archiv. Aktuelle Informationen erhalten Sie auch über unsere Social-Media-Accounts.

Eine anregende Lektüre und schöne Sommertage wünscht Ihnen

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

PS: Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie an info@demokratiezentrum-bw.de.

TÄTIGKEITSBERICHT 2025 JETZT ONLINE

Vor welchen Herausforderungen standen das Demokratiezentrum und seine Fach- und Beratungsstellen im vergangenen Jahr? Welche Erfolge haben wir gemeinsam erzielt? Antworten liefert unser soeben veröffentlichter Tätigkeitsbericht 2025.

Wir blicken darin zurück auf ein ereignisreiches Jahr voller Herausforderungen und Engagement und lassen Akteurinnen und Akteure aus der Praxis zu Wort kommen. Werkstattberichte verdeutlichen, wie Demokratiebildung, Betroffenenberatung und Extremismusprävention in der Praxis gelingen. Gemeinsam haben wir viel bewegt!

Mit dem Landesprogramm „Demokratieförderung“ stärken wir künftig die Angebote zur Demokratiebildung sowie zur Prävention von Extremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Neugierig geworden? Den vollständigen Bericht mit Themenschwerpunkten, Praxisbeispielen und Analysen finden Sie ab sofort als kostenlosen Download auf unserer Website.

Jetzt den Jahresbericht 2025 lesen 

RIAS BW STELLT ANTISEMITISMUS-BERICHT VOR

Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg erleben regelmäßig Anfeindungen im Alltag. Dies zeigt der erste Jahresbericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS BW) im Demokratiezentrum Baden-Württemberg.

RIAS BW registrierte im vergangenen Jahr 335 antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg. Fast täglich wurde ein Vorfall dokumentiert, erklärte Projektleiter Robert Ogman bei der Präsentation des Berichts in Stuttgart. In 16 Fällen griffen Täter Menschen an, in 31 Fällen beschädigten sie Eigentum.

Die meisten Vorfälle (154) ereigneten sich laut RIAS BW auf der Straße, gefolgt vom Internet und Bildungseinrichtungen wie Schulen (15) oder Hochschulen (25).

Die Zahlen bestätigten, was man seit Jahren spüre, sagte Barbara Traub, Vorstandsprecherin der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, bei der Pressekonferenz. Gemeindemitglieder zögen sich zunehmend zurück. Familien meldeten ihre Kinder aus Angst vor Stigmatisierung vom Religionsunterricht ab.

Die meisten erfassten Vorfälle stehen dem Bericht zufolge im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt – 71 Prozent beziehen sich auf Israel. „Jüdinnen und Juden, jüdische Gemeinden und Institutionen wurden angefeindet und für das vermeintliche Handeln Israels verantwortlich gemacht“, schreiben die Autoren des Berichts.

In mehr als der Hälfte der Fälle erkannte die Meldestelle keinen politischen oder weltanschaulichen Hintergrund. Bei den eindeutig zuzuordnenden Fällen stand antiisraelischer Aktivismus an erster Stelle, gefolgt von rechtsextremen (7 Prozent) und links-antiimperialistischen (6 Prozent) Vorfällen.

Baden-Württembergs Sozialminister Oliver Hildenbrand sagte, der Bericht zeige drastisch, dass Antisemitismus auch in Baden-Württemberg zum Alltag gehöre. Die erfassten Fälle seien ein Auftrag zum Handeln: „Antisemitismus ist die rote Linie.“

Die Zahlen beruhen auf Meldungen und weichen von den offiziellen Zahlen der Kriminalstatistik ab. Hier sind die Fallzahlen zuletzt auf 575 registrierte Straftaten zurückgegangen. Wie groß die Überschneidungen zwischen den polizeilich erfassten und von RIAS gemeldeten Fällen sind, ist unklar. RIAS BW geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Jetzt den Bericht von RIAS BW lesen 

 

EXTREMISTISCHE AKTEURE WERDEN IMMER JÜNGER

Extremisten werben über die sozialen Medien und mit Freizeitangeboten gezielt junge Menschen an – mit beängstigendem Erfolg.

„Der Trend zu immer jüngeren Akteuren, die zum Teil noch minderjährig sind“, setze sich fort, warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz in seinem Bericht für 2025. Erstmals widmet die Behörde dem Phänomen junger Rechtsextremer ein eigenes Kapitel. Seit Sommer 2024 haben sich mehrere „mobilisierungsstarke, aktions- und gewaltorientierte Gruppen“ aus Minderjährigen und jungen Erwachsenen gebildet, heißt es darin.

Rechtsextreme richten ihre Aktivitäten gezielt auf die Radikalisierung junger Menschen aus. Die Jugendorganisationen „Junge Nationalisten“ (JN) der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) und die „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ) der Partei „Der III. Weg“ werben intensiv in sozialen Medien um Nachwuchs. Die Zahl der Personen, die der Verfassungsschutz den Rechtsextremisten zuordnet, stieg im vergangenen Jahr um mehr als 8.000 auf fast 60.000.

Auch am linken Rand beobachten die Verfassungsschützer Ähnliches. Neue „gewaltorientierte, dogmatisch kommunistische Strukturen“ ziehen laut Verfassungsschutz besonders junge Menschen an. Der Marxismus-Leninismus werde neu aufbereitet und verbinde sich mit einer modernen, erlebnisorientierten Jugendkultur. Insgesamt stieg die Zahl der Linksextremisten im vergangenen Jahr um 4.200 auf 42.200, heißt es im Bericht.

Die Verfassungsschützer rechnen damit, noch länger mit diesen Gruppen konfrontiert zu sein. Die Geschwindigkeit, mit der die Bewegung neue Anhänger gewinne, und ihre zahlreichen Auftritte auf großen Demonstrationen zeigten, dass das Phänomen der neuen gewaltbereiten Jugendgruppen „keine kurzfristige Episode darstellt“.

Ein Thema, das viele Menschen radikalisiert und auch über extremistische Gruppen hinweg verbindet, ist der seit Oktober 2023 eskalierende Konflikt im Nahen Osten. Linksextremistische Gruppen versuchen, das Thema zu besetzen. Bei islamistischen Gruppen wirkt der Nahostkonflikt ebenfalls als Brandbeschleuniger. Auch hier gebe es immer mehr jüngere dschihadistische Akteure, „teilweise unterhalb der mit 14 Jahren beginnenden Strafmündigkeit“. Diese werden oft von Akteuren im Internet über Messengerdienste, Gaming-Plattformen und Onlineforen radikalisiert und angeleitet. Die Radikalisierung verläuft oft schnell, und die Kinder oder Jugendlichen entwickeln mitunter sogar Anschlagspläne. Insgesamt verzeichneten die Verfassungsschützer einen leichten Anstieg der Zahl der Islamisten von 28.280 auf 28.645.


Jetzt den Bericht des Verfassungsschutzes lesen

 

LANGE NACHT: MEHR ALS 50 STANDORTE LADEN EIN

Zum zweiten Mal feiert Baden-Württemberg die „Lange Nacht der Demokratie“. Am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, dem 2. Oktober 2026, ruft ein breites Bündnis Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich für Demokratiebildung und -stärkung zu engagieren. An mehr als 50 Standorten finden vielfältige Veranstaltungen statt, bei denen Menschen zusammenkommen, diskutieren und Demokratie in spannenden Formaten erleben.

Die Lange Nacht bietet Raum für Inspiration, Begegnung und Reflexion – offen, auf Augenhöhe und vielfältig. Sie zeigt demokratisches Engagement und lädt ein, sich aktiv in die Gestaltung unserer Gesellschaft einzubringen.

Mitmachen erwünscht: Engagierte aus Zivilgesellschaft, Bildung, Kultur, Initiativen oder Kommunen sind herzlich eingeladen, eigene Angebote einzureichen und Teil der Langen Nacht der Demokratie 2026 zu werden. Ob Diskussion, Workshop, Lesung, Ausstellung, Theater, Musik oder Begegnungsformat: Kreative Ideen, die Demokratie erlebbar machen und Menschen ins Gespräch bringen, sind gefragt.

Die Lange Nacht der Demokratie an mehr als 50 Standorten in Baden-Württemberg wird gefördert durch die Allianz für Beteiligung, die Baden-Württemberg Stiftung, das Ministerium für Kultus, das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit sowie die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

Die Lange Nacht der Demokratie ist eine gemeinsame Initiative von der Allianz für Beteiligung e.V., dem Demokratiezentrum Baden-Württemberg, der Kirchlicher Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg, dem Landesjugendring Baden-Württemberg e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg e.V

Weitere Informationen, Hinweise zur Beteiligung und eine Übersicht der teilnehmenden Einrichtungen finden Sie hier

 

LANDESDEMOKRATIEKONFERENZ AM 28. SEPTEMBER

„Resilient gegen Radikalisierung: Strategien zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt“, das Thema der diesjährigen Landesdemokratiekonferenz, stößt auf ein sehr großes Interesse. Sozialminister Oliver Hildenbrand wird die Veranstaltung am 28. September 2026 eröffnen. Vielen Dank für die zahlreichen Anmeldungen!

Unsere Gäste: 

Dr. Rolf Frankenberger ist Geschäftsführer Forschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen. In seinem Vortrag „Krise der Arbeit, Krise der Demokratie? Wie Rechtsextremismus, Demokratie und Arbeit zusammenhängen“ beleuchtet er ausgehend von demokratietheoretischen Überlegungen den Zusammenhang von Demokratie und Arbeitswelt. Im Fokus steht die Frage, wie in der offenen Gesellschaft Unternehmen und gesellschaftliche Akteure gemeinsam zur Stärkung demokratischer Strukturen beitragen können, insbesondere unter Bedingungen wirtschaftlicher Krisen.

Marco Varnas aus dem Projektteam UNITED – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus spricht über „Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – Verbreitung und Handlungsoptionen“. Rechtsextreme und demokratiefeindliche Ansichten dringen auch in Betriebe ein. Die aktuelle Studie „Unternehmen in Verantwortung! “ zeigt: Jeder dritte Beschäftigte in Deutschland hat bereits rechtsextreme Aussagen am Arbeitsplatz wahrgenommen. Arbeitsstätten sind damit zu Schauplätzen gesellschaftlicher Konflikte geworden. Marco Varnas fragt: Was können wir konkret tun – als Einzelne, im Team und auf struktureller Ebene?

Am Nachmittag leitet Marco Varnas gemeinsam mit Marisa Hartmann den Workshop „Rechtsextremismus in der Arbeitswelt – erkennen, einordnen & handeln“. Der Workshop richtet sich an alle Akteure, die demokratische Werte im Arbeitsumfeld aktiv stärken möchten. Er bietet Raum für Diskussion, Vernetzung und praxisnahe Lösungsansätze.

Dennis Hoenig-Ohnsorg, Gründer der Changemaker Academy, geht der Frage nach, welche Rolle Unternehmen, wirtschaftsnahe Akteure und Arbeitgebende für eine lebendige Demokratie spielen. Er zeigt, wie sich demokratische Kultur fördern, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft stärken lässt.

Moritz Wöhlbier von der Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung (minor Projektkontor für Bildung und Forschung) spricht in seinem Impuls zum Thema „Über das Schärfen von Rollen- und Aufgabenverständnissen – Demokratie und Gesellschaft am Arbeitsplatz“. 

Die Fachstelle Demokratie in der beruflichen Bildung bündelt verschiedene Unterstützungsangebote, um das demokratische Zusammenleben an den unterschiedlichen Lern- und Arbeitsorten der beruflichen Bildung zu stärken. Sie knüpft dabei an Erfahrungen aus verschiedenen Vernetzungsformaten, eigenen Bildungsangeboten, Prozessbegleitungen und Publikationsprojekten an.

Am Nachmittag stellen Anna Lorenz und Moritz Wöhlbier in einem Workshop eine Tool-Box mit KI-gestützter Beratung zur Demokratiebildung in der Arbeitswelt vor. Kern des Projekts ist eine Plattform, die Interessierten Wissen, Materialien und Beratung zum Thema Demokratie in der Arbeits- und Unternehmenswelt bereitstellt. Der Workshop führt in die Plattform und die dazugehörigen Themen ein. Er ermöglicht eine Erprobung für den eigenen Arbeitskontext und bietet Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung der Plattform.

GUT ZU WISSEN - NEUES AUS DEM THEMENFELD

Ideenwettbewerb „Geschlechtergerechte Digitalisierung“

Das Sozialministerium sucht innovative Ideen, die die ungleiche Teilhabe von Frauen und Männern an der Digitalisierung adressieren. Für die Umsetzung ausgewählter Projekte stehen bis zu 50.000 Euro pro Idee bereit. Bewerbungen können bis zum 6. September 2026 eingereicht werden.

Die gesuchten Ideen sollen eines der folgenden Themenfelder aufgreifen:

Chancen der Digitalisierung für Gleichstellung nutzen
Negative Folgen von KI und Digitalisierung begrenzen
Digitale Teilhabe und Selbstbestimmung stärken
Vielfältiges und sicheres Miteinander im digitalen Raum fördern
Bewerben können sich Kommunen, Hochschulen, freie und kirchliche Träger, Vereine sowie (Sozial)Unternehmen mit Sitz oder Einrichtung in BadenWürttemberg
Weitere Informationen und den Bewerbungsbogen finden Sie hier.


Rassistische Gewalt auf „alarmierend hohen Niveau“

Der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) registrierte im vergangenen Jahr 3.176 rechts, rassistisch und antisemitisch motivierte Angriffe. Damit wird zwar der Höchstwert aus dem Jahr 2024 unterschritten, als rund 3.450 Fälle gezählt wurden, doch die Zahl liegt deutlich höher als in den Jahren zuvor.
Rassismus bleibt mit 1.729 dokumentierten Taten das häufigste Tatmotiv und macht mehr als die Hälfte aller registrierten Angriffe aus. Zwei Menschen wurden infolge rechter Gewalt getötet. Zudem erfassten die Beratungsstellen 325 queerfeindliche und 180 antisemitische Gewalttaten.
Körperverletzungen bilden mit 1.800 Fällen erneut die größte Deliktgruppe. Hinzu kommen 1.166 Bedrohungen und Nötigungen sowie 20 versuchte Tötungsdelikte beziehungsweise schwere Körperverletzungen.
Der VBRG dokumentierte 2025 insgesamt 663 Angriffe auf politische Gegnerinnen und Gegner sowie zivilgesellschaftlich Engagierte. Das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Betroffen waren unter anderem Ehrenamtliche, Vereine, Jugendzentren, alternative Wohnprojekte und Parteibüros.
Die Zahlen basieren auf dem Monitoring der unabhängigen Fachberatungsstellen des VBRG in 13 Bundesländern. Sie sind deutlich höher als die Zahlen der offiziellen Polizeistatistik; dort ist für das Vorjahr nur von rund 1.300 rechtsextremen Gewaltdelikten die Rede.
Der VBRG begründet den Unterschied damit, dass die Ermittlungsbehörden bei der Zuordnung eines rechtsextremen Tatmotivs relativ zurückhaltend seien. Zudem würden viele Fälle gar nicht erst zur Anzeige gebracht.

Wie wird Rechtsextremismus definiert?

Rechtsextremismus zeigt sich komplex und wandlungsfähig. Der Rechtsextremismusforscher Felix Schilk beleuchtet in einem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung die Schwierigkeiten, ihn zu definieren, und erklärt gängige Ansätze.


JIM-plus-Studie: Digitale Achterbahn 

Fast die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen würde lieber in einer Zeit ohne Social Media aufwachsen. Dennoch verbringen Jugendliche ihre Freizeit am liebsten in sozialen Netzwerken. Dies zeigt die JIM-plus-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, die das digitale Wohlbefinden von 14- bis 17-Jährigen in Deutschland beleuchtet.

Laut Studie nutzen Jugendliche regelmäßig YouTube, Instagram, TikTok, Snapchat und Pinterest. Auffällig ist, dass 13 Prozent der Jugendlichen TikTok täglich drei Stunden oder länger verwenden. Die meisten beginnen zwischen 12 und 13 Jahren mit einer bestimmten Plattform. Interessant: Viele raten anderen, später einzusteigen, als sie es selbst taten.

Über Social Media stoßen Jugendliche auf problematische Inhalte. Am häufigsten begegnen sie Fake News (71 Prozent). Mit Abstand folgen extreme politische oder religiöse Inhalte (43 Prozent) und Hate Speech (40 Prozent). Besonders belastend empfinden sie ungewollte Nacktbilder, Mobbing, die Verharmlosung von Essstörungen, drastische Gewaltinhalte sowie Aufrufe zu selbstverletzendem Verhalten.


Integrationsbarometer: Das Vertrauen schwindet

Das Vertrauen in zentrale politische Institutionen Deutschlands ist zwischen 2022 und 2024 stark gesunken. Das zeigt eine Analyse der Daten des SVR-Integrationsbarometers. Besonders Menschen ohne Migrationshintergrund verloren Vertrauen: 2022 vertrauten noch rund zwei Drittel der Bundesregierung und dem Bundestag, 2024 waren es nur noch 44 bzw. 53 Prozent. Menschen mit Migrationshintergrund zeigen beiden Institutionen zwar weiterhin etwas mehr Vertrauen, doch auch hier sanken die Werte – bei der Bundesregierung von 72 auf 60 Prozent, beim Bundestag von 70 auf 61 Prozent.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass geringes politisches Vertrauen die Anfälligkeit für populistische Positionen erhöhen kann“, sagt Dr. Fabian Gülzau, Autor des Policy Briefs „Sinkendes Vertrauen als Demokratierisiko? Politisches Vertrauen und Partizipation in der Einwanderungsgesellschaft“.

Da das Vertrauen in politische Institutionen bei Menschen mit und ohne Migrationshintergrund abnimmt, empfiehlt der Policy Brief Maßnahmen, die alle Bevölkerungsgruppen ansprechen. Dazu zählen der Ausbau politischer Bildung und niedrigschwellige Beteiligungsangebote. Außerdem fordert der Bericht die politischen Parteien auf, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückzugewinnen. Mehr Präsenz vor Ort, neue Beteiligungsformate jenseits der Parteimitgliedschaft und eine transparente Kommunikation könnten helfen, die Distanz zwischen Politik und Bevölkerung zu verringern.

 

DEMOKRATIE VOR ORT - TERMINE ZUM VORMERKEN

„Einsamkeit in der Jugend: Verstehen, erkennen und begegnen“ ist der Titel einer Fachveranstaltung des Projekts Atlas, die sich mit der Einsamkeit junger Menschen in einer digital vernetzten Welt befasst. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen vor allem Fragen für die pädagogische Praxis im Mittelpunkt: Wie lässt sich Einsamkeit erkennen? Welche Handlungsmöglichkeiten haben Fachkräfte? Und wie können soziale Teilhabe und tragfähige Beziehungen gestärkt werden? Referent ist Dr. Janosch Schobin, Soziologe am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. in Frankfurt am Main. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Freundschaftssoziologie, der Einsamkeitsforschung und der Techniksoziologie.

Wann: 30.09.2026, 10:30–12:00 Uhr

Wo: Online über Zoom

Anmeldung: Einsamkeit in der Jugend: Verstehen, erkennen und begegnen | FEX – Fachstelle Extremismusdistanzierung


„Social Media verbieten? Warum Medienkompetenz wichtiger ist als Verbote“, mit diesem Thema beschäftigt sich ein Fachimpuls mit der Frage, wie junge Menschen befähigt werden können, digitale Medien reflektiert, selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu nutzen.

Im Rahmen des Projekts ATLAS Connect wirft Dirk von Gehlen einen Blick auf aktuelle Entwicklungen, Trends und Debatten in digitalen Räumen. Dabei geht es nicht nur um Risiken und Herausforderungen, sondern auch um die Potenziale sozialer Medien. Anhand konkreter Beispiele zeigt er auf, wie digitale Plattformen kreative Ausdrucksformen, gesellschaftliche Teilhabe, Gemeinschaft und Lernen ermöglichen können.

Wann: 29.10.2026, 10:30–12:00 Uhr

Wo: Online über Zoom

Anmeldung: Social Media verbieten? Warum Medienkompetenz wichtiger ist als Verbote | FEX – Fachstelle Extremismusdistanzierung


Neue Feindbilder, neue Gewaltformen? Wie verändert sich der Linksextremismus – und welche Entwicklungen sind für Prävention und pädagogische Praxis besonders relevant? Im Online Lunch gibt Isabelle Holz einen wissenschaftlich fundierten Einblick in aktuelle Entwicklungen des linksextremistischen Spektrums. Dabei richtet sie den Blick weniger auf einzelne Gruppierungen als auf die ideologischen Veränderungen dahinter: Wie verändert sich die Kapitalismuskritik? Warum gewinnen öko-anarchistische und antimodernistische Argumentationen an Bedeutung? Weshalb geraten Unternehmen und kritische Infrastrukturen zunehmend in den Fokus militanter Gruppen? Der Vortrag ordnet diese Entwicklungen ein und diskutiert ihre Bedeutung für Prävention, politische Bildung und pädagogische Praxis. Isabelle Holz  ist Vorsitzende des Netzwerks Terrorismusforschung e. V. und wissenschaftliche Mitarbeiterin und Teilprojektleiterin im Forschungsverbund MOTRA – Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung.

Wann: 26.11.2026, 12:30–14:00 Uhr

Wo: Online über Zoom

Anmeldung: Neue Feindbilder, neue Gewaltformen?- Aktuelle Entwicklungen im Linksextremismus | FEX – Fachstelle Extremismusdistanzierung

 


„Die Architektur des Wir: Wo Haltung und Respekt wachsen“ ist das Thema des 17. Karlsruher Präventionstags, der am 22. Oktober 2026 im Tollhaus in Karlsruhe stattfindet. Die Anmeldung ist von Mitte September an möglich.

 

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: ZDF-Doku: Marcant – Content gegen Rechts

Seit zwei Jahren spricht der Influencer Marcant mit Menschen aus der rechtsextremen Szene. Mit seinen Videos auf TikTok, Instagram und YouTube erreicht er Millionen. „Früher hieß es, mit Nazis redet man nicht“, sagt er. „Heute sprechen sie in Parlamenten, und ihre Reden im Internet erreichen Hunderttausende.“ Er will ein Gegengewicht schaffen. Rund 500 Menschen haben ihm geschrieben, dass sie auch wegen seiner Videos mit der Naziszene gebrochen haben. Dieses Engagement hat seinen Preis: Er steht auf rechtsextremen Todeslisten, wird täglich bedroht und musste mehrfach umziehen. Für seinen Einsatz erhielt er eine Medaille der Theodor-Heuss-Stiftung. Der Reporter Max Neidlinger begleitete den 24-Jährigen für die ZDF-Doku „Marcant gegen Rechts“.

In der ZDF-Mediathek 


Zum Lesen: Yesteryear  

Natalie Heller Mills, fundamentalistische Christin und Influencerin, inszeniert auf ihrer Ranch „Yesteryear“ das perfekte Leben – zumindest nach außen. Mit ihrem Ehemann und ihren fünf Kindern präsentiert sie auf Social Media das Bild der idealen Tradwife. Niemand soll wissen, dass hinter der makellosen Fassade Produzenten, Nannys und Farmarbeiter stehen.  Doch eines Morgens erwacht Natalie in einer Vergangenheit, in der all das nicht existiert. Statt des Familienidylls erwartet sie die harte Realität des Farmlebens im späten 19. Jahrhundert.

Caro Claire Burke nutzt diese Geschichte einer absurden Zeitreise, um Tradwife-Trend, Social Media und die Manosphere kritisch zu beleuchten. Eine spannende und zugleich nachdenkliche Urlaubslektüre.

Caro Claire Burke: Yesteryear. Heyne Verlag, 446 Seiten, 24 Euro


Zum Hören: „Amann Unframed“  

Manchmal muss man auch mit Menschen reden, die als schwierig gelten. Melanie Amann tut das. Sie arbeitete früher für den Spiegel. Heute ist sie Chefredakteurin Digital der Funke-Zentralredaktion.

Sie spricht zum Beispiel mit dem Podcaster Ben Berndt, der kurz zuvor Björn Höcke vier Stunden lang quasseln ließ, mit Harald Martenstein („Wie oft haben Sie schon AfD gewählt? “), mit Jette Nietzard („Wie sehr hassen Sie Männer? “) oder mit Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger („Wie rechts ist Frei.Wild? “).

Auf allen Plattformen, wo es Podcasts gibt.