Neun junge Menschen halten sich aneinander und sind von hinten fotografiert
 

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum Oktober-Newsletter des Demokratiezentrums Baden-Württemberg. Die aktuellen Zeiten mögen dazu verleiten, den Kopf in den Sand zu stecken. Warum ist das Angebot einer autoritären, nationalistischen oder menschenfeindlichen Politik für manche Menschen attraktiver geworden als das Versprechen der Demokratie? Wie können diese Menschen zurückgeholt werden? Demokratie braucht Orte; Orte der Begegnung für Menschen aus unterschiedlichen Lebensrealitäten. Die gibt es! Zum Beispiel bei den mehr als 200 Veranstaltungen der Langen Nacht der Demokratie am 2. Oktober 2026. Dieses immense Engagement macht zuversichtlich. Zuversichtlich stimmt uns auch, dass sich immer häufiger Menschen bei uns melden, die sich ehrenamtlich für die Demokratieförderung engagieren möchten. Vielen Dank dafür.

Was Sie in dieser Ausgabe zudem erwartet:

  • Rückblick auf die Landesdemokratiekonferenz
  • Last Call: Lange Nacht der Demokratie
  • Unsere neue Broschüre ist da!
  • Demokratie-Monitor 2026
  • Expertenkommission: Keine strikte Altersbegrenzung für Nutzung sozialer Medien
  • Die gute Nachricht

Falls Sie diesen Newsletter neu entdeckt haben, finden Sie mehr über unsere Arbeit auf www.demokratiezentrum-bw.de. Die erschienenen Newsletter stehen dort im Archiv. Aktuelle Informationen erhalten Sie auch über unsere sozialen Medien. Sie finden uns auf Facebook, Instagram und neuerdings auf dem dezentralen Netzwerk Mastodon!

Eine anregende Lektüre und einen gelungenen Herbst wünscht Ihnen

Ihre Landeskoordinierungsstelle des Demokratiezentrums Baden-Württemberg

PS: Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie an info@demokratiezentrum-bw.de.

 

ERFOLGREICHE LANDESDEMOKRATIEKONFERENZ

Mehr als 150 Teilnehmer aus Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und Demokratieförderung diskutierten bei der Landesdemokratiekonferenz 2026 Strategien zur Demokratieförderung und Extremismusprävention in der Arbeitswelt.

Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit, betonte bei der Eröffnung in der IHK Region Freiburg, wie wichtig der Austausch zwischen den Akteuren ist: „Polarisierung, Desinformation und Radikalisierung machen vor Werkstoren oder Bürotüren nicht halt. Wo antidemokratische Parolen geduldet werden, leidet nicht nur das Betriebsklima, es leidet unser gesamtes Zusammenleben.“

Die Landesdemokratiekonferenz soll, so Hildenbrand, Brücken zwischen der Fachpraxis der Demokratieförderung und dem Arbeitsleben schlagen. „Wir wollen das Know-how der Experten mit der Gestaltungskraft der Unternehmen verbinden und gemeinsam ein starkes Bündnis gegen Radikalisierung und für demokratische Werte schmieden – am Arbeitsplatz und darüber hinaus. “

„Die regionale Wirtschaft sorgt sich um die Demokratie“, sagte Andrea Bosch, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart. „Wir müssen jetzt konkret werden. Nicht nur reden, sondern handeln!“

Fachliche Impulse und Workshops von Marco Varnas, Wiebke Elias, Dennis Hoenig-Ohnsorg, Anna Lorenz, Mathieu Coquelin und Derya Sahan boten viel Raum für Austausch, Vernetzung und neue Perspektiven. Sie zeigten, wie Betriebe demokratische Werte stärken können.

Minister Hildenbrand betonte, dass die Landesregierung fest an der Seite aller Engagierten stehe.  Das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit priorisiere bewusst jetzt das neue Landesprogramm Demokratieförderung, um Angebote zur Demokratieförderung und Extremismusprävention gezielt zu systematisieren und zu stärken. Die Gesellschaft dürfe sich nicht einschüchtern lassen: „Unsere Zuversicht bekommen sie nicht.“

 

LAST CALL: LANGE NACHT DER DEMOKRATIE AM 2. OKTOBER

Interesse an der „Börse der Demokratie“, die in Baden-Baden stattfindet? Oder lieber zum Format „Sprechen und Zuhören“, das die Volkshochschule in Biberach an der Riß veranstaltet? Wie wäre es mit dem „Realtalk in der Straba – Mitmachaktion zu Desinformation und Demokratie in Freiburg“? Oder zur Veranstaltung „Entdecke Dein Demokrat: Ich bei Schmackofatz mit Sprachrabatz“ in Böblingen der Katholischen Erwachsenenbildung.

Das sind gerade mal vier der mehr als 200 Veranstaltungen, die am Freitag, 2. Oktober 2026, dem Vorabend des Tags der Deutschen Einheit, anlässlich der Langen Nacht der Demokratie stattfinden. In mehr als 87 Städten und Gemeinden laden Volkshochschulen, Kommunen, Bildungseinrichtungen, Initiativen, Vereine und weitere Partner zu Gesprächen, Diskussionen und kreativen Formaten rund um Demokratie ein. 184 Veranstalter haben 196 Angebote auf der Website veröffentlicht.

Das Programm ist so vielfältig wie die beteiligten Orte. Bürgerinnen und Bürger, Politik, Medien, Kultur, Bildung und engagierte Jugendliche kommen miteinander ins Gespräch und setzen gemeinsam ein sichtbares Zeichen für eine lebendige Demokratie. Im Mittelpunkt steht stets die Frage, wie demokratische Beteiligung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und eine offene Diskussionskultur gestärkt werden können.

Die Lange Nacht der Demokratie in Baden-Württemberg wird von einem breiten Bündnis getragen: der Allianz für Beteiligung e. V., dem Demokratiezentrum Baden-Württemberg, der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg (KiLAG), dem Landesjugendring Baden-Württemberg e. V., der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg e. V. 48 Pilotstandorte werden durch die Baden-Württemberg Stiftung, das Ministerium für Kultus, das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit sowie die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg gefördert.

Alle Veranstaltungen sowie weitere Informationen finden Sie unter www.langenachtderdemokratie-bw.de. Die zentrale Website bündelt die Veranstaltungen nach Landkreisen und Städten und ermöglicht die Suche nach Angeboten in der eigenen Region.

 

DRUCKFRISCH: UNSERE NEUE BROSCHÜRE

Unsere neue Broschüre stellt die Angebote der Fach- und Beratungsstellen des Demokratiezentrums für Engagierte, Betroffene und Interessierte vor. Die Broschüre können Sie ab sofort kostenlos als PDF auf unserer Website unter „Publikationen und Infomaterial – Demokratiezentrum Baden-Württemberg“ herunterladen. Gedruckte Exemplare für Einrichtungen, Schulen oder Veranstaltungen bestellen Sie einfach per E-Mail an info@demokratiezentrum-bw.de.

 

DEMOKRATIE-MONITOR 2026: RECHTSPOPULISMUS WÄCHST

Die gute Nachricht: In Baden-Württemberg ist die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden. Das geht aus dem aktuellen Demokratie-Monitor der Universität Hohenheim hervor. 61 Prozent der Befragten sind mit dem Funktionieren der Demokratie auf kommunaler Ebene zufrieden, 60 Prozent auf Landesebene und 42 Prozent mit Blick auf Deutschland.

Die schlechte Nachricht: Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung wächst – und dies treibt den  Rechtspopulismus voran. Rund ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland glaubt,  „geheime Mächte“ beeinflussten die Politik. Gut ein Fünftel ist überzeugt, Massenmedien würden die Bevölkerung „systematisch belügen“. 13 Prozent sehen das Land eher in einer Diktatur als in einer Demokratie.

17 Prozent der Befragten haben ein rechtspopulistisches Weltbild, erklärt der Kommunikations- und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider: „Bei acht Prozent der Befragten findet sich ein sehr starker Grad an Populismus, bei neun Prozent ein starker Grad.“ Der Anteil bleibt damit auf dem Niveau der Jahre 2025 und 2024. Doch die Grenze verschiebt sich: Der Anteil derjenigen, die an der Schwelle zu einem populistischen Weltbild stehen, ist gestiegen.

Mit steigender formaler Bildung sinkt die Zustimmung zu populistischen Ansichten. Am höchsten ist der Anteil bei Männern zwischen 45 und 59 Jahren (25 Prozent), am niedrigsten bei Frauen zwischen 16 und 29 Jahren (8 Prozent).

Ein weiteres Ergebnis hält Prof. Dr. Brettschneider für bemerkenswert: „Menschen mit einem populistischen Weltbild bewerten die Lebensqualität in ihrem Bundesland deutlich schlechter als andere. Sie blicken weniger optimistisch in ihre persönliche Zukunft und glauben überdurchschnittlich oft, dass früher alles besser war. “

Der Wissenschaftler sieht einen möglichen Zusammenhang mit der intensiven Nutzung sozialer Medien. „Wer sich dann – gesteuert durch Algorithmen – dem Doomscrolling hingibt, glaubt irgendwann, die Welt stehe vor dem Untergang“, so Brettschneider.

Das größte Vertrauen genießen Wissenschaft, Polizei und Gerichte. Am unteren Ende der Vertrauensskala stehen neben der Bundesregierung das Europäische Parlament, die politischen Parteien und Social-Media-Plattformen.

Der Demokratie-Monitor zeigt Wege auf, um die Demokratie zu stärken. Dazu gehört ein Staat, der als funktionierend wahrgenommen wird, eine ernsthafte Entbürokratisierung, verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und eine Politik, die Bürgerinnen und Bürger einbindet. Brettschneider: „Das Gehörtwerden ist wichtig.“ Entscheidend sei zudem eine verständliche und nachvollziehbare Kommunikation der Politik. Medien sollten politische Prozesse nicht als Machtspiel, sondern als Abwägung von Vor- und Nachteilen darstellen. Fake News und Hassreden auf Social-Media-Plattformen schwächten die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Für den Demokratie-Monitor hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im August 10.107 Menschen in Baden-Württemberg und 10.115 Menschen im übrigen Bundesgebiet befragt.

Der Demokratie-Monitor zum Download

 

 

SOZIALE MEDIEN: HERANFÜHREN STATT STARRER REGELN

Die unabhängige Expertenkommission hat 56 Empfehlungen vorgelegt, um Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt besser zu schützen. Eine strikte Altersbegrenzung für die Nutzung lehnt sie ab. Stattdessen schlägt sie zwei Alternativen vor: ein gesetzliches Mindestalter von 13 Jahren, mit Ausnahmen ab 6 Jahren für kindgerechte Angebote, oder altersabhängige Regelungen je nach Dienst.

Eine einheitliche Altersgrenze ab 15 oder 16 Jahren lehnt die Kommission ab. Sie warnt: Eine solche Grenze schließt Jugendliche vom öffentlichen Gespräch aus. Sie bremst die politische Meinungsbildung. Und sie lädt zum Umgehen ein.

„Weder unkritischer Technikoptimismus noch reine Verbote werden den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht“, schreibt die Kommission im Gutachten. Nötig sei eine Strategie, die Risiken begrenzt, Chancen eröffnet und die Rechte junger Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Eltern sollen lernen, ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien anzuleiten, pädagogische Fachkräfte sollen entsprechend geschult werden. In Grundschulen soll digitale Bildung und Medienkompetenz stärker gefördert werden. Kinder sollten ein verpflichtendes KI-Seepferdchen erwerben. Außerdem empfiehlt die Kommission Maßnahmen, um Abhängigkeiten vorzubeugen. Analoge Freizeitangebote sollen gestärkt und Hilfsangebote leicht zugänglich gemacht werden.

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) will die Empfehlungen der Expertenkommission rasch umsetzen. Bis Mitte Oktober sollen die Eckpunkte für ein Sofortprogramm stehen.

Die Europäische Kommission will den Zugang Minderjähriger zu sozialen Medien ebenfalls regulieren. Der Entwurf sieht ein schrittweiser Heranführen statt starrer Altersgrenzen vor.

Der Abschlussbericht der Expertenkommission zum Download 

 

 

GUT ZU WISSEN

Bundesprogramm „Demokratie leben!“

Beim Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fallen im kommenden Jahr rund 30 Millionen Euro weg. Das geht aus dem Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 hervor. Die Mittel für Maßnahmen zur Stärkung von Demokratiebildung und Extremismusprävention sinken von rund 204,5 Millionen Euro auf 170,1 Millionen Euro. Davon entfallen rund 167,4 Millionen Euro auf das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Im laufenden Jahr stehen dafür 191 Millionen Euro bereit. Über den Haushalt entscheidet der Bundestag Ende November.

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin hatte Ministerin Karin Prien (CDU) angekündigt, das Programm nachzuschärfen und fünf Millionen Euro zusätzlich für Programme zur Deradikalisierung bereitzustellen. Davon profitiert auch das Demokratiezentrum Baden-Württemberg.

Durch den Umbau des Bundesprogramms läuft die Förderung von rund 200 Projekten zum Jahresende aus. Für 2027 gingen mehr als 1200 Interessenbekundungen in den Programmebene Land (Koordinierung von Projekten), Bund und Digitaler Raum beim Bundesfamilienministerium ein.


Attentäter-Fanszene auf TikTok

Die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg hat bei einer Analyse auf TikTok zahlreiche Inhalte entdeckt, die Attentäter und Amokläufer verherrlichen oder ihre Taten verharmlosen. Dafür legte die Behörde einen Account mit einem Alter von 16 Jahren an und simulierte Interesse an solchen Beiträgen. Nach dem Training des Algorithmus nahm mehr als ein Fünftel der vorgeschlagenen Videos unterstützend auf Täter Bezug. Dazu zählten unter anderem KI-Videos, nachgestellte Gewalttaten in Spielen und verschleiernde Begriffe.


Studie: Wahlverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund

Immer weniger Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich von deutschen Parteien angesprochen. Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM).

Dies gilt vor allem für Wahlberechtigte, die Wurzeln in der Türkei haben, in Nahost, Nordafrika, Afghanistan oder Pakistan. Von ihnen konnte sich zum Zeitpunkt der Befragung nur jeder Zweite vorstellen, jemals CDU oder CSU zu wählen, nach 67 Prozent ein Jahr zuvor. Die SPD rutschte in dieser Gruppe von 71 Prozent auf 60 Prozent ab. Auch die Linke verlor unter Wahlberechtigten mit familiären Wurzeln in diesen Staaten deutlich an Zuspruch.

Zu den Gründen für ihre Abkehr von den Parteien zählten mangelnde politische Repräsentanz und das Gefühl, mit den eigenen Problemen nicht gesehen zu werden, sagt Martin Gerlach, Bundesgeschäftsführer der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD). Eines davon sei die Zunahme von antimuslimischem Rassismus. Dieser stelle auch für Muslime, die selbst nicht religiös seien, ein Problem dar.


Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der SPD zum Thema „Was unternimmt die Landesregierung gegen Rechtsextremismus?“

Die Landesregierung zeigt sich alarmiert über die „zunehmende Attraktivität“ des Rechtsextremismus für junge Menschen. Das geht auf die Antwort auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion zum Thema „Was unternimmt die Landesregierung gegen Rechtsextremismus?“ hervor. Der Anteil der unter 30-Jährigen unter den Rechtsextremisten stieg demnach zwischen 2023 und 2025 um fünf Prozentpunkte. Rund 400 Personen in der rechtsextremen Szene sind zwischen 14 und 24 Jahre alt, etwa 40 davon minderjährig, also zwischen 14 und 17 Jahren.

Das Landesamt für Verfassungsschutz berichtet von einem „bedeutenden Personenpotenzial“ rechtsextremistischer Jugendlicher aus der Ukraine. Diese seien oft überregional vernetzt und organisierten sich teils in Gruppenstrukturen. Sie gelten als „extrem gewalttätig“, verbreiten neonazistische Parolen und zeigen eine ausgeprägte Homophobie. Es bestünden Verbindungen zur einheimischen rechtsextremen Szene und zu rechtsextremen Migrantengruppen. Ein Hinweis auf das generelle Gewaltpotenzial sind die in rechtsextremen Jugendgruppen weit verbreiteten Kampfsporttrainings.


Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD zum Umgang mit islamistischen Personen in Baden-Württemberg liefert unter anderem Zahlen zur Ausstiegsberatung für radikalisierte Personen und deren Umfeld.  Das Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg (konex), angesiedelt beim Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum des Landeskriminalamts, bietet mit seinem Netzwerk landesweit Informationen und Beratungen gegen politisch und religiös motivierten Extremismus an. Seit 2018 bearbeitete die Ausstiegsberatung des konex rund 500 Fälle im Phänomenbereich islamistischer Extremismus. Derzeit sind mehr als 30 Vorgänge in Bearbeitung. Zudem berate die Fachstelle Extremismusdistanzierung Baden-Württemberg niederschwellig im Rahmen der „Direkten Beratung“ Personen, die sich extremistisch radikalisiert haben.

 

 

AKTUELLE AUSSCHREIBUNGEN

Modellprojekte der politischen Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) fördert 2027 bundesweit zeitlich begrenzte Modellprojekte der politischen Bildung. Unterstützt werden Vorhaben, die neue Methoden und Konzepte entwickeln, erproben, überprüfen oder weiterentwickeln und daraus Erkenntnisse für die politische Bildungsarbeit gewinnen. Anträge können bis einschließlich 15. Oktober 2026 eingereicht werden. Der frühestmögliche Projektbeginn ist der 1. März 2027; ein späterer Beginn ist ebenfalls möglich.

Für die Modellförderung 2027 sind folgende Themen und Zielgruppen vorgesehen: Geopolitik, Resilienz und Handlungsoptionen in Zeiten internationaler Umbrüche, Antisemitismus und Demokratiegefährdung, Rechtsstaat und demokratischer Verfassungsstaat, Wohlstand, Arbeit und gerechte Transformation sowie Vernetzung und Professionalisierung in der politischen Bildung. Zusätzlich richtet sich die Ausschreibung an Auszubildende und junge Berufstätige sowie alltagsbelastete und sozioökonomisch benachteiligte Menschen.

Weitere Informationen finden Sie hier.


Wertstätten der Demokratie

Das Programm „Wir sind dabei! – Wertstätten der Demokratie“ startet in eine neue Förderphase. Ab sofort können Projekte eingereicht werden!

Die Baden-Württemberg Stiftung und der Landesjugendring fördern Jugendgruppen und Träger der Jugendarbeit, die sich kreativ und konstruktiv mit demokratischen Werten auseinandersetzen. Ziel ist es, Strategien gegen demokratiefeindliche Tendenzen zu entwickeln und eine demokratische Haltung zu stärken. Junge Menschen erleben Demokratie so direkt und praxisnah.

Förderanträge können bis zum 25. Oktober 2026 gestellt werden: Bis zu 25.000 Euro für Gemeinschaftsprojekte mit mindestens drei Jugendgruppen und einer Laufzeit von mindestens zwölf Monaten. Bis zu 5.000 Euro für Einzelprojekte mit einer Jugendgruppe und einer Laufzeit von mindestens sechs Monaten.

Die Programmfachstelle begleitet die Projekte fachlich, organisiert praxisnahe Qualifizierungen und fördert den Austausch zwischen den teilnehmenden Organisationen. Veranstaltungen und Netzwerktreffen ergänzen das Angebot.

Weitere Informationen sind hier zu finden.


Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“

Der Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“ startet in eine neue Runde. Bis zum 15. Dezember 2026 können Projekte eingereicht werden, in denen junge Menschen vom Kindergartenalter bis 25 Jahre eigene Ideen einbringen und sich für ein demokratisches Miteinander engagieren. Gesucht werden Projekte aus Kitas, Schulen, Jugendzentren, Jugendvollzugsanstalten, Vereinen, Hochschulgruppen und freien Initiativen. Entscheidend ist, dass junge Menschen das Projekt selbst mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Als Hauptpreis werden 50 Projekte zum Demokratiefestival nach Berlin eingeladen. Dort kommen junge Engagierte aus ganz Deutschland für drei Tage zusammen. Sie lernen die Ideen und Projekte der anderen kennen und tauschen sich darüber aus, was sie bewegt.

Zusätzlich vergibt der Wettbewerb Sonderpreise im Wert von jeweils 300 Euro in den Bereichen Film, Journalismus, Kunst und Kita. Neu in diesem Jahr ist der Klimapreis: Ausgezeichnet werden Projekte, die sich mit Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Klimafolgen oder dem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen beschäftigen. Auch dieser Sonderpreis ist mit 300 Euro dotiert. Projektideen in der Anfangsphase können außerdem mit einer Anschubfinanzierung von 300 Euro unterstützt werden.

Weitere Informationen und Bewerbung sind hier zu finden.


Tag der Demokratiegeschichte

Am 18. März 2027 findet der zweite Tag der Demokratiegeschichte statt. Die Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ ruft gemeinsam mit der AG Orte der Demokratiegeschichte Initiativen, Museen, Bibliotheken, Archive, Gedenkstätten, Kommunen und zivilgesellschaftliche Gruppen zum Mitmachen auf.

Alle Veranstaltungen werden auf einer gemeinsamen Webseite präsentiert. So entsteht eine gemeinsame Dachmarke, mit der sich jede lokale Initiative als Teil eines großen, bundesweiten Netzwerkes darstellen kann. Die Stiftung stellt Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit bereit. Bei Bedarf kann für Veranstaltungen einen Zuschuss in Höhe von bis zu 1.500 Euro beantragt werden. Die Frist zur Anmeldung von Veranstaltungen ist der 31. Januar 2027, Förderanträge können bis zum 1. November 2026 eingereicht werden.

Weitere Informationen sind hier zu finden.

 

BÜNDNIS GEGEN EINSAMKEIT

Einsamkeit betrifft Menschen in Baden-Württemberg über alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Gruppen hinweg. Laut der Studie „Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt – Baden-Württemberg 2025″ (Bertelsmann Stiftung/GenNow) fühlen sich 30,1 Prozent der Befragten moderat und 8,1 Prozent stark einsam – zusammen also mehr als jede dritte Person im Land. Besonders betroffen sind Menschen mit sozioökonomischen Belastungen wie geringem Einkommen, niedrigem Bildungsstand oder chronischen Erkrankungen.

Ausgehend vom aktuellen Koalitionsvertrag gründet Baden-Württemberg am 2. November 2026, 9:00 Uhr bis 16.30 Uhr, ein Bündnis gegen Einsamkeit: eine gemeinsame Plattform für Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis. Die Gründungsveranstaltung bringt mit einem ganztägigen Programm Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, die sich mit dem Thema Einsamkeit befassen und legt damit die Grundlage für ein konzertiertes Vorgehen im Land. Ein umfangreiches Workshop-Programm sowie ein Markt der Möglichkeiten ermöglichen zudem, unterschiedliche Facetten der Thematik Einsamkeit kennen zu lernen und sich mit Praktikern auszutauschen und zu vernetzen. Die Veranstaltung findet im Stuttgarter Hospitalhof statt. Anmeldeschluss ist der 07.10.2026.

Das Programm und die Anmeldung sind hier zu finden.

 

 

 

 

 

DEMOKRATIE VOR ORT

Wie gestaltet sich muslimisches Leben im deutschsprachigen Raum? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen sich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz? Beim Online-Lunch der Fachstelle Extremismusdistanzierung stellt der Islam- und Religionswissenschaftler Dr. Hussein Hamdan zentrale Erkenntnisse aus dem transnationalen Projekt „Brückenbauen im DACH-Raum“ vor. Mehr als zwei Jahre begleitete das Projekt der Eugen-Biser-Stiftung jeweils zwei Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die gemeinsam mit muslimischen Gruppen vor Ort konkrete Vorhaben entwickelten und umsetzten.

Das Format richtet sich an Fachkräfte aus Verwaltung, kommunaler Praxis, politischer Bildung und Zivilgesellschaft, die sich mit Fragen von Integration, Religionspolitik und gesellschaftlichem Zusammenhalt beschäftigen.

Wann: 7.10.2026, 12:30 Uhr – 14:00 Uhr

Wo: Online über Zoom

Information und Anmeldung


„Social Media verbieten? Warum Medienkompetenz wichtiger ist als Verbote“, mit diesem Thema beschäftigt sich ein Fachimpuls mit der Frage, wie junge Menschen befähigt werden können, digitale Medien reflektiert, selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu nutzen. Im Rahmen des Projekts ATLAS Connect wirft Dirk von Gehlen einen Blick auf aktuelle Entwicklungen, Trends und Debatten in digitalen Räumen. Dabei geht es nicht nur um Risiken und Herausforderungen, sondern auch um die Potenziale sozialer Medien. Anhand konkreter Beispiele zeigt er auf, wie digitale Plattformen kreative Ausdrucksformen, gesellschaftliche Teilhabe, Gemeinschaft und Lernen ermöglichen können.

Wann: 29.10.2026, 10:30 Uhr –12:00 Uhr

Wo: Online über Zoom

Informationen und Anmeldung


Neue Feindbilder, neue Gewaltformen? Wie verändert sich der Linksextremismus? Und  welche Entwicklungen sind für Prävention und pädagogische Praxis besonders relevant? Im Online-Lunch gibt Isabelle Holz einen wissenschaftlich fundierten Einblick in aktuelle Entwicklungen des linksextremistischen Spektrums. Sie richtet den Blick weniger auf einzelne Gruppierungen als auf die ideologischen Veränderungen dahinter: Wie verändert sich die Kapitalismuskritik? Warum gewinnen öko-anarchistische und antimodernistische Argumentationen an Bedeutung? Weshalb geraten Unternehmen und kritische Infrastrukturen zunehmend in den Blickwinkel militanter Gruppen? Der Vortrag ordnet diese Entwicklungen ein und diskutiert ihre Bedeutung für Prävention, politische Bildung und pädagogische Praxis. Isabelle Holz  ist Vorsitzende des Netzwerks Terrorismusforschung e. V. und wissenschaftliche Mitarbeiterin und Teilprojektleiterin im Forschungsverbund MOTRA – Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung.

Wann: 26.11.2026, 12:30 Uhr –14:00 Uhr

Wo: Online über Zoom

Informationen und Anmeldung

 

 

 

ZUM SEHEN, ZUM LESEN, ZUM HÖREN

Zum Sehen: Deutschland, ich küss‘ dein Herz

Comedian, Bestseller-Autor und Social-Media-Star Tahsim Durgun („Mama, bitte lern Deutsch“) bricht für die sechsteilige ARD-Serie „Deutschland, ich küss‘ dein Herz“ zu einem besonderen Roadtrip auf. Zwischen Nordseestränden und Krustenbraten, Kleingartenvereinen und Fußballstadien will er seiner kurdischen Tante Zeynep Deutschland näherzubringen. Zeynep, die seit 40 Jahren in Deutschland lebt, sieht viele Orte zum ersten Mal. Die Serie ist eine humorvolle Liebeserklärung an Deutschland und die Generation jener Menschen, die als Gastarbeiter der ersten Generation nach Deutschland kamen.

In der ARD-Mediathek


Zum Lesen: Justus Bender: Deutschland 2033. Ein Szenario.

Bundestagswahl 2033: Hundert Jahre nach der Machtübernahme der Nazis gewinnt die AfD die Bundestagswahl, Alice Weidel wird Kanzlerin. Das ist das Szenario, das Justus Bender von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung entwirft. Er beschreibt eine schleichende Entwicklung, gestützt auf das AfD-Parteiprogramm für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Entzauberung der AfD, auf die viele gehofft hatten, findet nicht statt. Die Rechtspopulisten zerlegen den liberalen Verfassungsstaat Stück für Stück. In nur einem Jahr entsteht ein autoritäres Regime, das Menschenrechte und Demokratie verachtet. Der Zusammenbruch erfolgt leiser, als viele dachten: ohne revolutionäre Gewalt, ohne fanatisierte Massen – nur durch Verwaltung, Paragrafen und eine politisierte Justiz. Die Republik stirbt, doch das Land bleibt still. Bender fragt sich, wie es dazu kommen konnte – und was Politik und Zivilgesellschaft heute anders machen könnten, damit aus der Fiktion nicht Realität wird.

Justus Bender: Deutschland 2033. Ein Szenario. C.H. Beck Verlag, München 2026, 284 Seiten, 20,00 Euro 


Zum Hören:  „Radikalisierte Jugendliche – und der Einfluss von NGOs

Wenn sich junge Menschen radikalisieren, geschieht dies vor allem in den sozialen Medien. Nina Kolleck erforscht diese Prozesse. Sie lehrt als Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam und interessiert sich für die Rolle sozialer Netzwerke. Im SWR-Bildungspodcast „Die Schule brennt“ spricht sie mit Bob Blume nicht nur über die medialen Netze, sondern zudem über Netzwerke, die von außen auf das Bildungssystem einwirken. Nichtregierungsorganisationen etwa beeinflussen die Bildung weltweit. Sie haben dazu weder Mandat noch Auftrag – aber Interessen. Ihre Ziele variieren: Einige fördern Bildungsgerechtigkeit und Nachhaltigkeit, andere handeln im Sinne von Unternehmen.

Zum Podcast

 

 

DIE GUTE NACHRICHT

SC Freiburg zeigt Rechtsextremismus die rote Karte

Extrem rechte Ideologie ist auch im Fußballstadion anzutreffen. Rassistische Parolen und Anfeindungen sind immer wieder auf den Rängen zu hören. Der SC Freiburg will dies nicht tolerieren: Er hat eine neue Broschüre und Hinweistafeln im Stadion erstellt, um Fans und Besucher über extrem rechte Symbole, Zeichen, Marken und Codes aufzuklären. Sie sollen die Stadionbesucher ermutigen, diskriminierendem Verhalten gemäß der Vereinssatzung mutig und entschieden entgegenzutreten. Der Schwerpunkt liegt auf Erscheinungsformen, die im Fußball und Sport relevant sind. Der Verein schult regelmäßig das Ordnungs- und Sicherheitspersonal. Mit diesem Konzept will der SC Freiburg ein diskriminierungsfreies Umfeld im Europa-Park Stadion schaffen und dem Rechtsextremismus im Fußball die rote Karte zeigen.

Die Broschüre gibt es hier zum Download